Studierende Skills Lab SP-Programm

Simulationspatient*innen-Programm

Seit 10/ 2015 werden an der Medizinischen Hochschule Brandenburg Simulationspatien*innen bei TRIK im Kommunikationstraining sowie seit 02/2016 in den Prüfungen eingesetzt.

Bisher konnten wir 50 SP in Neuruppin und 30 SP in Brandenburg rekrutieren.

Im folgenden Abschnitt möchten wir Ihnen die Arbeit der Simulationspatient*innen (SP) näher bringen. Das SP - Programm arbeitet eigenständig. Es ist eng mit dem Skills Lab verzahnt.

Rekrutierung neuer Simulationspatient*innen

Mit Hilfe unseres Pressesprechers Dr. Eric Hoffmann, konnten wir nach entsprechender Werbung in den örtlichen Zeitungen und lokalen Radiosendern im Landkreis Ostprignitz Ruppin (Neuruppin) sowie im Landkreis Brandenburg /Havel einen Teil unserer SPs gewinnen. Darüber hinaus werden Interessenten durch SP oder unsere Mitarbeiter*innen in ihrem Bekanntenkreis auf diese Tätigkeit aufmerksam gemacht. Es gibt Aushänge in den Volkshochschulen, Fitness-Centern oder Ähnlichem.

Voraussetzungen für die Arbeit als SP sind neben der Freude am Rollenspiel und ein Talent, die Bereitschaft und Motivation jungen Student*innen zu helfen, das Erlernen / Vertiefen der praktischen und kommunikativen Kompetenzen auf dem Weg zur Ärzt*in oder Psycholog*in zu meistern. Des Weiteren sind für uns wichtig: Fähigkeit zur Selbstreflexion, Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Flexibilität, Belastbarkeit sowie der Mut sich vor einer Gruppe von Personen zu exponieren.

Dr. Henrike Hölzer (MME, Bern) und ihre studentische Mitarbeiter*in führen in der Regel 2x/Jahr nach entsprechender Bewerbung als potentielle SP standardisierte Castings durch. Das Casting ist eine Mischung aus Orientierungsphase, Auswahlverfahren und Gesundheitscheck. Es gliedert sich in mehrere Teilschritte:
Als erstes bekommen die Bewerber*innen eine Einführung über das, was SP bei uns erwartet und was deren Funktion sein könnte. Danach erfolgt ein Rollenspiel, das auf Video aufgezeichnet wird. Es wird die Motivation besprochen, sowie anhand eines Fragebogens personenbezogene objektive Daten erhoben (Alter, Geschlecht, Körperkonstitution, Größe, Gewicht, berufliche Erfahrung etc). Der letzte Schritt ist die Befragung zur medizinischen Vorgeschichte sowie die Durchführung eines allgemeinärztlichen Check-ups. Bei der Erfassung des Gesundheitszustands der Interessent*innen werden auch körperliche Merkmale verzeichnet/ fotografiert, die bei Prüfungen eine Rolle spielen könnten (bspw. Tätowierungen).

Im Team wird dann anhand der Castingergebnisse entschieden ob und wenn ja für welche Aufgabe sich die Interessent*in eignet.

Bei der Aufnahme in unser SP-Programm benötigen wir zudem weitere persönliche Angaben. Dies sind Kontaktdaten (E-Mailadresse, Telefonnummer, Wohnadresse, etc.), Daten zur Auszahlung des Lohnes (Bankverbindung, IBAN, Bic-Nummer). Selbstverständlich behandeln wir diese Daten vertraulich. Ebenso erwarten wir vonunseren SP Diskretion, sodass bei Anstellung/Honorartätigkeit neben dem Arbeitsvertrag auch eine Verschwiegenheitserklärung unterschrieben wird.

Die Daten werden durch unser Sekretariat halbjährlich evaluiert um diese auf dem aktuellen Stand zu halten.

Vor allem im Rahmen unserer praktischen Prüfung, dem OSCE (= objectiv structured clinical examination) ist die oben beschriebene Diskretion unerlässlich. Es ist wichtig, alle erhaltenen Informationen zur den entsprechenden Rollen oder den Student*innen streng vertraulich zu behandeln. Manchmal ist es für Peer Observation, Supervision, Fort- und Weiterbildungszwecke notwendig, die Rollenspiele aufzuzeichnen, sodass auch zu diesem Thema eine Einverständniserklärung besprochen wird.

Einsatz von Simulationspatient*innen

Wir setzten unsere SP hauptsächlich zur Unterstützung in der Ausbildung von Medizin- sowie Psychologiestudierenden ein sowie in den entsprechenden Prüfungen.

Prinzipiell gibt es den Einsatz

  • im Kommunikationstraining als Patient*in, als Angehörige oder im interprofessionellen Setting
  • bei der körperlichen Untersuchung mit Modelleinsatz, mit/ohne Rollenskript
  • Produktion von Lehr-/Lernmaterialien (bspw. Filme)
TRIK - (Teamarbeit, Reflexion, Interaktion und Kommunikationstraining)

TRIK findet als Kleingruppenunterricht in den POL Gruppen mit 8-9 Studierenden und einer entsprechend geschulten Dozent*in statt. Im Rahmen der verschiedenen Module sollen die Student*innen alle 2 Wochen für 3 SWS mit SP verschiedene Gesprächssituationen meistern. Wie z. Bsp. Anamneseerhebung, Durchführung von Aufklärungsgesprächen, Ansprechen von Tabu-Themen, motivierende Gesprächsführung oder das Überbringen schlechter Nachrichten.

Im geschützten Rahmen sollen die Studierenden lernen, diese Gespräche professionell zu führen und die verschiedenen Gesprächssituationen erfolgreich zu bewältigen. Es werden Bereiche wie Kommunikationsformen, Organisationsverständnis, Effizienz oder klinische Entscheidungsfindung trainiert.
Während der entsprechenden Unterrichtseinheit gibt die Dozent*in eine Einführung in das wöchentliche Thema, dann findet das SP - Gespräch u.a. auch mit Beobachtungsaufgaben für die passiv dem Gespräch beisitzenden Studierenden statt. Anschließend erhält die gesprächsführende Student*in vom SP ein Feedback aus der Patient*innensicht. Teilweise werden diese Trainings auf Video aufgezeichnet, damit die Studierenden sich selber im Nachhinein beobachten können.

Während des Unterrichts soll nach dem Gespräch zunächst die Student*in die Gelegenheit haben sich im Rahmen einer Selbstreflexion einzuschätzen und zu beschreiben, an welchen Stellen sie vielleicht Schwierigkeiten hatte. Sie hat überdies die Möglichkeit eine Situationen zu nennen, zu welcher Sie eine spezifische Rückmeldung möchte. Erst danach gibt die SP Feedback aus Patient*innensicht.
Nach den entsprechenden Feedbackregeln werden hierbei sowohl die positiven als auch weniger gelungenen Aspekte der studentischen Gesprächsführung besprochen und im Rahmen der SP-Möglichkeiten Verbesserungsvorschläge geäußert. Wichtig beim Geben des Feedbacks ist außerdem eine gewisse Professionalität um die ggf. aufgetretenen negativen Gefühle nicht unkontrolliert zu spiegeln oder gar auszuagieren. Das Feedback bezieht sich dabei auf die konkrete Situation im Gespräch/der Untersuchung. Um nicht nur ein allgemeines Feedback zu äußern, werden mit den SPs bereits im Rollentraining die Lernziele und besonderen Schwerpunkte der Rolle besprochen. Außerdem erhält jede SP ein ausführliches Feedbacktraining, mit in regelmäßigen Abständen stattfindenden Auffrischungen. Im nächsten Schritt erfolgt die Auswertung der Peer-Observation. Im letzten Schritt gibt die Dozent*in eine Rückmeldung aus ihrer (klinischen) Erfahrung heraus.

Praktische Prüfung: OSCE + Workplace based assessments

OSCE steht für Objective Structured Clinical Examination und wird als Prüfungsformat in der Humanmedizin vom 1.-7. Semester und bei Studierenden für Bachelor/Master in Psychologie im 4. Semester eingesetzt.

Beim OSCE durchlaufen die Student*innen einen Parcours mit 8-10 Stationen mitkleinen 2 minütigen Pausen dazwischen. Innerhalb einer bestimmten Zeit (in der Regel 8 -10 Minuten) muss eine Aufgabe gelöst werden, die nach einer vorher konzipierten strukturierten Checkliste von der Prüfer*in objektiv auswertbar ist.
Die SP hat im Vorfeld eine bestimmte Rolle trainiert und bleibt dabei an einer Station, während die Studierenden durch den OSCE-Parcours rotieren. Die Aufgaben für die SP variieren von Rollen bei denen Studierende die korrekte Durchführung körperlicher Untersuchungen an ihnen demonstrieren sollen (ohne Rollenskript, bspw: Herz-/Lungenuntersuchung) bis hin zu komplexen Gesprächssituationen mit bspw. Erhebung einer symptombezogenen Anamnese mit Diagnosestellung und Therapievorschlägen.

Bei der Prüfung der praktischen Fertigkeiten ist es wichtig für jeden Studierenden dieselben Bedingungen zu schaffen. Die Umsetzung dieser Aufgabe wird im Vorfeld umfassend trainiert. Bei bestimmten Fragen des Studierenden werden entsprechende Antworten bzw. Körperhaltungen/Körpersprache für die vorgesehene Rolle standardisiert geübt. Zur Qualitätssicherung werden während dieses Trainings werden verschiedene Medien, u.a Videoaufzeichnungen zum Videofeedback eingesetzt, um Fragen und Unklarheiten zu klären.

Ab dem 8. Semester sind die Studierenden der Humanmedizin im dezentralen Studienabschnitt in 4 Ankerplätzen im Land Brandenburg verteilt. Geplant ist die Nachhaltigkeit des Lernerfolgs der praktischen Lernziele im Rahmen von Workplace-based assessments (WPBAs) zu prüfen. Dazu werden während der Stationspraktika verschiedene Formate genutzt: DOPs (=Direct Observation of Clinical Skills), CBDs (case-based discussions), NOTSS (non-technical skills for surgeons), sowie mini-CEX (mini clinical evaluation exercise) bei denen auch SP zum Einsatz kommen werden.

Training

Rollenspiel:

Bevor die SPs zum Einsatz kommen, werden die SP, die dieselbe Gesprächssituation spielen, in einer kleinen Gruppe gemeinsam geschult. Zur Einführung erhalten sie die Rollenbeschreibungen und SP- Unterlagen sowie ggf. weitere Materialien (z.Bsp.: Haare, Pflaster, Schmincke o.Ä.). Anschließend werden die Rollen im Selbststudium vertieft, um sie abschließend so zu trainieren, dass die künstliche Situation so authentisch wie möglich wiedergegeben wird und bestimmte Informationen nur nach entsprechenden Schlagworten preisgegeben werden. In der Regel spielt jede SP mindestens 2 mal ihre Rolle mit der Trainer*in durch. Im Rahmen von Peer-Observation (kollegiale Beobachtung), Trainerfeedback und Videoanalysen wird das Rollenspiel perfektioniert.


Feedback geben:

Es gibt für alle SPs regelmäßige Feedbacktrainings in Groß-und Kleingruppen. Neben dem Verinnerlichen der Feedbackregeln wird vor allem die Fähigkeit zur Selbstreflexion und Verbalisierung der Wahrnehmung trainiert. Im Feedbacktraining werden neben den Feedbackregeln, der standardisierte Ablauf besprochen und die Besonderheiten des Feedbacks von SP, die nicht ihre eigenen Meinung kundtun, sondern aus der Rolle heraus Feedback geben sollen. Dies wird ausführlich geübt. Dabei wird deutlich, welche Inhalte im Feedback nicht erwünscht sind (z.Bsp.: medizinisch-klinische Inhalte sowie Vergleiche mit anderen Studierenden bzw. eigenen Erfahrungen mit Ärzt*innen).

Organisation

Momentan ist der Pool an SP noch nicht so groß, so dass die Terminfindung in individuellen Absprachen per Telefon oder eMail gefunden werden kann.

In den verschiedenen Rollen sind oft Alter und Geschlecht vordefiniert, sodass SP entsprechend der Rolle ausgewählt werden. In der Regel sollten die SP keine Erkrankungen oder körperlichen Veränderungen haben, die mit der zu spielenden Krankheit in Verbindung stehen. Zudem sollte sich die SP mit der Rolle auch bis zu
einem gewissen Grad identifizieren können.

Da nicht in jedem Semester dieselben Fälle gefordert sind, können nicht immer alle SP eingesetzt werden.

Interesse ?

Sie haben haben noch Fragen? Oder vielleicht durch die vorherigen Beschreibungen Lust bei uns als Simulationspatient*in mitzuarbeiten?

Melden Sie sich doch einfach im Sekretariat bei Frau Schumacher unter 03391/39-14310

oder direkt beim Simulationspatient*innen-Programm
Leitung: Dr. Henrike Hölzer
E-Mail: henrike.hoelzer@mhb-fontane.de