Institut für Versorgungs- und Gesundheitssystemforschung
Das IVGF bedient das Feld der Versorgungsforschung und Gesundheitssystemforschung in seiner gesamten Breite. Daneben gibt es drei Schwerpunktbereiche, die im besonderen Fokus liegen: Regionale Versorgungsforschung sammelt und analysiert Daten (z.B. amtliche Statistiken, Sekundärdaten etc.), um aktuelle Fragen und Zeitverläufe darstellen und zur Verfügung stellen zu können. Knowledge Translation beschreibt den dynamischen und iterativen Prozess, der die Synthese, Dissemination und Implementierung in die Praxis unter Einbezug der relevanten Stakeholder abbildet. Der dritte Bereich widmet sich dem Patient Involvement, um sicherzustellen, dass Forschung Fragen beantwortet, die für Bürger*innen und Patient*innen relevant sind und mit ihren Bedürfnissen korrespondieren.
Mitarbeiter des Instituts haben Expertise in Planung und Auswertung von Studien unterschiedlichster Designs. Dies umfasst sowohl qualitative als auch quantitative Methoden. Das breite Methodenspektrum entspricht der Forderung der Versorgungsforschung, dass die jeweilige Fragestellung die Auswahl der Methodik bestimmt. Abgedeckt werden hiervon auch diverse Typen an Evidenzsynthesen, wie systematische Übersichtsarbeiten/Meta-Analysen, Scoping Reviews oder Leitlinien. Das IVGF führt darüber hinaus research-on-research Studien durch, die das Ziel verfolgen, die Qualität der Forschung zu verbessern.
Das IVGF verantwortet zudem den Masterstudiengang Versorgungsforschung (M.Sc.), welcher an der der Fakultät für Gesundheitswissenschaften Brandenburg (FGW) angesiedelt ist.
Mitarbeitende
1. Nutzung von Gesundheitsdaten im regionalen Kontext für die Gesundheitsplanung Brandenburgs (GeDa-BB)
Gesundheitsbezogene Daten im regionalen Kontext, wie z. B. die Krankheitsrate, Lebenserwartung oder die Anzahl an Ärzt*innen pro Einwohner*innen in einer Region werden in anderen Ländern seit langem aufbereitet. Allerdings wurde eine geringe Nutzungsrate in der Gesundheitsplanung sowie Schwierigkeiten bei der Anwendbarkeit dieser Daten festgestellt. Im Bundesland Brandenburg gibt es zwar einige öffentliche gesundheitsbezogenen Daten, aber bisher keine umfassende Datenquelle wie teilweise in anderen Bundesländern (z. B. Gesundheitsatlas Bayern), in der verfügbare Daten gebündelt werden. Ziel der Studie ist es zu untersuchen welche Datenquellen aktuell für die regionale Gesundheitsplanung in Brandenburg genutzt werden und welche Herausforderungen dabei bestehen. Die Ergebnisse der Studie können eine Grundlage für die Konzeption einer organisationsübergreifenden Datenquelle für eine bedarfsorientierte regionale Gesundheitsplanung in Brandenburg darstellen. Hierzu werden halbstrukturierte Expert*inneninterviews mit Stakeholdern der regionalen Gesundheits- und Bedarfsplanung in Brandenburg durchgeführt.
2. DeVaS-Ger - Entwicklung und Validierung eines geographischen Suchfilters zur Identifikation von Studien, die in Deutschland durchgeführt wurden
Die Anzahl an systematischen Reviews (SRs) mit Fokus auf bestimmte Länder, Ländergruppen oder Regionen nimmt zu. Ein methodischer Review aus dem Jahr 2016 konnte zeigen, dass in solchen SRs mit Fokus auf Deutschland die angewandten Suchstrategien häufig nicht ausreichend elaboriert worden sind, um alle Studien aus Deutschland zu identifizieren. Die Anwendung eines geografischen Suchfilters kann hilfreich sein, um die Sensitivität einer Suchstrategie zu maximieren. Für andere Länder (z.B. UK) bestehen bereits systematisch entwickelte und validierte Suchfilter, für Deutschland jedoch nicht. Ziel des DFG geförderten Forschungsprojektes ist es, diese Lücke zu schließen und einen sensitiven geografischen Suchfilter zur Identifikation von Studien zu entwickeln, die in Deutschland durchgeführt wurden. Das methodische Vorgehen gliedert sich in vier Schritte (nach Jenkins 2004): 1. Identifizierung eines Goldstandards bzw. Test Sets, 2. Identifikation von relevanten Suchbegriffen, 3.Iterative Evaluation und 4. Validierung des Suchfilters.
3. Barriers and Facilitators to Clinical Practice Guideline Adherence in Germany (BaFa-CPG-G)
Klinische Leitlinien sind systematisch entwickelte Aussagen zur Unterstützung der Entscheidungsfindung von Fachkräften im Gesundheitswesen und Patient*innen. Die Anwendung von klinischen Leitlinien führt zu Vorteilen für die Gesundheit der Patient*innen, wie beispielweise verbesserte klinische Endpunkte und Überlebensraten. Ziel dieser systematischen Übersichtsarbeit ist es die Barrieren und Förderfaktoren der Leitlinienadhärenz, aus Sicht medizinischer Fachkräfte in Deutschland zu untersuchen. Das Projekt wird in enger Zusammenarbeit mit Stakeholdern im Bereich der Leitlinienentwicklung und -umsetzung durchgeführt. Die Ergebnisse sollen zu einem besseren Verständnis der Thematik führen und gleichzeitig eine Basis bilden, um Strategien zur Verbesserung der Leitlinienadhärenz in Deutschland zu entwickeln.
4. Increasing the Rate of Stoma Site Marking (INSTOSI)
Die Markierung der Stomastelle vor der Anlage eines Stomas (künstlicher Darmausgang) kann das Risiko stomabezogener Komplikationen verringern, die Akzeptanz des Stomas erhöhen und die gesundheitsbezogene Lebensqualität von Menschen mit einem Stoma verbessern. Trotz der Vorteile und Leitlinienempfehlungen wird dieses Verfahren in der täglichen klinischen Praxis nicht vollständig umgesetzt. Ziel dieser Studie ist es daher, eine Strategie zu entwickeln, um die Rate der präoperativen Stomamarkierung in drei Kliniken der Medizinischen Hochschule Brandenburg (MHB) zu erhöhen. Dieses Projekt wird auf der Grundlage der JBI-Evidence Implementation Strategy entwickelt. Alle Phasen des Projekts werden in enger Zusammenarbeit mit den Chirurg*innen der MHB durchgeführt. In diesem Zusammenhang wird das Projekt Strategien entwickeln und umsetzen, die auf den Bedürfnissen und Präferenzen der Chirurg*innen basieren, um die Lücken in der Evidenzpraxis zu verringern.
5. Die Effekte von Mindestmengenregelungen in Krankenhäusern (MIVOS)
Für viele chirurgische Eingriffe wurde nachgewiesen, dass ein größeres Krankenhausvolumen zu besseren Behandlungsergebnissen führt; für andere Leistungen, wie die Dialyse oder die Versorgung von Säuglingen mit niedrigem Geburtsgewicht gibt es Hinweise auf diese sogenannte Volume-Outcome-Beziehung. Vor diesem Hintergrund werden in vielen Ländern stationäre Gesundheitsleistungen zentralisiert, in manchen Ländern auf Basis von „Mindestmengenregelungen“, d.h. der Festlegung einer Mindestanzahl einer bestimmten Prozedur. Die Erreichung dieser Mindestmenge ist dann eine notwendige Voraussetzung dafür, dass ein Krankenhaus dieses Verfahren in Zukunft durchführen darf.
Die Studie verfolgt zwei Ziele: Erstens sollen mit Hilfe eines systematischen Reviews die Effekte von Mindestmengenregelungen unter Einbezug jeglicher verfügbaren internationalen Literatur analysiert werden. Die erfassten Outcomes können dabei den folgenden Gruppen zugeordnet werden: patienten-bezogen, prozess-bezogen, (Gesundheitssystem-)struktur-bezogen. Zweitens soll ein Core Outcome Set für Studien zur Zentralisierung von stationären Leistungen entwickelt werden. Hierzu werden Fokusgruppen mit Patientenvertreter*innen, halbstrukturierte Interviews mit Vertreter*innen der deutschen medizinischen Fachgesellschaften und gesetzlichen Krankenkassen sowie eine Online-Befragung mit Versorgungsforschenden durchgeführt. Die so erhaltenen Outcome-Parameter werden in einer anschließenden Delphi-Studie von allen Stakeholdergruppen hinsichtlich ihrer Wichtigkeit evaluiert und in einem Core Outcome Set zusammengeführt.
Das Projekt wird vom BMBF gefördert (FKZ: 01KG2107).
https://osf.io/egxhw (Systematisches Review)
https://www.crd.york.ac.uk/prospero/display_record.php?RecordID=318883 (Systematisches Review)
https://www.comet-initiative.org/Studies/Details/2077 (Entwicklung des Core Outcome Set)
Publikationen IVGF 2025
Lander, J., Wallraf, S., Pieper, D. et al. Recruiting participants for focus groups in health research: a meta-research study. BMC Med Res Methodol 25, 9 (2025). https://doi.org/10.1186/s12874-025-02464-x
Stefanie Pfisterer-Heise, Clara Orduhan, Käthe Goossen, Jessica Breuing, Irma Hellbrecht, Sebastian von Peter, Corinna Schaefer, Dawid Pieper. Patient involvement in the development of clinical practice guidelines in Germany—A meta-research study. First published: 28 January 2025. https://doi.org/10.1002/gin2.70016
The Administrative Prevalence and Pharmacotherapy of Chronic Inflammatory Bowel Diseases, 2012–2020. Dtsch Arztebl Int 2024; 121: 847-8. https://doi.org/10.3238/arztebl.m2024.0138
Paula Starke, Zhentian Zhang, Hannah Papmeier, Dawid Pieper and Tim Mathes. Research Integrity and Peer Review (2025) 10:2 https://doi.org/10.1186/s41073-025-00159-x
Haltaufderheide J, Pfisterer-Heise S, Pieper D, Ranisch R. The ethical landscape of robot-assisted surgery: a systematic review. J Robot Surg. 2025 Mar 6;19(1):102. https://doi.org/10.1007/s11701-025-02228-1
von Saß, C., Tenge, T., van Oorschot, B. et al. Analyzing the use of specialized palliative care in intensive care unit patients in Germany: a cross-sectional study. BMC Palliat Care 24, 74 (2025). https://doi.org/10.1186/s12904-025-01718-1
Omar Ammous, Dawid Pieper, Petra Thürmann, Tim Mathes. Potentially inappropriate medication lists for older people: a review of methods applied to the development, Age and Ageing, Volume 54, Issue 3, March 2025, afaf068, https://doi.org/10.1093/ageing/afaf068
Charlotte M. Kugler, Kaethe Goossen, Elie A. Akl, Dawid Pieper. A metaresearch study finds unclear impact of institutional conflicts of interest on conclusions of studies investigating volume–outcome relationships. Journal of Clinical Epidemiology, Volume 182, June 2025, 111756. https://doi.org/10.1016/j.jclinepi.2025.111756
Scharfe J, Pfisterer-Heise S, Pachanov A, et al. Die Wirkung von Mindestvolumenstandards in Krankenhäusern (MIVOS): eine systematische Überprüfung. BMJ Open 2025;15:e090152. https://doi.org/10.1136/bmjopen-2024-090152
Simon Hübenthal, Catharina Münte, Alexander Pachanov, Dawid Pieper. Physische und psychosoziale Belastungen von Mitarbeiter*innen im Rettungsdienst in Deutschland: ein systematischer Review. Thieme 2025., ISSN 0177-2309, https://doi.org/10.1055/a-2576-6456
Münte et al. Long COVID in people with mental health disorders: a scoping reviewBMC Psychiatry (2025) 25:669. https://doi.org/10.1186/s12888-025-06935-9
Kugler, C.M., Gretschel, S., Scharfe, J. et al. Anticipated effects of centralising complex gastrointestinal surgery in a rural area in Germany - perspective of health professionals: a qualitative study. BMC Health Serv Res 25, 824 (2025). https://doi.org/10.1186/s12913-025-12982-5
Muente, Catharina; Pachanov, Alexander; Hirt, Julian; Ayiku, Lynda; Pieper, Dawid. Validated geographic search filters for bibliographic databases: a scoping review. JBI Evidence Synthesis ():10.11124/JBIES-24-00395, June 27, 2025. | https://doi.org/10.11124/JBIES-24-00395
Zentrum für Versorgungsforschung Brandenburg (Hrsg.): Policy Brief: Welche Effekte haben Mindestmengenregelungen? Medizinische Hochschule Brandenburg, Rüdersdorf bei Berlin, 2025. Policy Brief.
Das IVGF nimmt seine Verantwortung in der Lehre und Ausbildung sehr ernst. Daher sind wir fortwährend an Bewerbungen für Praktika und/oder Abschlussarbeiten interessiert. Sofern bei Ihrer Hochschule möglich, übernehmen wir auch gern die gesamte Betreuung Ihrer Arbeit - sprechen Sie uns an und kontaktieren Sie bitte Katrin Toptschian.
Sollten Sie ein Interesse an einer Promotion oder Habilitation haben oder sich für unseren Masterstudiengang Versorgungsforschung interessieren, kontaktieren Sie bitte Prof. Dr. Dawid Pieper.