Humanmedizin

Humanmedizin

Die Regelstudienzeit für den Brandenburger Modellstudiengang Humanmedizin beträgt einschließlich der Prüfungszeit für den Dritten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung sechs Jahre und drei Monate (§ 1 Abs. 2 ÄApprO).

Das Studium gliedert sich in drei Studienabschnitte. Die Ausbildungsinhalte des ersten Studienabschnittes (1. bis einschließlich 6. Semester) sind an organ- und systembezogenen Problemstellungen orientiert. Die darauf aufbauenden Inhalte des zweiten Studienabschnittes (7. bis einschließlich 10. Semester) orientieren sich an den typischen Problemstellungen verschiedener Lebensphasen und Fachgebiete. Der dritte Studienabschnitt (11. und 12. Semester) ist das Praktische Jahr (PJ).

Entsprechend den Vorschriften der Approbationsordnung für Ärzt*innen, die die Ausbildung im Praktischen Jahr regeln (§ 3 ÄApprO), werden im PJ drei jeweils sechzehnwöchige Praktika abgeleistet. Das Studium wird mit dem Dritten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung gemäß der Approbationsordnung für Ärzt*innen abgeschlossen.

Im Kurskatalog finden Sie detaillierte Informationen zu den einzelnen Modulen. Weitere Informationen erhalten Sie zudem über das Referat für Curriculumsentwicklung und -koordination.

Modulübersicht

Unterrichtsformate

Die MHB zeigt mit Ihren Unterrichtsformaten eine frische, neue und durchdachte Herangehensweise an medizinische Inhalte. Unser didaktischer Weg soll dazu verhelfen, Medizin auf eine neue Art und Weise zu verstehen und zu begreifen. Die Studieninhalte werden im Sinne einer Lernspirale in zunehmender Komplexität und Ausführlichkeit entsprechend dem Ausbildungsstand der Studierenden wiederholt behandelt. Das Lernen in kleinen Gruppen ermöglicht es, im intensiven Austausch Wissen zu teilen und eigene Fragestellungen zu klären. Hierbei werden insbesondere eine wissenschaftliche Herangehensweise an Problemstellungen sowie lebenslanges Lernen trainiert. Neben praktischen Fertigkeiten sind kommunikative und psychosoziale ein Mittelpunkt der Lehre.

Für ein detaillierteres Verständnis unserer unterschiedlichen Unterrichtsformate, finden Sie hier eine Auflistung mit kurzen Erklärungen:

Problemorientiertes Lernen (POL)

Die Studierenden treffen sich in zweimal wöchentlich in einer Kleingruppe von 8 Studierenden. Diese Kleingruppen werden durch speziell ausgebildete Lehrkräfte geleitet.

In den Kleingruppen bearbeiten die Studierenden ein medizinisches bzw. an Modulthemen orientiertes Problem. Die Erarbeitung der sich daraus ergebenden Lernziele erfolgt im Selbststudium oder im Rahmen von Seminaren, praktischen Übungen, Praktika oder Vorlesungen. Dabei wird bereits vorhandenes Wissen vertieft und ergänzt. In der zweiten Kleingruppensitzung werden die Ergebnisse dieser Bearbeitung von den teilnehmenden Studierenden zusammenfassend dargestellt und diskutiert.

Seminare

Die Interdisziplinären Seminare (IDS) zu klinisch-theoretischen Grundlagen dienen der Vertiefung von Wissen, der Vermittlung fächerübergreifender oder interdisziplinärer Zusammenhänge und der Herstellung von Bezügen zwischen theoretischen und praktischen Inhalten. Die Seminare werden interaktiv gestaltet und können Impulsreferate beinhalten.

Die Seminare der Human- und Gesundheitswissenschaften (HGW) beinhalten semesterbegleitende Seminarkurse zu:

  • Grundlagen ärztlichen Denken und Handelns,
  • Gesundheitswissenschaften und
  • Methoden wissenschaftlichen Arbeitens.

In den Seminaren werden schwerpunktmäßig wissenschaftliche, gesellschaftliche, philosophische, ethische, historische und methodische Aspekte der Medizin behandelt.

Vorlesungen

Ergänzend zu den Seminaren werden Vorlesungen (VL) zur Vermittlung komplexer Inhalte oder als Übersicht zu umfassenden Themengebieten angeboten.

Übungen

Die Übungen Diagnostik und Therapie (ÜDT) beinhalten die Vermittlung praktischer Fertigkeiten des ärztlichen Berufs in den Bereichen Diagnostik und Therapie (z. B. Blutabnahme, körperliche Untersuchung, Sonographie, Nahtkurs). Die praktischen Übungen finden in der gleichen Zusammensetzung wie die Kleingruppen (POL) statt.

Der Unterricht am Krankenbett (UaK) findet in Kleingruppen statt. Bei Unterweisungen Patient*innen in Form von Demonstrationen beträgt die Gruppengröße höchstens sechs Studierende, bei der Untersuchung an Patient*innen höchstens drei Studierende. Die Studierenden können hierbei selbstständig unter Aufsicht Untersuchungen an Patient*innen durchführen.

Die Übungen zu Teamarbeit, Reflexion, Interaktion und Kommunikation (TRIK) vermitteln Fertigkeiten zur professionellen Kommunikation im ärztlichen Handlungskontext, zum Teil unter Einsatz von Simulationspatient*innen. Die Übungen werden in Kleingruppen durchgeführt. Das Unterrichtskonzept TRIK verfolgt semesterübergreifend ein eigenständiges Curriculum.

Praktika

Die praktische Ausbildung bezieht Einrichtungen der medizinischen und psychosozialen Primär-, Sekundär- und Tertiärversorgung sowie Forschungseinrichtungen ein. In Praktika sollen Fähigkeiten und Fertigkeiten in Gruppen trainiert und erlernte Wissensinhalte im Praxisrahmen überprüft werden.

Praktika dienen dem Erwerb und der Übung von praktischen Fertigkeiten und Kenntnissen in Gruppen von bis zu 16 Studierenden. Die Themen umfassen anatomische und naturwissenschaftliche Grundlagen der Medizin, klinische sowie klinisch-theoretische und medizintheoretische Fachgebiete, z. B. Medizinethik, Medizinrecht, Biochemie, Pharmakologie oder Mikrobiologie.

Der „Praxistag“ (Allgemeinmedizinisches Praktikum und Praktikum der ambulanten Versorgung in Fachpraxen) findet in der Regel 14-tägig vom 2. bis 5. Fachsemester in der Praxis niedergelassener Ärzt*innen statt, die in der ambulanten Versorgung tätig sind. Die Studierenden nehmen beobachtend und gegebenenfalls assistierend an der Sprechstunde teil. Je nach Kenntnisstand der Studierenden und Ermessen der niedergelassenen Ärzt*innen werden die Studierenden in Untersuchung, Beratung und Behandlung einbezogen.

Das Praktikum Berufsfelderkundung (BFE) vom 1. bis zum 5. Semester vermittelt den Studierenden Einblicke in verschiedene ärztliche Tätigkeitsgebiete (z. B. öffentlicher Gesundheitsdienst, Krankenkassen, Pflegeeinrichtungen, Hospize, Betriebsmedizin, Pharmaindustrie, Forschungseinrichtungen).

Die Stationspraktika (SP) sind die wesentlichen integrative Lehr- und Lernformate im Krankenhaus (entsprechend Blockpraktika, § 2 ÄApprO). Im Stationspraktikum werden Differentialdiagnostik und -therapie der wichtigsten Krankheitsbilder unter Bedingungen des klinischen Alltags eingeübt. Die Ausbildung am Krankenbett und die im Verlauf des Studiums wachsende Verantwortungsübernahme der Studierenden in der Patient*innenversorgung stehen dabei im Mittelpunkt. Die Stationspraktika werden von theoretischen Lehrveranstaltungen flankiert, um eine möglichst enge Verknüpfung von Theorie und Praxis zu gewährleisten. Sie werden außerdem gegebenenfalls durch interdisziplinäre Theorieeinheiten (Propädeutik-Zeiten) ergänzt. Die Stationspraktika werden in den folgenden Modulen durchgeführt:

  • Gynäkologie und Geburtshilfe
  • Kinderheilkunde
  • Neurologie
  • Psychiatrie
  • Innere Medizin
  • Geriatrie
  • Chirurgie
  • Anästhesiologie und Intensivmedizin
  • Wahlpflicht „Kleine Fächer“ (z. B. Augenheilkunde, Dermatologie, HNO, Urologie)

Im Wissenschaftliche Wahlpflichtpraktikum (WPP) erfolgt einen Einblick wissenschaftlicher Arbeitsweisen unter Berücksichtigung persönlicher Interessen. Das Praktikum wird im 6. Fachsemester in einer stationären oder ambulanten Versorgungseinrichtung oder einem Institut bzw. einer Forschungseinrichtung abgeleistet und ermöglicht einen Einblick in ein spezielles Fach und/oder eine wissenschaftliche Einrichtung. Für das Wahlpflichtpraktikum muss ein Thema mit einer eindeutigen Fragestellung bzw. Arbeitsaufgabe formuliert und bearbeitet werden. Im Rahmen des WPP finden im Zweiten Studienabschnitt Forschungswerkstätten und Kolloquien statt, die der Vertiefung der im Ersten Studienabschnitt erworbenen Kenntnisse und der Weiterführung wissenschaftlicher Arbeiten dienen (wissenschaftliches Portfolio).

Fallvorstellung

Bei der Fallvorstellung (FV) im Zweiten Studienabschnitt werden reale Patient*innengeschichten inklusive Befunde und Therapien präsentiert. Die Dozierenden erarbeiten mit den Studierenden das klinische Vorgehen, diskutieren diagnostische und therapeutische Möglichkeiten sowie Leitlinien und Leit-Symptome. Die Veranstaltung wird in Seminargruppengröße angeboten.

Fallbesprechung

Die Fallbesprechungen (FB) finden in den Modulen mit Stationspraktika statt. Im Gegensatz zu den Fallvorstellungen bereitet hier jede bzw. jeder einzelne Studierende eine reale Patient*innengeschichte zur Diskussion in der Kleingruppe vor, die von Dozierenden moderiert wird.

Famulatur

Die viermonatige Tätigkeit als Famulant*in ist nach dem 5. Semester während der lehrveranstaltungsfreien Zeiten (Semesterferien) abzuleisten, wenn die für die ersten fünf Semester vorgeschriebenen Prüfungen und Leistungskontrollen erfolgreich absolviert worden sind. Die Famulatur hat das Ziel die Studierenden mit dem ärztlichen Berufsalltag im Krankenhaus und in der ambulanten Praxis vertraut zu machen. Sie ist bis zum Zweiten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung abzuleisten und bei der Meldung zum Zweiten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung nach dem Muster der Anlage 6 ÄApprO nachzuweisen. Die Famulatur erfolgt für die Dauer von zwei Monaten im Krankenhaus oder in einer stationären Rehabilitationseinrichtung, für die Dauer eines Monats in einer Einrichtung der ambulanten Krankenversorgung, die ärztlich geleitet wird, oder einer geeigneten ärztlichen Praxis, und für die Dauer eines weiteren Monats in einer Einrichtung der hausärztlichen Versorgung.

Praktisches Jahr

Im 3. Studienabschnitt (48 Wochen) ist eine zusammenhängende praktische Tätigkeit gemäߧ 3 Abs. 3 ÄApprO in folgenden medizinischen Fächern abzuleisten:

  • Innere Medizin,
  • Chirurgie,
  • in der Allgemeinmedizin oder in einem der übrigen, nicht die ersten beiden genannten, klinisch-praktischen Fachgebiete.

Die Universität erstellt gemäß § 3 Abs. 1a ÄApprO einen Ausbildungsplan (Logbuch), nach dem die Ausbildung durchzuführen ist. Weitere Informationen zum PJ finden Sie hier.

Studium Fundamentale

In den Lehrveranstaltungen des Studium Fundamentale werden nichtmedizinische Themen behandelt, z. B. aus den Geisteswissenschaften oder Kunst.

Naturwissenschaftliches Tutorium

Das naturwissenschaftliche Tutorium wird im Ersten Studienabschnitt zur Vertiefung von Grundlagenfächern wie Physik, Chemie und Biologie angeboten.

Notensystem

Nachfolgend finden Sie Erläuterungen zum Notensystem und den Prüfungsformaten des Studiengangs Humanmedizin. Um eine Kompatibilität mit dem System Ihrer Einrichtung festzulegen, wird ein Learning Agreement zwischen Ihrer Einrichtung und der MHB geschlossen. Darin werden zeitlicher und inhaltlicher Aufwand berücksichtigt. Ein Beispiel für ein Learning Agreement finden Sie hier. Bitte setzen Sie sich zur Aufsetzung eines Learning Agreements mit dem International Office Ihrer Hochschule in Verbindung.

Für das Bestehen eines Moduls muss eine Anwesenheitspflicht von mindestens 85% in den Unterrichtseinheiten POL, TRIK, Praxistag und Stationspraktika vorliegen. Zudem muss die Prüfungsleistung zu mindestens 60% erfolgreich erbracht werden. Mittels dieser Ergebnisse wird für die Austauschsstudierenden dann ein Transcript of Records über Ihre erbrachten Leistungen erstellt.

Die Module des Studiengangs Humanmedizin werden ebenfalls mit ECTS Punkten bewertet. Eine Übersicht finden Sie hier. ECTS Punkte sind Leistungspunkte, die Studierende an den Hochschulen als Nachweis einer Leistung an den Hochschulen erlangen können. Sie sind ein quantitatives Mittel zur Beschreibung des Arbeitsaufwands, den Studierende benötigen, um ihre Lernaktivitäten auf einem bestimmten Niveau zu absolvieren und die erwarteten Lernergebnisse zu erzielen. Weitere Informationen finden Sie hier.

Prüfungsformate

In der Regel wird jedes Semester (Erster Studienabschnitt) bzw. jedes Modul (Zweiter Studienabschnitt) mit je einer schriftlichen und praktischen Prüfung abgeschlossen. Die Studierenden nehmen nach dem 10. Fachsemester am 2. Abschnitt und nach dem PJ am 3. Abschnitt der Ärztlichen Prüfung teil und schließen das Studium mit einem Staatsexamen ab.

Schriftliche Prüfungen
Folgende offene und/oder geschlossene Aufgabenformate werden an der MHB eingesetzt:

  • Multiple Choice-Format (MCQ): Klausuren im Antwortwahlverfahren mit vorgegebenen Antwortmöglichkeiten.
  • Modified Essay Questions (MEQ): Klausuren mit frei zu formulierenden Kurzantworten und sequenziellen Fragen, die nacheinander zu bearbeiten sind.
  • Freie schriftliche Formate: Projektdokumentationen, Hausarbeiten, wissenschaftliche Poster, Patient*innenberichte und modifizierte Aufsatzverfahren. Gegebenenfalls kann auch eine mündliche Abschlusspräsentation verlangt werden.

Kombinierte Prüfungen
Folgende mündliche, schriftliche und/oder praktische Prüfungsformaten werden an der MHB eingesetzt:

  • Objective Structured Clinical Examination (OSCE): An Prüfungsstationen wird die Untersuchung von Simulationspatient*innen oder der Umgang mit fachspezifischen Objekten (z. B. medizinisch-diagnostischen Befunden, Modellen, Präparaten) geprüft. Die Prüfer*innen erfassen anhand einer standardisierten Checkliste die Leistung der Studierenden.
  • Objective Structured Pre-Clinical Examination (OSPE): An Prüfungsstationen führen die Studierenden an Modellen, Präparaten oder Bildmaterial mehrere Prüfungsaufgaben durch (z.B. Fähnchentest).
  • Arbeitsplatzbezogene klinische Prüfungen: Die Studierenden setzen klinische Prüfungsaufgaben (z. B. Anamnese, Beratungsgespräch, körperliche Untersuchung) an (Simulations-)Patient*innen um. Die Bewertung erfolgt anhand eines standardisierten Erfassungsbogens.

Portfolio
Es gibt eine festgelegte Anzahl von Teilleistungen, die innerhalb eines definierten Zeitraums durch die Studierenden nachzuweisen sind, zum Beispiel während eines Moduls oder des gesamten Zweiten Studienabschnitts. Diese Leistungen können in schriftlicher, mündlicher, praktischer oder kombinierter Form erbracht werden.