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Klinik für Nephrologie - Klinikum Brandenburg

Schwerpunkt unserer Untersuchungen ist die akute Nierenschädigung (Acute Kidney Injury - AKI). Die AKI stellt Nephrologen und Intensivmediziner weltweit unverändert vor große Her-ausforderungen. Einerseits nimmt die Häufigkeit dieser Komplikation im stationären Umfeld kontinuierlich zu. Mittlerweile entwickeln bis zu 18% (!!!) aller Krankenhauspatientinnen / -en in Mitteleuropa eine variable akute Nierenfunktionsstörung im Behandlungsverlauf. Die Grün-de sind zum Teil plausibel: der Altersdurchschnitt steigt permanent an, damit geht eine Zu-nahme der kumulativen Morbidität einher. Nun bringt vermehrte Morbidität in der Regel auch erhöhte Sensitivität gegenüber diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen mit sich. Andererseits hat sich jedoch die Prognose der AKI in den vergangenen 20 Jahren kaum ver-bessern lassen. Auf mitteleuropäischen Intensivstationen versterben noch immer bis zu 50% der Betroffenen im Gefolge dieser Komplikation. Im besonderen Kollektiv von Patientinnen / -en mit maligner Grundkrankheit, Sepsis sowie dialysepflichtiger akuter Nierenfunktionsstö-rung wurden Sterblichkeitsraten von über 90% festgestellt! Es ist absolut nachvollziehbar, dass weltweit nach Strategien zur rascheren Erkennung und einem effizienteren Manage-ment der AKI gefahndet wird. Mit unseren Untersuchungen wollen wir die aktuelle Situation anhaltend verbessern. Einerseits führen wir klinische Analysen, andererseits experimentelle Studien durch.

Klinische Analysen

  • Akute Nierenschädigung im Klinikum Brandenburg: Epidemiologie in Vergangen-heit und Zukunft: Dieses Projekt dient einer Statuserhebung der aktuellen nephro-logischen Versorgungssituation im Raum Brandenburg an der Havel. Besonderes Augenmerk gilt der AKI. Die hierbei gewonnenen Erkenntnisse werden helfen, mögliche Defizite in der (über)regionalen Betreuung akut niereninsuffizienter Pati-entinnen / -en zu erkennen. Es fügt sich ein in den MHB-Forschungsschwerpunkt "Medizin des Alterns".
  • Akute Nierenschädigung nach Anwendung jodhaltiger Kontrastmittelpräparate: Derzeit wird weltweit intensiver diskutiert, welcher epidemiologische und prognos-tische Stellenwert der so benannten Kontrastmittel-induzierten Nephropathie (Con-trast-Induced Nephropathy - CIN) tatsächlich zukommt. Auch die Diskussion über ev. notwendige präventive Maßnahmen sind im Fluss. Gleichwohl: aktuell ist noch immer davon auszugehen, dass jodhaltige KM-Präparate unter bestimmten Be-dingungen bzw. bei definierten Risikopatientinnen / -en die exkretorische Nieren-funktion signifikant reduzieren können. Aus diesem Grund evaluieren wir derzeit epidemiologische Kenngrößen zur CIN am Standort. Es gilt zu erfahren, ob 1) eine CIN-Risikosituation erkannt, 2) mittels welcher präventiven Maßnahmen ggf. rea-giert und ob 3) eine adäquate Nachsorge der Betroffenen eingeleitet wird. Grund-sätzlich dient auch dieses Projekt der Verbesserung der nephrologischen Versor-gungsqualität am Standort.

Experimentelle Studien: Wir beschäftigen und seit vielen Jahren mit (tier)experimentellen Studien zu neuen Behandlungsansätzen der akuten Nierenschä-digung. Unsere Projekte sind vielfach gefördert worden (Deutsche Forschungsge-meinschaft - DFG, Else Kröner-Fresenius-Stiftung, Jackstädt-Stiftung, European Foundation for the Study of Diabetes - EFSD).

  • Konstitutive Aktivierung des Atg5-Gens in early Endothelial Progenitor Cells (eEPCs) bei akuter Nierenschädigung: Ziel ist die Analyse der Konsequenzen ei-ner eEPC-selektiven Aktivierung des Atg5-Gens, einem essentiellen Modulator der Autophagiekaskade. Der Terminus Autophagie beschreibt einen, allen eukary-ontischen Zellen gemeinsamen, selbstdefensiven Prozess. Dieser wird in Konfron-tation mit sowohl endogenen (etwa: Substratmangel) als auch exogenen (z.B. In-vasion von Mikroorganismen) Stressoren aktiviert. Autophagie kann unter be-stimmten Bedingungen das Überleben von Zellen verlängern. Aktuell vorliegende Daten zeigen eine Verbesserung der renalen Prognose unter Anwendung konstitu-tiv Atg5-produzierender eEPCs. Wir initiieren derzeit ergänzende experimentelle Studien zum endothelialen Phänotyp unter Atg5-Aktivierung sowie klinische Stu-dien zum systemischen Atg5-profiling bei AKI-Patientinnen / -en.
  • Endotheliales Nostrin bei akuter Nierenschädigung: Nostrin ist ein essentieller Re-gulator der physiologischen Endothelfunktion. Tierexperimentelle Daten lassen schlussfolgern, dass ein endothelselektiver Mangel des Proteins maßgeblich zur Entstehung kardiovaskulärer Krankheitsbilder beiträgt. Die häufigste Ursache der AKI ist eine kritische Verminderung der Organdurchblutung (Ischämie), diese hat unter anderem vaskuläre Fehlfunktionen / Strukturveränderungen in den Nieren zur Folge. Wir vermuten, dass ein endothelialer Mangel von Nostrin die Ischämie-suszeptibilität der Nieren erhöht. Das Projekt wird in enger Kooperation mit Frau Prof. Dr. rer. nat. S. Oess (Institut für Biochemie der MHB) durchgeführt.

Klinische Leistungsschwerpunkte:
Seit September 2017 verfügt das Zentrum für Innere Medizin I über einen nephrologischen Versorgungsschwerpunkt mit dem Ziel, die Versorgungssituation stationär behandelter Patien-ten mit allen denkbaren nephrologischen Krankheitsbildern zu verbessern. Hierzu gehören die verschiedenen Formen der akuten und chronischen Glomerulonephritis, insbesondere solche auf dem Boden autoimmuner Systemkrankheiten (systemischer Lupus erythematodes, Vas-kulitiden mit Nierenbeteiligung u. a.),

- Tubulointerstitielle Nephropathien,
- Diabetische Nephropathie und renale Manifestationen onkologischer Erkrankungen (Nierenschädigung bei multiplem
  Myelom),
 -Diverse Elektrolytstörungen und Abweichungen im Säure-Basenhaushalt

Von besonderer Wichtigkeit ist die Betreuung von Patienten mit
- Chronischer Nierenkrankheit,
- Akuter Nierenschädigung und
- Schwerer arterieller Hypertonie

Folgende Leistungen werden angeboten:
- Differenzierte Labor(Autoimmun) Diagnostik
- Spezielle Urindiagnostik
- Allgemeine Ultraschalldiagnostik des Nierengewebes sowie farbduplexbasierte Analysen der Nierendurchblutung
  invasive Diagnostik im Bedarfsfalle (Nierenbiopsie)

Im August 2018 wurde eine stationäre Dialyseabteilung im Klinikum eröffnet. Auf insgesamt 9 Dialyseplätzen werden Patienten mit akuter und chronischer Nierenfunktionsstörung extra-korporal behandelt. Ergänzend erfolgen Dialysetherapien auf den hauseigenen Intensivstatio-nen, zum Einsatz kommen hierfür portable Dialysegeräte. Schließlich werden Spezialthera-pien inkl. Plasmapherese, Immunadsorption und Lipidapherese angeboten, allerdings nur für stationär betreute Patienten.

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Wissenschaftliche Schwerpunkte

Erfassung von Inzidenz, Risikofaktoren und outcome der AKI am Standort - Promotionsprojekt
Projektleiter:
Prof. Dr. med. D. Patschan
Die Inzidenz der nosokomialen akuten Nierenschädigung nimmt weltweit zu. Aktuell liegt diese in Deutschland bei ca. 18% (!). Gleichzeitig hat sich die Prognose der AKI in den vergangenen 30 Jahren kaum substantiell verbessern lassen. Ziel dieses Promotionsprojektes ist die retrospketive Erfassung des epidemiologischen Profils der AKI im Klinikum Brandenburg im Jahre 2015. Es soll eruiert werden, welcher Status in diesem Zeitraum im nationalen und internationalen Vergleich bestand. Vor allem gilt es zu analysieren, in welcher Weise sich das Fehlen einer speziellen fachnephrologischen Abteilung im Hause auf epidemiologische Kenngrößen ausgewirkt haben könnte. Wir vermuten, dass die lokale AKI-Versorgungssituation vergleichsweise unzureichend war. Letztlich sollen Erkenntnisse für eine zukünftig optimiertere Betreuung betroffener Individuen gewonnen werden.

CIN am Klinikum Brandenburg
Projektleiter:
Prof. Dr. med. D. Patschan
Eine AKI kann sich als Folge der intravenösen Anwendung jodhaltiger Kontrastmittelpräparate entwickeln (Contrast-Induced Nephropathy – CIN). Seit Jahren sind verschiedene Risikofaktoren dieser Komplikation bekannt. Aktuell wir allerdings unverändert diskutiert, welches Risiko tatsächlich im klinischen Alltagb  besteht und welche pharmakologischen Maßnahmen präventiv und therapeutisch anzuwenden sind. Ziel des Projektes ist die retrospektive Erfassung der epidemiologischen Situation der CIN am Standort. Es soll eruiert werden, ob im Falle einer geplanten Kontrastmittelanwendung bei Koronarangiographie etwaige Risikofaktoren erkannt wurden, ob präventive Maßnahmen und die Wege geleitet wurden und welcher outcome bestand (AKI ja / nein? Dialyse ja / nein?). Es ist zudem fraglich, ob entsprechende Nachkontrollen veranlasst bzw. wenigstens empfohlen wurden. Letztlich dient auch dieses Projekt der Verbesserung der lokalen Versorgungssituation am Standort.

Evaluation der Konsequenzen einer konstitutiven Aktivierung von Autophagie in therapeutisch applizierten Proangiogenic Cells (PAC) bei muriner AKI (grundlagenwissenschaftliches Projekt – aktuell laufend)
Projektleiter:
Prof. Dr. med. D. Patschan
Die Prognose der AKI ist weltweit in den vergangenen Jahren kaum substantiell verbessert worden. Eigene experimentelle Studien der letzten 12 Jahre hatten den Einsatz so benannter Proangiogenic Cells (PACs) zur Therapie der AKI im Mausmodell zum Gegenstand. Die systemische PAC-Gabe wirkt unter murinen Bedingungen signifikant nephroprotektiv. Der Terminus Autophagie (AP) beschreibt einen evolutionär konservierten Prozess, welcher die Degradation definierter zellulärer Abbauprodukte beschreibt. AP wird gemeinhin als selbstdefensiver Prozess verstanden. Ziel der Studie ist die konsitutive AP-Aktivierung in murinen PACs (Transfektion), in dem Bestreben, die Wirkpotenz der Zellen bei AKI zu verstärken. Es handelt sich um ein rein tierexperimentelles Vorhaben, welche derzeit dank der ausgeprägten Kooperationsbereitschaft der Universitätsmedizin Göttingen sowie der immer noch fehlenden tierexperimentellen Möglichkeiten am hiesigen Standort in Göttingen weitergeführt und beendet wird.

Analyse der molekularen Mechanismen der PAC-vermittelten Nephroprotektion bei muriner AKI (grundlagenwissenschaftliches Projekt – aktuell laufend)
Projektleiter:
Prof. Dr. med. D. Patschan
PACs (Proangiogenic Cells) sind mittlerweile als reliables tool zur Therapie der experimentellen (murinen) AKI etabliert. Allerdings dürfte ein Einsatz der Zellen am Menschen aus verschiedenen Gründen in absehbarer Zeit nicht gelingen. Ziel dieses (tierexperimentellen) Projektes ist die Charakterisierung der zellulären Wirkmechanismen muriner PACs sowie der Transfer definierter Wirkprozesse in die klinische Anwendung. Es handelt sich, wie bereits erwähnt, um ein rein tierexperimentelles Vorhaben, welche derzeit dank der ausgeprägten Kooperationsbereitschaft der Universitätsmedizin Göttingen sowie der immer noch fehlenden tierexperimentellen Möglichkeiten am hiesigen Standort in Göttingen weitergeführt und beendet wird.

Analyse der vermuteten nephroprotektiven Wirkung von endothelialem Nostrin bei muriner AKI (grundlagenwissenschaftliches Projekt – aktuell beantragt)
Projektleiter:
Prof. Dr. med. D. Patschan / Prof. Dr. rer. nat. S. Oess
Das Protein Nostrin stabilisiert die endotheliale Homöostase. Der endotheliale Nostrin-Mangel ist unter experimentellen Bedingungen mit einer signifikanten endothelialen Dysfunktion assoziiert worden. Wir vermuten, dass endotheliale Nostrin-Defizienz die Ischämiesuszeptibilität der Nieren steigert bzw. dass Nostrin bei akuter Nierenschädigung endogen protektiv wirkt. Dieses, in gleichwertiger Zusammenarbeit mit Frau Prof. Dr. rer. nat. S. Oess, geplante und beantragte Projekt ist in weiten Teilen tierexperimentellen Charakters, weswegen die Kooperation mit der Universität Frankfurt am Main unerlässlich sein wird.

Ausgewählte Publikationen

Ziebolz D., Douglas D., Douglas D., Schmickler J., Patschan D., Müller G.A., Haak R., Schmidt J., Schmalz G., Patschan S.(2018) Periodontal condition is associated with disease duration and motoric disabilities in patients with ankylosing spondylitis: results of a cross-sectional study. Rheumatol Int. 2018 May; 38 (5):855-863. doi: 10.1007/s00296-018-4012-6. Epub 2018 Mar 20.

Ziebolz D., Rupprecht A., Schmickler J., Bothmann L., Krämer J., Patschan D., Müller G.A., Mausberg R.F., Schmidt J., Schmalz G., Patschan S. (2018) Association of different immunosuppressive medications with periodontal condition in patients with rheumatoid arthritis: Results from a cross-sectional study. J Periodontol. 2018 Nov; 89 (11):1310-1317. doi: 10.1002/JPER.17-0616. Epub 2018 Aug 23.

Korsten P., Mavropoulou E., Wienbeck S., Ellenberger D., Patschan D., Zeisberg M., Vasko R., Tampe B., Müller G.A.(2018) The "rapid atrial swirl sign" for assessing central venous catheters: Performance by medical residents after limited training. PLoS One. 2018 Jul 16; 13 (7):e0199345. doi: 10.1371/journal.pone.0199345. eCollection 2018.

Patschan D., Sugiarto N., Henze E., Mößner R., Mohr J., Müller G.A., Patschan S.(2018) Early endothelial progenitor cells and vascular stiffness in psoriasis and psoriatic arthritis. Eur J Med Res. 2018 Nov 9; 23 (1):56. doi: 10.1186/s40001-018-0352-7.

Schmalz G., Douglas D., Douglas D., Patschan S., Patschan D., Müller G.A., Haak R., Schmickler J., Ziebolz D.(2018) Oral health-related quality of life is associated with disease specific parameters in patients with ankylosing spondylitis. Clin Oral Investig. 2018 Nov; 22 (8):2889-2896. doi: 10.1007/s00784-018-2375-4. Epub 2018 Feb 7.

Schwarze K., Kribben A., Ritter O., Müller G.A., Patschan D. (2018) Autophagy activation in circulating proangiogenic cells aggravates AKI in type I diabetes mellitus. Am J Physiol Renal Physiol. 2018 Oct 1; 315 (4):F1139-F1148. doi: 10.1152/ajprenal.00502.2017. Epub 2018 Jun 13.

Patschan D., Buschmann I., Ritter O., Kribben A. (2018) Cell-Based Therapies in Acute Kidney Injury (AKI). Kidney Blood Press Res. 2018; 43 (3):673-681. doi: 10.1159/000489624. Epub 2018 May 3.

Patschan D., Müller G.A. (2018) [Acute Kidney Injury, AKI - Update 2018]. Dtsch Med Wochenschr. 2018 Aug; 143 (15):1094-1096. doi: 10.1055/a-0523-4571. Epub 2018 Jul 30.

Patschan D., Buschmann I., Ritter O. (2018) Contrast-Induced Nephropathy: Update on the Use of Crystalloids and Pharmacological Measures. Int J Nephrol. 2018 May 2; 2018:5727309. doi: 10.1155/2018/5727309. eCollection 2018.


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