Interviews & JobInsights
Abschluss - Check! Und dann?
In dieser Rubrik nehmen uns Ehemalige der MHB mit in ihr Leben nach dem Abschluss: Welche Wege haben sie eingeschlagen, welche Überraschungen erlebt? In diesem Alumi-Talk plaudern wir mit Vroni Walther, die 2017 ihr Medizinstudium startete – mit dem Wunsch, Ärztin zu werden, die mit Herz und Verstand handelt. Heute arbeitet sie als Assistenzärztin im Krankenhaus Kyritz und erlebt ihren Beruf als ebenso fordernd wie erfüllend.
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Erinnern Sie sich noch, wie Sie damals auf die MHB aufmerksam geworden sind – und was Sie letztlich nach Neuruppin geführt hat?
Ein ehemaliger Kollege, der ebenfalls Medizin studieren wollte, machte mich auf die MHB aufmerksam mit den Worten: „Ey Vroni, du hast doch schon so viel gemacht, Ausbildung, Ehrenamt und so, das zählt an der MHB auch. Schau dir die doch mal an!“ Und genau diese Einstellung, mich als Mensch zu sehen und nicht nur als NC, hat mich hierher gebracht.
War es schwierig sich für einen Fachbereich zu entscheiden oder gab es schon vor dem Studium einen festen Plan?
Ja und ja. ;-) Ich hatte von Anfang an eine favorisierte Fachrichtung, aber durch die einzelnen Module hat sich die Fachrichtung mehrfach geändert.
Vom Hörsaal in die Klinik: Wie haben Sie persönlich den Übergang vom Studium in den Berufsalltag erlebt?
Es war ein turbulenter Wechsel, plötzlich nicht mehr Studentin, sondern Ärztin zu sein. An die neue Rolle musste ich mich erstmal gewöhnen.
Was bereitet Ihnen an Ihrem ärztlichen Beruf besonders Freude – und welche Aspekte empfinden Sie als größte Herausforderung?
Ich finde Medizin schon seit meiner Jugendzeit wahnsinnig faszinierend. Und mein Beruf zeigt mir (fast) jeden Tag, wieso. Vom akuten Notfall bis zum „Routine“-Tag, es wird nie langweilig. Ich habe, gerade jetzt zu Beginn meiner Weiterbildung, eine unglaublich steile Lernkurve und bin dankbar, dass meine Ausbildung und das Studium mich so gut darauf vorbereitet haben. Außerdem habe ich in meinem Job die Möglichkeit, etwas zu bewirken: Sei es dadurch, dass ich Menschen mit akuten Erkrankungen oder Angst vor einer anstehenden OP durch patientengerechte Sprache Befürchtungen nehmen oder auch beim Überbringen von schlechten Nachrichten durch Empathie und Menschlichkeit beistehen kann. Es ist ein Privileg, dass ich diesen Beruf ausüben darf.
Die plötzliche Verantwortung zu tragen, die Angst, gerade am Anfang, vor Notfallsituationen, das war schon herausfordernd.
Wenn es einmal stressig wird: Was gibt Ihnen momentan Kraft und Durchhaltevermögen?
Privat hilft es mir, bewusst Auszeiten zu nehmen.
Im Job sind das auch oft meine Kolleg*innen. Meine Oberärzt*innen, die mir mit offenem Ohr und erfahrenem Rat zur Seite stehen, mich aber auch mit neuen Herausforderungen immer wieder daran erinnern, WARUM ich Medizin so liebe. Oder die Kolleg*innen der Pflege, die mir nicht nur mit Tipps aushelfen, sondern mich mit einem Kaffee, einem lieb angerichteten Frühstücksteller oder einem „So Vroni, jetzt ist erstmal Pause. Jetzt wird erstmal ein Stück Kuchen gegessen!“ daran erinnern, dass ich auch im Stress nicht vergessen darf, auf mich zu achten.
Gab es etwas, das Sie im Arbeitsalltag als Assistenzärztin völlig überrascht hat – positiv oder negativ?
Ja, tatsächlich hat mich die flache Hierarchie überrascht, was sicherlich auch eine Spezialität meines kleinen Hauses ist (KH Kyritz). Ob das meine neugierigen Rückfragen waren, die von meinen Oberärzt*innen und Chefärzten immer geduldig beantwortet wurden oder die Tatsache, wie schnell ich mir einen (guten) Ruf erarbeiten konnte, weil ich als Kollegin von Anfang an wahrgenommen wurde und mehr war als Assistenzärztin Nr. 3758. Das hat mir von Anfang an sehr geholfen viel dazu zu lernen.
Außerdem durfte ich erfahren, dass sich meine Angst vor dem ersten Dienst gar nicht bewahrheitet hat. Ganz im Gegenteil, ich habe mein Klinikum nochmal aus einer ganz anderen Perspektive entdeckt, jenseits des Alltagsstresses. Ich durfte lernen, dass ich nicht allein bin, sondern ein tolles Team an ärztlichen und pflegerischen Kolleg*innen um mich habe, mit denen ich mir so manche Nacht um die Ohren schlug. Hinzu kam mein sehr geduldiger Hintergrunddienst,der, egal zu welcher Tages- und Nachtzeit ich anrief, mir stets lieb und hilfsbereit zur Seite stand (das habe das aus Erzählungen von anderen Ärzt*innen auch schon ganz anders gehört).
Welche Kenntnisse oder Erfahrungen aus dem Studium erweisen sich in Ihrem jetzigen Job immer wieder als echte Hilfe?
Ich hätte niemals gedacht, dass ich das mal sagen werde, aber tatsächlich bin ich dankbar für die ganzen Jahre OSCE (so sehr ich es damals auch gefürchtet habe). Ich merke, dass ich heute noch mein OSCE-Programm abspule, von der Vorstellung, wer ich bin, über die Erklärung für meine Patient*innen, was ich vorhabe bis zur strukturierten Untersuchung, die ich durch das häufige Üben verinnerlicht habe. Das hat mir am Anfang sehr viel Sicherheit vermittelt, weil ich mich, zumindest in der Durchführung, sicher fühlte. Und bei unklaren Ergebnissen konnte ich meine Oberärzt*innen oder andere Kolleg*innen um Rat fragen.
Was sollte Ihrer Meinung nach viel häufiger offen angesprochen werden, wenn es um den Einstieg ins Berufsleben als Ärztin geht – vielleicht sogar schon während des Studiums?
Ich kann nur wiedergeben, was mir ein sehr lieber Arzt während meines PJs erzählt hat (übrigens auch in Kyritz, da zieht sich ein roter Faden durch ;-) )
„Das erste Jahr wird hart! Aber das ist okay. Das geht allen so, du bist nicht allein.“
Ich habe mich am Anfang oft mit einer guten Freundin, ehemals Kommilitonin, ausgetauscht und es tat gut zu wissen, dass ich mit Unsicherheiten, Stress, Ängsten, aber auch ersten Erfolgen und kleinen Schritten nicht allein bin. Das half mir durchzuhalten.
„Mach viele Dienste, gerade am Anfang, dadurch wirst du gut!“
Ich habe mich am Anfang bemüht, viele Dienste zu machen, und es hat mir sehr geholfen, Erfahrungen zu sammeln, eigeninitiativ zu handeln im Wissen, dass ich bei Fragen und Problemen immer noch meine Kolleg*innen und meinen Hintergrund habe.
Stellen Sie sich vor, Sie könnten Ihrem jüngeren Ich kurz vor dem Abschluss einen Rat geben – was würden Sie sagen?
„Die spannendste Zeit hast du noch vor dir, du darfst dich freuen! Und es wird alles nicht so schlimm, wie du denkst. Du bist nicht allein. Und P.S. es war eine sehr gute Entscheidung, die ganzen Fortbildungen (Sono-Kurs, Rea-Kurs, etc.) schon vor Beginn der Klinikzeit zu haben, die werden dir bald sehr helfen ;-)“
Gibt es etwas, das Sie aus Ihrer Zeit an der MHB besonders vermissen – oder das Sie sich auch heute noch von Ihrer Alma Mater wünschen würden?
Nein, ich bin einfach nur dankbar, dass sie mich auf meinem Weg zur Ärztin begleitet hat.
Wenn dein aktueller Berufsalltag ein Podcast, Song, Film oder Theaterstück wäre – wie würde er heißen?
Zwischen Faszination und Wahnsinn ;-)
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