Forschung Forschungsprojekte ZWEIT

ZWEIT - Bestandsaufnahme und Bedarfsanalyse von medizinischen Zweitmeinungsverfahren in Deutschland

Projektbeschreibung

Patientinnen und Patienten haben einen rechtlichen Anspruch auf eine unabhängige ärztliche Zweitmeinung, wenn bei ihnen ein operativer Eingriff geplant ist. Dieser Rechtsanspruch ist bislang auf die Eingriffe Gebärmutterentfernung und Operationen an den Gaumenmandeln (Tonsillotomie/Tonsillektomie) begrenzt.
Das Projekt soll wichtige Erkenntnisse zur derzeitigen Umsetzung von Verfahren zur Bildung einer Zweitmeinung liefern. Dabei werden aktuelle Informationen zur Inanspruchnahme von Zweitmeinungen erhoben. Es wird untersucht, wie Patientinnen und Patienten den Beitrag der Zweitmeinung zu einer informierten Entscheidungsfindung erleben und welche Ansprüche die Einholung einer Zweitmeinung an den Umgang mit Gesundheitsinformationen und die Gesundheitskompetenz stellt.
In einem ersten Schritt soll bundesweit erhoben werden, ob und wie Zweitmeinungsverfahren von gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen durchgeführt werden. Danach erfolgt eine Bedarfsanalyse aus Sicht der Allgemeinbevölkerung, ausgewählter Patientengruppen, und von Ärztinnen und Ärzten. Die aus den Befragungen erhaltenen Daten werden ausgewertet und mit Experten diskutiert. Es werden Kriterien für Zweitmeinungsverfahren identifiziert, die den Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten entsprechen.

Die gewonnen Erkenntnisse sollen zukünftige Zweitmeinungsverfahren verbessern, die patientenzentrierte Medizin fördern und dabei helfen, die Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses zu Zweitmeinungsverfahren weiterzuentwickeln.

Förderung

Das Projekt wird für drei Jahre durch den Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss aus Mitteln des Innovationsfonds gefördert.


Gefördert durch:


Informationen für Ärztinnen und Ärzte

Für die Durchführung des Forschungsprojekts ZWEIT benötigen wir Ihre Unterstützung. Durch Ihre Teilnahme tragen Sie zur Erforschung der aktuellen Zweitmeinungsversorgungssituation bei. Fortschritte in der Forschung sind die Voraussetzung für die Verbesserung der Versorgungssituation.

Fachärztinnen und Fachärzte aus dem Bereich Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde (HNO)

Im Rahmen der Aufklärung zur Option einer Zweitmeinung bei Empfehlung einer Tonsillektomie oder Tonsillotomie bitten wir Sie allen Patientinnen und Patienten die Teilnahme an der ZWEIT-Studie zu ermöglichen und den entsprechenden Fragebogen sowie eine Einladung zu einem Interview auszuhändigen. Erfahrungsgemäß sollte dies nur wenige Minuten zusätzlich beanspruchen. Die Interviews werden von Mitarbeitern der MHB durchgeführt.
Sie erhalten für die Rekrutierung und Aufklärung von Teilnehmenden eine Aufwandsentschädigung pro ausgegebenen Fragebogen.

Fachärztinnen und Fachärzte aus dem Bereich Gynäkologie

Im Rahmen der Aufklärung zur Option einer Zweitmeinung bei Empfehlung einer Hysterektomie bitten wir Sie allen Patientinnen die Teilnahme an der ZWEIT-Studie zu ermöglichen und den entsprechenden Fragebogen sowie eine Einladung zu einem Interview auszuhändigen. Erfahrungsgemäß sollte dies nur wenige Minuten zusätzlich beanspruchen. Die Interviews werden von Mitarbeitern der MHB durchgeführt.
Sie erhalten für die Rekrutierung und Aufklärung von Teilnehmenden eine Aufwandsentschädigung pro ausgegebenen Fragebogen.

Allgemein

Den Informationsflyer für Ärztinnen und Ärzte aus Brandenburg finden Sie hier.

Den Informationsflyer für Ärztinnen und Ärzte aus Berlin und anderen Bundesländern finden Sie hier.

Informationen, was Praxen zum Zweitmeinungsverfahren wissen sollten, finden Sie in einer PraxisInfo der KBV.

Ansprechpartner
Bitte melden Sie sich bei Interesse sowie bei Wunsch nach weiteren Informationen bei:
Dr. Cecile Ronckers
Medizinische Hochschule Brandenburg
Telefon: 03391 39-14590
E-Mail: zweit@mhb-fontane.de

Informationen für Patientinnen und Patienten

Für die Befragung suchen wir Patientinnen und Patienten oder deren Erziehungsberechtigte. Durch Ihre Teilnahme helfen Sie Zweitmeinungsverfahren weiterzuentwickeln und somit die Gesundheitsversorgung zu verbessern.

Wir suchen Teilnehmerinnen und Teilnehmer für Interviews und die Fragebogenerhebung aus den folgenden Bereichen:

Bereich Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde (HNO)

Sie können teilnehmen, wenn

  • Sie oder Ihr Kind von einem Facharzt eine OP-Empfehlung für eine (Teil-)Entfernung der Gaumenmandeln erhalten haben

oder

  • bei Ihnen oder Ihrem Kind in der Vergangenheit eine (Teil-)Entfernung der Gaumenmandel vorgenommen wurde (OP liegt mind. 1 Monat und max. 2 Jahre zurück).

Bereich Gynäkologie

Sie können teilnehmen, wenn

  • Sie von einem Facharzt eine OP-Empfehlung für eine Entfernung der Gebärmutter erhalten haben

oder

  • bei Ihnen in der Vergangenheit eine Entfernung der Gebärmutter vorgenommen wurde (OP liegt mind. 1 Monat und max. 2 Jahre zurück).

Telemedizin

Sie können teilnehmen, wenn

  • Sie im Zeitraum 2016 bis 2019 eine telemedizinische Zweitmeinung bei der Medexo GmbH in Anspruch genommen haben.

 

Ansprechpartner
Bitte melden Sie sich bei Interesse sowie bei Wunsch nach weiteren Informationen bei:
Dunja Bruch
Medizinische Hochschule Brandenburg
Telefon: 03391 39-14660
E-Mail: zweit@mhb-fontane.de

Allgemeine Informationen zur Befragung

Die Befragung ist freiwillig und eine Nicht-Teilnahme wirkt sich für Sie in keiner Weise negativ aus. Sie können jederzeit von der Befragung zurücktreten.

Das Interview dauert ca. 45-60 min und wird auf Tonband aufgezeichnet. Die Tonaufnahmen sind jederzeit widerrufbar und werden passwortgeschützt abgespeichert. Die Interviews werden anonymisiert ausgewertet, sodass keinerlei Rückschlüsse auf Ihre Person möglich sind. In dem Interview soll es darum gehen, welche Erfahrungen Sie mit Zweitmeinungen gemacht haben und wie Ihre persönlichen Vorstellungen zum Zweitmeinungsprozess aussehen.

Für die Teilnahme an den Interviews erhalten Sie eine Aufwandsentschädigung. Den Ort des Interviews vereinbaren wir individuell.

Ansprechpartner
Bitte melden Sie sich bei Interesse sowie bei Wunsch nach weiteren Informationen bei:
Dr. Cecile Ronckers
Medizinische Hochschule Brandenburg
Telefon: 03391-39 14590
E-Mail: zweit@mhb-fontane.de

Gesetzliche Grundlagen von Zweitmeinungsverfahren

Durch § 27b SGB V ist das Recht auf Zweitmeinung gesetzlich verankert. Allgemein haben Patientinnen und Patienten im Sinne der freien Arztwahl die Möglichkeit einen weiteren Arzt zu konsultieren. Unter § 27b SGB V ist das enger gefasste Recht auf Zweitmeinung gemeint, dass gesetzlich Versicherten bei ausgewählten Indikationen ein Rechtsanspruch auf eine ärztliche Zweitmeinung und deren Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung zusteht. Dabei müssen die zweimeinenden Ärzte bestimmte fachliche Qualitätskriterien erfüllen.

Der Rechtsanspruch wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) am 21. September 2017 in den Richtlinien zum Zweitmeinungsverfahren in Verbindung mit dem Änderungsbeschluss vom 18.10.2018 konkretisiert. Die Richtlinie ist zum 08.12.2018 in Kraft getreten.

Anspruch auf Einholung einer Zweitmeinung nach dieser Richtlinie entsteht für die Indikationen Tonsillektomie, Tonsillotomie und Hysterektomien.

Aufgaben des Erstmeiners

Die indikationsstellende Ärztin oder der indikationsstellende Arzt muss die Patientin oder den Patienten über das Recht, eine unabhängige ärztliche Zweitmeinung einholen zu können, aufklären. Die Aufklärung muss mündlich und verständlich erfolgen. Die Aufklärung über das Recht zur Einholung einer Zweitmeinung hat in der Regel mindestens 10 Tage vor dem geplanten Eingriff zu erfolgen, in jedem Fall aber so rechtzeitig, dass die Patientin oder der Patient die Entscheidung über die Einholung einer Zweitmeinung wohlüberlegt treffen kann. Die Ärztin oder der Arzt hat die Patientin oder den Patienten auf die Informationsangebote über geeignete Zweitmeiner sowie auf das durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) veröffentlichte Patientenmerkblatt über das Zweitmeinungsverfahren hinzuweisen.  Auf dem Patientenmerkblatt wird für weitere Information auf die Gesundheitsinformationsseite vom IQWiG verwiesen: www.gesundheitsinformation.de/zweitmeinung

Berechtigung zur Zweitmeinung

Gemäß § 27b SGB V informieren die Kassenärztlichen Vereinigungen und die Landeskrankenhausgesellschaften inhaltlich abgestimmt über die Ärztinnen und Ärzte, die als Zweitmeiner für das Zweitmeinungsverfahren nach § 27b SGB V zur Verfügung stehen.

 Voraussetzungen für zweitmeinende Ärzte und Ärztinnen:

  • die Anerkennung einer Facharztbezeichnung in dem für den jeweiligen Eingriff festgelegten Fachgebiet und
  • eine mindestens 5-jährige ganztägige oder vom Umfang her entsprechende Teilzeittätigkeit in der unmittelbaren Patientenversorgung nach Anerkennung der maßgeblichen Facharztbezeichnung,
  • die Erfüllung der Fortbildungsverpflichtungen und
  • eine erteilte Befugnis zur Weiterbildung oder eine akademische Lehrbefugnis.

Um die Unabhängigkeit der Zweitmeinung zu gewährleisten, darf die Zweitmeinung nicht bei einer Ärztin oder einem Arzt oder einer Einrichtung erbracht werden, durch den oder durch die der Eingriff durchgeführt werden soll.

Konsortialpartner
  • Institut für Forschung in der Operativen Medizin (IFOM) der Universität Witten-Herdecke
  • Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg
  • AOK Nordost
  • Medexo GmbH
Team

Univ.-Prof. Dr. Prof. h.c. Dr. h.c. Edmund Neugebauer
Projektleitung
Medizinische Hochschule Brandenburg
Fehrbelliner Straße 38
16816 Neuruppin
E-Mail: zweit@mhb-fontane.de

Projektmitarbeiter an der Medizinischen Hochschule Brandenburg

Dr. Cecile Ronckers
Projektkoordination
Telefon: 03391 39-14590
E-Mail: cecile.ronckers@mhb-fontane.de

Dunja Bruch
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Telefon: 03391 39-14660
E-Mail: dunja.bruch@mhb-fontane.de

Susann May
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
E-Mail: susann.may@mhb-fontane.de

Alexander Alexandrov
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
E-Mail: alexander.alexandrov@mhb-fontane.de

Dr. Anja Lieder
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
E-Mail: anja.lieder@mhb-fontane.de

Projektmitarbeiter an der Universität Witten/Herdecke

Nadja Könsgen
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
E-Mail: nadja.koensgen@uni-wh.de

Barbara Prediger
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
E-Mail: barbara.prediger@uni-wh.de