GUIDE-AI: Guiding your treatment with current evidence
Es ist ein zentrales Ziel evidenzbasierter Gesundheitsversorgung, dass Patient*innen gemäß den besten verfügbaren Erkenntnissen medizinischer Leitlinien behandelt werden. Zugleich stellt sich die Frage, inwieweit dies insbesondere bei chronischen Herz-, Nieren- und Lungenerkrankungen in der Versorgungspraxis gelingt und unter welchen Bedingungen eine langfristige, leitliniengerechte, kosteneffiziente und nachhaltige Therapie europaweit umgesetzt werden kann.
Hier setzt GUIDE-AI an: Ziel ist es, eine Versorgung zu ermöglichen, in der Patient*innen mit chronischen Erkrankungen leitliniengerecht behandelt werden, Ärzt*innen durch KI-gestützte Entscheidungshilfen bei der Umsetzung evidenzbasierter Therapieempfehlungen begleitet werden und therapeutische Optionen in verständlicher Sprache aufbereitet sind. Auf diese Weise soll eine evidenzbasierte und zugleich patientenzentrierte Entscheidungsfindung gestärkt werden.
Hintergrund
Die europäische Bevölkerung lebt heute länger und gesünder als je zuvor. Gleichzeitig wird der Anteil älterer Menschen in der EU steigen: Bis zum Jahr 2050 wird der Anteil der über 65-Jährigen bei etwa 30 Prozent liegen, verglichen mit rund 20 Prozent heute.
Diese demografische Entwicklung stellt die Gesundheitssysteme in der EU vor erhebliche Herausforderungen, da mit zunehmendem Alter auch die Prävalenz chronischer Erkrankungen steigt. Bereits heute entfallen rund 85 Prozent der Todesfälle in der EU auf chronische Erkrankungen, wobei insbesondere Lungen-, Herz- und Nierenerkrankungen eine zentrale Rolle spielen.
Die Umsetzung medizinischer Leitlinien im klinischen Alltag ist dabei nach wie vor mit erheblichen Hürden verbunden. Leitlinien umfassen häufig mehrere hundert Seiten, werden von wissenschaftlichen Fachgesellschaften publiziert und liegen meist in Form statischer PDF-Dokumente vor. Ihre Integration in die tägliche Versorgungspraxis ist daher komplex und zeitaufwendig. Vor diesem Hintergrund besteht ein dringender Bedarf an innovativen Ansätzen, die den Zugang zu Leitlinien erleichtern und ihre Anwendung im Versorgungsalltag vereinfachen.
Methodik
Die Umsetzung von GUIDE-AI gliedert sich in drei Teilprojekte. Das Projektteam der Nachwuchsgruppe „User Experience in Digital Health“ (UxDH) der MHB leistet im Themenschwerpunkt „Patient centricity“ einen Beitrag:
Zu Beginn werden wir die Perspektiven von Versorger*innen und Patient*innen entlang des gesamten Projektverlaufs durch qualitative Telefoninterviews erfassen – sowohl vor Projektstart als auch während der Implementierungsphase. Ergänzend kommen standardisierte Fragebögen, Fokusgruppendiskussionen, die Kartierung von Patient*innenreisen sowie Stakeholder-Analysen zum Einsatz. Auf diese Weise analysieren wir die Rollen und Einflussfaktoren relevanter Akteur*innen in den Bereichen Kardiologie, Pneumologie und Nephrologie. Die gewonnenen Erkenntnisse bilden die Grundlage für eine konsequent nutzer*innenzentrierte Umsetzung von GUIDE-AI.
PD Dr. rer. medic. Felix Mühlensiepen, PhD, MPH
Arbeitspaketleiter
Nachwuchsgruppe “User Experience in Digital Health” (UxDH)
Zentrum für Versorgungsforschung
Medizinische Hochschule Brandenburg
Simone Behringer, B.Sc.
Medizinstudentin
Doktorandin Versorgungsforschung
Nachwuchsgruppe “User Experience in Digital Health” (UxDH)
Zentrum für Versorgungsforschung
Medizinische Hochschule Brandenburg
Pauline Redweick
Medizinstudentin
Doktorandin Versorgungsforschung
Nachwuchsgruppe “User Experience in Digital Health” (UxDH)
Zentrum für Versorgungsforschung
Medizinische Hochschule Brandenburg
Katharina Boy, B.Sc.
Wissenschaftlicher Mitarbeiterin
Doktorandin Versorgungsforschung
Nachwuchsgruppe “User Experience in Digital Health” (UxDH)
Zentrum für Versorgungsforschung
Medizinische Hochschule Brandenburg
Impact für die Versorgung
Im Projekt wird ein ressourceneffizientes Gesundheitsökosystem adressiert, in dem KI nahtlos in medizinische Entscheidungsprozesse integriert ist, um eine evidenzbasierte und patient*innenzentrierte Entscheidungsfindung zu fördern.