Deeskalation von Überversorgung
„Wann ist weniger mehr?“
Strategien zur Deeskalation von Überversorgung in der Medizin
Ein Großteil der biomedizinischen Forschung führt in der Versorgung zur Ausweitung von Diagnostik und Therapie. Dies hat oft seine Berechtigung, doch zu viel Medizin kann auch schaden: Verunsicherung durch falsch positive Befunde, unnötige Nebenwirkungen, Komplikationen bei Eingriffen und Verbrauch wertvoller Ressourcen sind häufige Konsequenzen. Vielen Studien zur Folge verursachen bis zu 10% aller medizinischen Maßnahmen konkrete Schäden, zusätzliche 30% bieten keinen klaren Mehrwert. Gerade in Zeiten schwindender und limitierter Ressourcen sollte dies gezielter untersucht, klar benannt und entsprechende Anpassungen vorgenommen werden.
International haben sich schon mehrere Arbeitsgruppen dieser Aufgabe gewidmet, wie wiser healthcare in Australien, realistic medicine in Schottland oder smarter medicine in der Schweiz. In Deutschland gibt es hierzu bisher die Initiative "klug entscheiden" der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin, Forschung ist jedoch bislang nur vereinzelt vertreten.
Als erste medizinische Universität will nun die MHB das Thema ”Identifikation und Abbau von Überversorgung” als Vertiefung ihres wissenschaftlichen Forschungsschwerpunktes, der „patient*innenorientierten Versorgung einer alternden Gesellschaft“ konkreter erforschen. Ziel ist der Aufbau von interdisziplinären Arbeitsgruppen, wissenschaftlichen Veranstaltungen und die Implementierung in Lehre und Öffentlichkeitsarbeit. Nach einem ersten Auftaktsymposium im Oktober 2025 wurden zur kooperativen, inhaltlichen Bearbeitung eine Integrierte Arbeitsgruppe (IAG) und ein interner Lenkungskreis für die strategische Entwicklung gegründet.
Lenkungskreis
Aktuelle Mitglieder der Lenkungskreises:
Prof. Christine Holmberg
Dr. Claudia Diederichs
Prof. Konrad Schmidt
Prof. Thomas Stamm
Zur Zirkulation und Diskussion des Themas ist eine regelmäßige Ringvorlesung geplant. Die nächsten Termine sind:
24. März 2026, 15.00 Uhr: Prof. Thomas Kühlein Universität Erlangen (online): „Medizinische Überversorgung aus hausärztlicher Sicht“
23. April 2026, 16.00 Uhr: Prof. Daniel Ojuka / Dr. Peter Maturi, University of Nairobi (Präsenz in Brandenburg / online) „Dean‘s talk: How to succeed in global University medicine with limited resources?“
21. Mai 2026, 13.00 Uhr: Prof. Fiona Stevenson, University College London (Präsenz in Brandenburg / online) -wird noch bekannt gegeben-
Sie können sich über die Veranstaltungsseite der MHB für die Vorträge anmelden.
Team