Forschung Forschungszentren ZVF-BB Forschungsschwerpunkte

Forschungsschwerpunkte

Das ZVF-BB orientiert sich am Patient*innenwohl als höchstem Gut der Medizin. Dies beinhaltet, dass die Sichtweise der Patient*innen in alle Aspekte der Versorgungsforschung integriert wird im Sinne der aktiven Patient*innenbeteiligung an klinischen Entscheidungsprozessen, der Entwicklung von Gesundheitskompetenz und der peer-gestützten Forschung.

Weiterhin orientiert sich das ZVF-BB an regionalen, innovativen und patient*innennahen Versorgungsstrukturen, wobei ein Schwerpunkt auch auf den Bereich der Prävention gelegt wird. Klinisch werden vor allem sogenannte „Volkskrankheiten“, also Erkrankungen mit hoher gesundheitsökonomischer Belastung in den Fokus genommen.

Das ZVF-BB leistet zudem eine kritische Bewertung des bestehenden Gesundheitssystems. Eine vergleichende internationale Perspektive wird eingenommen.

Gesundheitssystemforschung und Gesundheitsökonomie

Im Forschungsschwerpunkt Gesundheitssystemforschung (und Gesundheitsökonomie) wird die Organisation des regionalen Gesundheitssystems in Brandenburg (und Berlin) untersucht. Dies ist insbesondere für das Flächenland Brandenburg mit seiner demoskopischen Struktur und ungleichen Versorgungsverhältnissen, entsprechend auch dem Auftrag der MHB insgesamt, von besonderer Relevanz. Besondere Berücksichtigung finden die Fragestellungen der sektorübergreifenden Versorgung, der Ambulantisierung der Krankenhausmedizin und des Praxistransfers von innovativen Versorgungsansätzen.

Bewertung von Digital Health-Ansätzen und Participatory Digital Health

Der Forschungsschwerpunkt Digitale Medizin grenzt sich dadurch ab, dass die Fragen des Nutzens digitaler Angebote für die Anwender*innen im Vordergrund stehen. Dazu gehören Studien, die nach einem Mehrwert für die Patient*innenautonomie und Wahlfreiheit der Gesundheitsangebote fragen, gegenüber z.B. nur einem wirtschaftlichen Verwertungsinteresse. Auch gemeinsame digitale Dokumentation und Diagnosefindung stehen im Fokus. Konkrete Tätigkeitsbereiche sind a) Telemedizin (aktuelle Pilotprojekte im Bereich der Palliativversorgung, Psychoonkologie und der Rheumatologie) und b) interaktive Kommunikation zwischen Patient*innen und Behandler*innen (gemeinsame Dokumentation mit Patient*innen, gemeinsame Diagnosefindung und Arztbriefschreibung) – dieser Bereich ist in Deutschland im Vergleich zu den skandinavischen Ländern noch unterwickelt und könnte ein Alleinstellungsmerkmal des ZVF-BB werden. Das HPI Potsdam hat Interesse an Zusammenarbeit gezeigt. Vorbild sind analoge Forschungsbereiche in Schweden und Norwegen.

Partizipative Medizin

Partizipative Medizin: Weltweit zeichnet sich ein Trend ab, der die Zusammenarbeit mit Menschen mit eigenen Krankheits-, Versorgungs- und Genesungserfahrungen in Forschung, Lehre, Versorgung und Gesundheitspolitik empfiehlt und zunehmend auch gesetzlich vorsieht (WHO, UN, EU, BMBF, BMG). Im Vergleich zu bspw. angloamerikanischen Ländern, liegt Deutschland bei diesen Entwicklungen deutlich zurück. Welche partizipativen Modelle sich disziplinübergreifend in den Feldern der Gesundheits- und Versorgungsforschung, bei der Lehre und Ausbildung von Gesundheitsberufen und zur gesundheitspolitischen Abstimmung und Steuerung eignen und entwickeln lassen, sind Fragen, die dringend einer Bearbeitung bedürfen.

Gesundheitskompetenz (Risikoprädiktion und Shared Decision Making)

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Entwicklung von Gesundheitskompetenz auch in Zusammenarbeit mit der geplanten Patient*innenuniversität der MHB. Diese wird aus der Perspektive der Health Literacy verstanden, bezieht sich also auf das alltagspraktische Wissen und Fähigkeiten im Umgang mit Gesundheit und Krankheit, mit dem eigenen Körper ebenso wie mit den gesundheitsprägenden sozialen Lebensbedingungen. Gesundheitskompetenz stellt so einen integrierten Bestandteil von kulturbasierten Ressourcen dar, deren Akquirierung und Nutzung stark durch den sozialen Hintergrund der Menschen geprägt wird. Dementsprechend werden auch Medizin und Versorgung insgesamt auf dem Hintergrund unserer sozialen und kulturellen Entwicklung gesehen.

Rehabilitationsmedizin

Im Forschungsbereich Rehabilitationsmedizin werden in Kooperation mit der deutschen Rentenversicherung Berlin-Brandenburg Fragen der Rehabilitationsqualität, der Rehabilitationsorganisation und der patient*innenenbezogenen Outcomes vor allem in den klinischen Bereichen Bewegungsapparat, Stoffwechselerkrankungen, Ernährungsmedizin und Psychosomatik untersucht. Im An-Institut für Rehaforschung und Personenschadenmanagement werden Verlaufsdaten der privaten Unfallversicherung analysiert.