Projekte

Die Projekte des ZVF-BB

Pränatale Genetische Untersuchungen auf Mukoviszidose im soziokulturellen Kontext: Die Sicht von Behandlern, Eltern und Patientenvertretern

Hintergrund

Neue medizinische Technologien ermöglichen heute weitergehende pränatale genetische Diagnostik auf Grundlage von zellfreier fetaler DNA  aus dem mütterlichen Blut. Anders als bisherige invasive Untersuchungen stellen die nicht-invasiven Untersuchungen kein Risiko für den Fötus dar - für viele Frauen war eine solche Gefährdung ein nicht-verhandelbares Argument gegen die Untersuchungen (Rothman 1987;  Rapp 1999; Reinsch et al. 2020). Der verfügbare Überfluss an Informationen kann zu einer Entscheidungsfalle führen, da die genetischen Tests nur probabilistische Aussagen und keine sicheren Informationen bieten (Samerski 2015; Soldhju 2018).  Diese neuen Technologien haben damit das Potential sowohl die Versorgungslage und die Akzeptanz von Regulationen als auch die ethischen Bewertungen der Pränatalen Genetischen Diagnostik zu verändern (Gareth & Rothman 2016; Ravitzki 2017; Löwy 2018).

Mukoviszidose (Cystische Fibrose, CF) ist eine schwere genetische Erkrankung die vor allem die Atemwege und das Verdauungssystem betrifft und einen nicht-vorhersagbaren, lebensverkürzenden Verlauf hat. Seit Oktober 2019 werden Tests auf vier monogenetische Erkrankungen, darunter CF, auf Basis von cffDNA durch einzelne Labore in Deutschland angeboten. Gleichzeitig erfolgt seit 2017 eine Untersuchung auf CF im Neugeborenen Screening, wodurch CF Zentren zunehmend Patienten mit sehr frühen Diagnosen behandeln. Zusammen mit dem genetischen Carrier-Screening stehen somit Testmöglichkeiten zu drei unterschiedlichen Zeitpunkten zur Verfügung: Carrier Screening vor der Empfängnis, Pränatale Untersuchung des Fötus mit NIPT oder Amniozentese während der Schwangerschaft, sowie Postnatal im Neugeborenen Screening.

Fragestellungen

Wie gestaltet sich die Entscheidungsfindung von Behandlern, den Eltern eines Kindes mit CF, den CF-Betroffenen mit Kinderwunsch sowie den Selbsthilfeverbänden in Relation zum Zeitpunkt (Carrier, Pränatal, Postnatal) und der Methode der Untersuchung auf CF?

Wie wirken sich die gewonnenen Informationen zu den unterschiedlichen Zeitpunkten auf die Entscheidungsfindung aus?

Mit Rückgriff auf welche Personenkreise – Partner, (Klein-)Familie, Selbsthilfegruppen, Behandler – werden von (prospektiven) Eltern Informationen gesammelt und in den Lebenskontext eingeordnet?

Wie verläuft der komplexe Prozess der Entscheidungsfindung in dem einerseits persönliche Erfahrungen und verkörpertes Wissen sowie andererseits abstrakte genetische und statistische Informationen und Risikobewertungen zusammenspielen?

Methodik

  • Interviews mit zehn Eltern von Kindern mit CF sowie Menschen mit CF mit Kinderwunsch, fünf Behandlern (Ärzt*innen und Psycholog*innen), fünf Patientenvertretern und politischen Entscheidern

  • Teilnehmende Beobachtung von Beratungssituationen

  • Fragebogenentwicklung und Befragung.

Projektlaufzeit

Oktober 2020 – Dezember 2021

Ansprechpartner

Dr. Stefan Reinsch, E-Mail: stefan.reinsch@mhb-fontane.de

Strukturelle Verknüpfung von Krankenhaus- und ambulanter Medizin – Bestandsaufnahme in Brandenburgischen Kliniken und Entwicklung einer neuen integrierten Versorgungsform

Hintergrund

Der Gesetzgeber hat in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Möglichkeiten zur ambulanten Versorgung durch Krankenhäuser geschaffen (u.a. §§ 115-120 SGB V). Diese Möglichkeiten sollen zur Überwindung der starren Sektorengrenzen im deutschen Gesundheitswesen führen und zu einer niederschwelligen und dennoch bedarfsorientierten Patient*innenversorgung beitragen.

Fragestellungen

In welchem Maße und in Bezug auf welche Aufgaben und Patient*innengruppen machen Brandenburgische Krankenhäuser von den neuen gesetzlichen Möglichkeiten Gebrauch?
Welche Hürden und Anreize bestehen zur ambulanten Versorgung durch das Krankenhaus aus Sicht von Stakeholdern?
Inwieweit kann die Ambulantisierung der Krankenhausmedizin in Brandenburg dazu beitragen Versorgungslücken im Land zu schließen?

Methodik

  • Qualitative Interviews mit Krankenhausverwaltungen, ärztlichen Direktor*innen und Stakeholdern der ambulanten Versorgung
  • Standardisierte Fragebogenerhebung der Träger der Brandenburgischen Krankenhäuser
  • Fokusgruppen mit Krankenhausverwaltungen, ärztlichen Direktor*innen und Stakeholdern der ambulanten Versorgung

Ausblick

Die gewonnenen Erkenntnisse werden dazu genutzt, eine neue Versorgungsform zu konzipieren, bei der Krankenhausmediziner*innen in Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzt*innen eine regional definierte fachärztliche Versorgungsverantwortung übernehmen. Diese soll Patient*innen mithilfe von telemedizinischer Technik rund um die Uhr zur Verfügung stehen.

Projektlaufzeit

Dezember 2019 – November 2021

Ansprechpartner

Felix Mühlensiepen, E-Mail: felix.muehlensiepen@mhb-fontane.de

Wissenschaftslandschaft Innovation unter besonderer Berücksichtigung der Patient*innenbeteiligung und der Region Berlin-Brandenburg

Hintergrund

Für die Versorgungs- und Gesundheitssystemforschung der Zukunft kommt dem digitalen Wissensmanagement eine herausragende Rolle zu. Insbesondere intelligente Systeme, sogenannte Smart Data Engines, könnten einen Beitrag zur Transparenz in der Wissenschaftslandschaft liefern sowie Partizipationsmöglichkeiten schaffen.

Das wissenschaftliche Projekt exploriert und evaluiert den Einsatz von Smart Data Engines im Wissensmanagement der Versorgungs- und Gesundheitssystemforschung. Dies umfasst zunächst die Analyse und Evaluation des Förderinstruments Innovationsfonds in Hinblick auf die Schwerpunkte ‚Medizin des Alterns‘ und ‚Partizipation‘ mithilfe einer Smart Data Engine; sowie im Folgenden die Erarbeitung eines übergreifenden Innovationsatlas beziehungsweise einer Wissensdatenbank.

Fragestellungen

Wie lässt sich der Einsatz eines Smart Data Engines bewerten?

Ist der Einsatz einer Smart Data Engine für die Analyse von Förderinstrumenten sowie Identifikation von Innovationspotenzialen geeignet?

Welche innovativen Projekte werden im Land Brandenburg derzeit umgesetzt und durch den Innovationsfonds gefördert (Fokus: Medizin des Alterns / Partizipation)?

Methodik

  • Systematische Literaturrecherche zum Einsatz und zur Evaluation von Smart Data Engines
  • Erprobung einer Smart Data Engine im Wissensmanagement der Gesundheitssystem- und Versorgungsforschung
  • Evaluation und Bewertung der Smart Data Engine

Ausblick

Die Ergebnisse des explorativen Projektes ermöglichen Aussagen über die Potentiale und Reichweite des Einsatzes von Smart Data Engines im Wissensmanagement der Versorgungs- und Gesundheitssystemforschung. Anhand der Ergebnisse wird ein Best Practice Ansatz für den Einsatz von Smart Data Engines erarbeitet. Des Weiteren ist das Projekt in Bezug auf die Evaluation des Innovationsfonds, die Identifikation von Innovationspotentialen im Land Brandenburg und die Weiterentwicklung von Ansätzen der künstlichen Intelligenz anschlussfähig.

Projektlaufzeit

Januar 2020 – Dezember 2021

Ansprechpartner

Felix Mühlensiepen, E-Mail: felix.muehlensiepen@mhb-fontane.de

Eva Buchholz, E-Mail: eva.buchholz@mhb.fontane.de

Möglichkeiten der Beteiligung von Patientenvertreter*innen in gesundheitspolitischen Institutionen auf Bundesebene – Bestandsaufnahme und Bedarfsanalyse

Hintergrund

Neben den Gremien, die nach § 140 f Sozialgesetzbuch (SGB) V zur Beteiligung von Patientenvertreter*innen verpflichtet sind, gibt es weitere gesundheitspolitische Institutionen, die teils auch ohne rechtliche Grundlage beteiligen. Mittlerweile existiert eine Vielzahl an Partizipationsmöglichkeiten, doch sind Zugänge und Art der Mitwirkungsmöglichkeiten (nicht nur) für Betroffene, die sich einbringen wollen, schwer zu durchblicken. Das Forschungsprojekt zielt darauf ab, eine Bestandsaufnahme und Bedarfsanalyse der Patient*innenbeteiligung in den gesundheitspolitischen Institutionen in Deutschland auf Bundesebene vorzunehmen.

Fragestellungen

  • Welche gesundheitspolitischen Institutionen auf Bundesebene beteiligen Patientenvertreter*innen wie woran?
  • Welche konkreten Beteiligungsformate (Verfahren und Methoden der Beteiligung) gibt es bzw. wären darüber hinaus denkbar?Welche Rahmenbedingungen prägen die derzeitige Patient*innenbeteiligung?
  • Welche zu Grunde liegenden Rationale für Beteiligung können unterschieden/systematisiert werden? Welche(r) Partizipationsbegriff(e) liegen jeweils zu Grunde?
  • Wie müsste sich die Patient*innenbeteiligung aus der Sicht von Akteuren und von Patientenvertreter*innen weiterentwickeln?

Methodik

  • Literaturrecherche
  • Qualitative Interviews mit Vertreter*innen beteiligender Institutionen im Gesundheitswesen und mit Patientenvertreter*innen
  • Begleitende Fragebogenerhebung der beteiligenden Institutionen
  • Fokusgruppen mit Patientenvertreter*innen

Ausblick

Das Projekt zielt darauf, die Beteiligungsformate von Patientenvertreter*innen in der gesundheitspolitischen Gremienarbeit in Deutschland zu erfassen und diesbezüglich neue Möglichkeiten auszuloten. Denkbar sind Übersichtsarbeiten und der Aufbau von Kooperationen mit beteiligenden Akteuren für ein anschließendes Aktionsforschungsdesign.

Projektlaufzeit

Januar 2020 – Dezember 2021

Ansprechpartner

Eva Buchholz, M.A., E-Mail: eva.buchholz@mhb.fontane.de

Evaluation der Telemedizinischen Betreuung von Pflegeheim Bewohnern durch ambulante Ärztinnen und Ärzte im ländlichen Raum - EVA-MUT

Kooperationsprojekt des Zentrums für Versorgungsforschung Brandenburg und der bbw Akademie für Berufliche Bildung in Berlin und Brandenburg GmbH

Hintergrund

Das vom Bundesministerium für Gesundheit geförderte Forschungsprojekt ‚Modell für die Umsetzung der Telemedizinischen Betreuung von Pflegeheim Bewohnern durch ambulante Ärztinnen und Ärzte im ländlichen Raum - MUT‘ wird durch das Zentrum für Versorgungsforschung Brandenburg der MHB evaluiert. Der Gegenstand der Evaluation soll sowohl eine formative Evaluation mit Struktur und Prozessbegleitung als auch eine quantitative Analyse versorgungsbezogener Faktoren im Sinne einer Ergebnisevaluation beinhalten.

Fragestellungen

  • Besteht die Akzeptanz unter niedergelassenen Pfleger*innen, Ärzt*innen und Praxispersonal Telemedizin anzuwenden?
  • Welche Chancen und Risiken bzw. Hürden sehen die o.g. Akteur*innen bei der Implementierung von Telemedizin in der Versorgung im Pflegeheim?
  • Wie sind telemedizinische Ansätze zu gestalten, damit sie in den Praxisalltag integriert und genutzt werden?

Methodik

Im Rahmen der Prozessevaluation soll die Implementierung digitaler telemedizinischer Interventionen in bereits bestehende Strukturen auf ihre Praxistauglichkeit mittels Interviews und Fokusgruppen überprüft werden.

Die Ergebnisevaluation wird nach Abschluss der telemedizinischen Interventionen durchgeführt und überprüft, welche Wirkung die Interventionen hatten. Definierte Teilziele werden operationalisiert. Die Daten werden projektintern erhoben, mit den Daten aus dem Vorjahreszeitraum verglichen und deskriptiv ausgewertet.

Ausblick

Geeignete Strukturinnovationen sowie Prozessinnovationen sollen identifiziert werden, die zur Übertragbarkeit und zur breiten Akzeptanz telemedizinischer Interventionen vor allem in anderen ländlichen Räumen führen können.

Projektlaufzeit

Juli 2020 – Dezember 2020

Ansprechpartnerinnen

 

Belastungsfaktoren von Pflegenden in unterschiedlichen Sektoren der Palliativversorgung während der COVID-19-Pandemie – eine explorative Studie - BASAL-COV

Hintergrund

Die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie stellen das Gesundheitssystem vor neue Herausforderungen. Pflegende im Palliativbereich sind in besonderem Maße von den Einschränkungen im Versorgungsalltag betroffen. Durch gesetzliche Vorgaben hinsichtlich einzuhaltender Sicherheits- und Schutzmaßnahmen sind Pflegende in ihrer Autonomie, Spontanität und Flexibilität in der Patient*innenversorgung eingeschränkt und müssen beispielsweise den Körperkontakt zu Patient*innen reduzieren bzw. einstellen. Um den aktuellen Versorgungsalltag beschreiben und die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf Qualität der Palliativpflege in Brandenburg in den unterschiedlichen Sektoren identifizieren zu können, wird diese Studie durchgeführt.

Fragestellungen

  • Welche psychischen und physischen Belastungsfaktoren erleben Pflegende in der Palliativversorgung vor und während der CODID-19-Pandemie?
  • Welche Auswirkungen haben die Belastungen auf den Versorgungsalltag?
  • Welche besonderen Belastungen können im Gegensatz zu der Zeit vor COVID-19 identifiziert werden?
  • Welche praktischen Implikationen können zur Verbesserung des Versorgungsalltags abgeleitet werden?

Methodik

Mittels telefonischer Leitfadeninterviews mit jeweils Palliativpflegenden aus den Sektoren der stationären Palliativversorgung, den Palliativstationen und Hospizen sowie aus dem ambulanten Bereich im Rahmen der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV), sollen besondere Belastungen vor und während der COVD-19-Pandemie exploriert werden. Die Auswertung der qualitativen Daten erfolgt mit Hilfe der qualitativen Inhaltsanalyse.

Ausblick

Ziel des vorliegenden Projekts ist es, Belastungsfaktoren in der Palliativpflege aus Sicht von Pflegekräften in den verschiedenen Strukturen der Palliativversorgung im Land Brandenburg vor und während der COVID-19-Pandemie zu identifizieren.

Projektlaufzeit

Mai 2020 – Dezember 2020

Ansprechpartner*innen

Felix Mühlensiepen, E-Mail: felix.muehlensiepen@mhb-fontane.de
Susann May, E-Mail: susann.may@mhb-fontane.de

Teletherapie in der therapeutischen Versorgung – Status quo - Tele-COVID

Kooperationsprojekt des Zentrums für Versorgungsforschung Brandenburg und der FH Joanneum Graz

Hintergrund

Die aktuelle Situation aufgrund der Pandemie COVID-19 verhindert vielfach die Durchführung therapeutischer Interventionen und verdeutlicht das Potential teletherapeutischer Implementierungen. Der Fragebogen soll Auskunft über potentielle anlassbezogene Veränderungen im Durchführungsmodus logopädischer Therapien geben.

Fragestellungen

  • Wie häufig werden telemedizinische Interventionen in logopädischen Praxen oder Kliniken im DACH-Raum seit COVID-19 durchgeführt?
  • Welche Einstellung haben logopädisch tätige Therapeut*innen zu telemedizinischen Interventionen und hat sich diese seit COVID-19 verändert?
  • Welche positiven Effekte oder Hürden treten bei dem Einsatz von telemedizinischen Interventionen auf?
  • Wie kann eine erfolgreiche Implementierung von telemedizinischen Interventionen erfolgen?

Methodik

Nach partizipativer Entwicklung eines Fragebogens, wird eine schriftliche, standardisierte Online- Fragebogenerhebung durchgeführt. Adressiert werden alle Therapeut*innen in der DACH-Region. Die erfassten Daten werden nach einem statistischen Auswertungsplan deskriptiv und inhaltsanalytisch ausgewertet.

Ausblick

Ziel der Untersuchung ist die systematische und differenzierte Erfassung der Inanspruchnahme teletherapeutischer Maßnahmen während der CVOD-19-Pandemie sowie die Erhebung der Akzeptanz hinsichtlich teletherapeutischer Maßnahmen von Therapeut*innen. Die Befragung dient zusätzlich der Identifikation von Hürden und Barrieren im Versorgungsalltag, um gezielt Maßnahmen für eine verbesserte Versorgung insbesondere vulnerabler Patient*innengruppen abzuleiten.

Projektlaufzeit

April 2020 – Dezember 2020

Ansprechpartner*innen

Susann May, E-Mail: susann.may@mhb-fontane.de
Dr. Robert Darkow, E-Mail: robert.darkow@fh-joanneum.at