Interviews & JobInsights

Abschluss - Check! Und dann?

In dieser Rubrik nehmen uns Ehemalige der MHB mit in ihr Leben nach dem Abschluss: Welche Wege haben sie eingeschlagen, welche Überraschungen erlebt? Im ersten Interview plaudern wir mit unserer Medizin-Alumna Cindy Stern – über ihren Weg, ihre Erfahrungen und ihre ganz persönliche neue Lebensrealität.

 

Du hast Humanmedizin an der MHB studiert – wie bist du damals auf die Hochschule aufmerksam geworden bzw. wie hat es dich nach Neuruppin verschlagen?

Cindy Stern: Nachdem ich meine Berufsausbildung abgeschlossen hatte, begann ich intensiv nach alternativen Wegen ins Medizinstudium zu recherchieren. Ausland kam für mich nicht infrage, Witten/Herdecke gefiel mir vom Konzept her nicht und durch Zufall bin ich dann auf die MHB aufmerksam geworden. Ab da gab es dann keinen Plan B mehr!

 

In welchem Fachbereich befindest du dich aktuell in der Weiterbildung, und wie sieht grob dein beruflicher Alltag aus?

Cindy Stern: Ich befinde mich aktuell am Ende meines 1. Weiterbildungsjahres in der Anästhesie und Intensivmedizin am ukrb in Neuruppin. Mein beruflicher Alltag startet in der Regel um kurz nach 5 Uhr morgens, da ich aus Berlin pendle. Im OP starten wir zwischen 07:15 und 07:20 Uhr mit einer kurzen Frühbesprechung inklusive kurzer Vorstellung der Patient:innen, die einen an dem Tag im zugewiesenen OP-Saal erwarten werden. Dann wird entsprechend der geplanten OPs Narkose gemacht, es folgt eine kurze Mittagspause, dann weiterarbeiten bis 15:45 Uhr (alternativ 20 Uhr). Ich bin zudem regelmäßig in der Prämedikationsambulanz eingeteilt, wo ich entweder im Früh- oder im Spätdienst Patient:innen für die bevorstehenden Narkosen aufkläre.

 

Studium vorbei, Kittel an und los geht's - Wie war für dich überhaupt der Übergang vom Studium in den Klinikalltag?

Cindy Stern: Aufregend! Ich war sehr gespannt, wie es sein würde endlich loslegen zu dürfen, nachdem man sooo lange darauf hingearbeitet hat. Ich bin allerdings rückblickend sehr froh, dass ich von meiner Berufserfahrung aus meinem Ausbildungsberuf (Rettungsassistentin) und einem nicht allzu lang zurückliegenden PJ-Tertial in der Anästhesie profitieren konnte. Da fiel die Eingewöhnung nicht allzu schwer. Aber ich bin auch in ein tolles und vor allem sehr unterstützendes Team gekommen, die haben es mir leicht gemacht anzukommen und mich gleich an die Hand genommen. Gleichzeitig gab es in den ersten Monaten aber auch immer wieder Momente, die mich aus verschiedenen Gründen überfordert haben, wo ich dann schon mal alles in Frage gestellt habe, aber ich schätze, das gehört dazu.

 

Was gefällt dir an deinem ärztlichen Beruf besonders? Was findest du am schwierigsten?

Cindy Stern: Am meisten gefällt mir, dass jeder Tag ein bisschen anders ist, man muss sich immer wieder auf neue Situationen einstellen, es ist kontinuierlich Work & Progress. Es gibt keinen Tag, an dem ich nichts dazulerne oder Dinge evaluiere, die ich hätte besser machen können. Das motiviert mich sehr! Dadurch, dass man sich fachlich stetig weiterentwickelt, gibt es auch immer was, auf das man sich freut, sei es ein Simulationstraining für den Kreissaal, der erste Dienst (wobei Freude da wahrscheinlich ein eher dehnbarer Begriff ist) oder der Notärzt:innen-Kurs.

Am schwierigsten finde ich, jetzt die strukturellen Probleme unseres Gesundheitswesens, die wir bereits im Studium herausgearbeitet haben, am eigenen Leib zu erleben. Es geht im Großen und Ganzen um Zahlen, um Effizienz, um möglichst geringen Aufwand für maximalen Ertrag, während die Menschen, mit denen ich tagtäglich zusammenarbeite, sich primär um eine gute Patient:innenversorgung und ein kollegiales Miteinander bemühen. Dieser Spagat ist manchmal schwierig und bringt mich dann durchaus mal an meine Grenzen.

 

Zwölf-Stunden-Dienste, Lernstress, hohe Arbeitsbelastung – was gibt dir gerade Kraft, um gut durch diese Zeit zu kommen?

Cindy Stern: Ich würde sagen, am meisten mein familiäres Umfeld. Auf das ist bedingungslos Verlass, da wird sich auch mal eine halbstündige Schimpftirade meinerseits angehört, die jubeln (ahnungslos) über nerdige (alltägliche) Errungenschaften meinerseits und fangen mich gleichzeitig aber auch an schlechten Tagen auf.

Zudem helfen mir Kleinigkeiten, wie an freien Tagen bewusst was Schönes zu unternehmen und sich auch mal was zu gönnen, wenn man sich danach fühlt.

 

Was war dein größter Irrtum über den Arbeitsalltag als Assistenzärztin? Wann kam der Aha-Moment?

Cindy Stern: Ich denke ich hatte zwei sehr prägende Aha-Momente. Zum einen wurde mir schnell klar, dass man sich mit dem Arbeitsbeginn in der Klinik nicht für ein langes Studium „belohnt“. In gewisser Weise mag da was dran sein, aber die Wahrheit ist: da geht die eigentliche Arbeit erst richtig los. Neben dem Weiterbilden, Lernen, Nachlesen muss man sich in bestehende Hierarchien integrieren, aushalten, dass man eigentlich viel mehr nicht weiß als weiß und trotzdem ehrlich einschätzen, was man kann (und was nicht).

Zum anderen und das kam erst nach ein paar Monaten, habe ich irgendwann festgestellt, dass man sich dem vermeintlichen Leistungsdruck, dem man sich ausgesetzt fühlt, nicht bedingungslos hingeben darf. Einen großen Teil dieses Druckes macht man sich glaube ich selbst und als Anfänger:in darf man auch mal nicht so performen, mal einen schlechten Tag oder keine Lust haben und im Rahmen des Vertretbaren sind auch Fehler erlaubt (und wichtig!).

 

Welche Fähigkeit oder Erkenntnisse aus dem Studium retten dir heute regelmäßig den Tag?

Cindy Stern: Am meisten profitiere ich von den anatomisch-physiologischen Grundlagen, die zwar schon früh im Studium gelehrt werden, aber gerade im Bereich der Narkoseführung unheimlich wichtig für das Verständnis sind. Und witzigerweise bilde ich mir zumindest ein, dass die Kommunikationsskills, die ich im Studium erworben habe, einfach gerade in stressigen Situationen der absolute Gamechanger sind.

 

Was sollte deiner Meinung nach viel häufiger thematisiert werden, wenn es um den Einstieg ins Berufsleben als Ärztin geht – auch schon im Studium?

Cindy Stern: Praktische berufsbezogene Themen hätte ich hilfreich gefunden. Welche Schritte muss ich z.Bsp. ganz konkret gehen, wenn ich dies oder jenes karrieretechnisch erreichen möchte. Dann bezogen auf den Berufseinstieg, welche Pflichten aber vor allem welche Rechte habe ich und an wen kann ich mich wenden, wenn ich diese in Gefahr sehe.

Sicherlich wäre auch schön gewesen, wenn die Vereinbarkeit von Beruf und Familie thematisiert würde. Mir ist klar, dass die Uni keine strukturellen Probleme lösen kann, aber sie kann angehende Ärzt:innen zumindest für kritische Themen sensibilisieren.

 

Wenn du deinem jüngeren Ich kurz vor dem Abschluss noch etwas mit auf den Weg geben könntest – was würdest du sagen?

Cindy Stern: Bitte keine waghalsigen Sportarten mehr kurz vor Schluss! Halte durch, es lohnt sich.

 

Was vermisst du an der MHB oder deiner Studienzeit dort am meisten? Was wünscht du dir auch nach dem Studium von der MHB?

Cindy Stern: Am meisten vermisse ich die flexible Alltagsgestaltung und die zeitlichen Kapazitäten für extracurriculäres/soziales Engagement. Wünschen würde ich mir, dass man in irgendeiner Form mit unserer Alma Mater verbunden bleibt, vielleicht durch ein jährliches Alumni-Fest o.ä.

 

Wenn dein aktueller Berufsalltag ein Podcast, Song, Film oder Theaterstück wäre – wie würde er heißen?

Cindy Stern: „Dog Days Are Over“ von Florence + The Machine

 

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Medizin
Cindy Stern

Abschluss: 2024
kommt aus: Fulda, Hessen
macht die Fachärztin für:
Anästhesie
in: Universitätsklinikum Ruppin-Brandenburg - Neuruppin

 

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Abschluss - Check! Und dann?

In dieser Rubrik nehmen uns Ehemalige der MHB mit in ihr Leben nach dem Abschluss: Welche Wege haben sie eingeschlagen, welche Überraschungen erlebt? In diesem Alumi-Talk plaudern wir mit Vroni Walther, die 2017 ihr Medizinstudium startete – mit dem Wunsch, Ärztin zu werden, die mit Herz und Verstand handelt. Heute arbeitet sie als Assistenzärztin im Krankenhaus Kyritz und erlebt ihren Beruf als ebenso fordernd wie erfüllend.

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Erinnern Sie sich noch, wie Sie damals auf die MHB aufmerksam geworden sind – und was Sie letztlich nach Neuruppin geführt hat?

Ein ehemaliger Kollege, der ebenfalls Medizin studieren wollte, machte mich auf die MHB aufmerksam mit den Worten: „Ey Vroni, du hast doch schon so viel gemacht, Ausbildung, Ehrenamt und so, das zählt an der MHB auch. Schau dir die doch mal an!“ Und genau diese Einstellung, mich als Mensch zu sehen und nicht nur als NC, hat mich hierher gebracht.

War es schwierig sich für einen Fachbereich zu entscheiden oder gab es schon vor dem Studium einen festen Plan?

Ja und ja. ;-) Ich hatte von Anfang an eine favorisierte Fachrichtung, aber durch die einzelnen Module hat sich die Fachrichtung mehrfach geändert.

Vom Hörsaal in die Klinik: Wie haben Sie persönlich den Übergang vom Studium in den Berufsalltag erlebt?

Es war ein turbulenter Wechsel, plötzlich nicht mehr Studentin, sondern Ärztin zu sein. An die neue Rolle musste ich mich erstmal gewöhnen.

Was bereitet Ihnen an Ihrem ärztlichen Beruf besonders Freude – und welche Aspekte empfinden Sie als größte Herausforderung?

Ich finde Medizin schon seit meiner Jugendzeit wahnsinnig faszinierend. Und mein Beruf zeigt mir (fast) jeden Tag, wieso. Vom akuten Notfall bis zum „Routine“-Tag, es wird nie langweilig. Ich habe, gerade jetzt zu Beginn meiner Weiterbildung, eine unglaublich steile Lernkurve und bin dankbar, dass meine Ausbildung und das Studium mich so gut darauf vorbereitet haben. Außerdem habe ich in meinem Job die Möglichkeit, etwas zu bewirken: Sei es dadurch, dass ich Menschen mit akuten Erkrankungen oder Angst vor einer anstehenden OP durch patientengerechte Sprache Befürchtungen nehmen oder auch beim Überbringen von schlechten Nachrichten durch Empathie und Menschlichkeit beistehen kann. Es ist ein Privileg, dass ich diesen Beruf ausüben darf.

Die plötzliche Verantwortung zu tragen, die Angst, gerade am Anfang, vor Notfallsituationen, das war schon herausfordernd.

Wenn es einmal stressig wird: Was gibt Ihnen momentan Kraft und Durchhaltevermögen?

Privat hilft es mir, bewusst Auszeiten zu nehmen.

Im Job sind das auch oft meine Kolleg*innen. Meine Oberärzt*innen, die mir mit offenem Ohr und erfahrenem Rat zur Seite stehen, mich aber auch mit neuen Herausforderungen immer wieder daran erinnern, WARUM ich Medizin so liebe. Oder die Kolleg*innen der Pflege, die mir nicht nur mit Tipps aushelfen, sondern mich mit einem Kaffee, einem lieb angerichteten Frühstücksteller oder einem „So Vroni, jetzt ist erstmal Pause. Jetzt wird erstmal ein Stück Kuchen gegessen!“ daran erinnern, dass ich auch im Stress nicht vergessen darf, auf mich zu achten.

Gab es etwas, das Sie im Arbeitsalltag als Assistenzärztin völlig überrascht hat – positiv oder negativ?

Ja, tatsächlich hat mich die flache Hierarchie überrascht, was sicherlich auch eine Spezialität meines kleinen Hauses ist (KH Kyritz). Ob das meine neugierigen Rückfragen waren, die von meinen Oberärzt*innen und Chefärzten immer geduldig beantwortet wurden oder die Tatsache, wie schnell ich mir einen (guten) Ruf erarbeiten konnte, weil ich als Kollegin von Anfang an wahrgenommen wurde und mehr war als Assistenzärztin Nr. 3758. Das hat mir von Anfang an sehr geholfen viel dazu zu lernen.

Außerdem durfte ich erfahren, dass sich meine Angst vor dem ersten Dienst gar nicht bewahrheitet hat. Ganz im Gegenteil, ich habe mein Klinikum nochmal aus einer ganz anderen Perspektive entdeckt, jenseits des Alltagsstresses. Ich durfte lernen, dass ich nicht allein bin, sondern ein tolles Team an ärztlichen und pflegerischen Kolleg*innen um mich habe, mit denen ich mir so manche Nacht um die Ohren schlug. Hinzu kam mein sehr geduldiger Hintergrunddienst,der, egal zu welcher Tages- und Nachtzeit ich anrief, mir stets lieb und hilfsbereit zur Seite stand (das habe das aus Erzählungen von anderen Ärzt*innen auch schon ganz anders gehört).

Welche Kenntnisse oder Erfahrungen aus dem Studium erweisen sich in Ihrem jetzigen Job immer wieder als echte Hilfe?

Ich hätte niemals gedacht, dass ich das mal sagen werde, aber tatsächlich bin ich dankbar für die ganzen Jahre OSCE (so sehr ich es damals auch gefürchtet habe). Ich merke, dass ich heute noch mein OSCE-Programm abspule, von der Vorstellung, wer ich bin, über die Erklärung für meine Patient*innen, was ich vorhabe bis zur strukturierten Untersuchung, die ich durch das häufige Üben verinnerlicht habe. Das hat mir am Anfang sehr viel Sicherheit vermittelt, weil ich mich, zumindest in der Durchführung, sicher fühlte. Und bei unklaren Ergebnissen konnte ich meine Oberärzt*innen oder andere Kolleg*innen um Rat fragen.

Was sollte Ihrer Meinung nach viel häufiger offen angesprochen werden, wenn es um den Einstieg ins Berufsleben als Ärztin geht – vielleicht sogar schon während des Studiums?

Ich kann nur wiedergeben, was mir ein sehr lieber Arzt während meines PJs erzählt hat (übrigens auch in Kyritz, da zieht sich ein roter Faden durch ;-) )

„Das erste Jahr wird hart! Aber das ist okay. Das geht allen so, du bist nicht allein.“

Ich habe mich am Anfang oft mit einer guten Freundin, ehemals Kommilitonin, ausgetauscht und es tat gut zu wissen, dass ich mit Unsicherheiten, Stress, Ängsten, aber auch ersten Erfolgen und kleinen Schritten nicht allein bin. Das half mir durchzuhalten.

„Mach viele Dienste, gerade am Anfang, dadurch wirst du gut!“

Ich habe mich am Anfang bemüht, viele Dienste zu machen, und es hat mir sehr geholfen, Erfahrungen zu sammeln, eigeninitiativ zu handeln im Wissen, dass ich bei Fragen und Problemen immer noch meine Kolleg*innen und meinen Hintergrund habe.

Stellen Sie sich vor, Sie könnten Ihrem jüngeren Ich kurz vor dem Abschluss einen Rat geben – was würden Sie sagen?

„Die spannendste Zeit hast du noch vor dir, du darfst dich freuen! Und es wird alles nicht so schlimm, wie du denkst. Du bist nicht allein.  Und P.S. es war eine sehr gute Entscheidung, die ganzen Fortbildungen (Sono-Kurs, Rea-Kurs, etc.) schon vor Beginn der Klinikzeit zu haben, die werden dir bald sehr helfen ;-)“

Gibt es etwas, das Sie aus Ihrer Zeit an der MHB besonders vermissen – oder das Sie sich auch heute noch von Ihrer Alma Mater wünschen würden?

Nein, ich bin einfach nur dankbar, dass sie mich auf meinem Weg zur Ärztin begleitet hat.

Wenn dein aktueller Berufsalltag ein Podcast, Song, Film oder Theaterstück wäre – wie würde er heißen?

Zwischen Faszination und Wahnsinn ;-)

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