Allgemeine Psychologie
Die Forschung im Arbeitsbereich Allgemeine Psychologie widmet sich der Frage, wie das Gehirn Lernen und Verhalten selbst reguliert – und welche neurokognitiven Mechanismen diese Fähigkeit unterstützen oder beeinträchtigen. Dieses übergeordnete Interesse an kognitiver Selbstregulation entfaltet sich in zwei Richtungen: in der Grundlagenforschung zum selbstregulierten Lernen – mit Blick auf Feedback, Motivation und neurokognitive Prozesse – sowie in der translationalen Forschung, die untersucht, wie veränderte Kognition die Selbstorganisation beeinflusst, etwa bei Menschen mit Schizophrenie.
Diese Regulationsprozesse werden in verschiedenen Aufgaben untersucht und durch Verhaltensmaße (wie beispielsweise die Abnahme von Fehlerraten und Reaktionszeiten) sowie physiologische (Blickbewegungsmessung) und neurowissenschaftliche Maße wie Elektroenzephalographie (EEG) erfasst. Dafür stehen uns Verhaltenslabore sowie ein EEG-Labor und ein Blickbewegungslabor zur Verfügung.
Bei Fragen zu unserer Forschung wenden Sie sich bitte an Prof. Bertram Opitz per E-Mail an bertram.opitz@mhb-fontane.de.
Haben Sie Interesse an unserer Forschung mitzuwirken? Dann kontaktieren Sie uns, um mehr über die Möglichkeiten der Teilnahme als Proband*in an einer unserer Studien zu erfahren.
Zusammenhang zwischen Hörvermögen, kognitiven Fähigkeiten und Demenzrisiko im Alter
Altersbedingter Hörverlust gilt als einer der bedeutendsten beeinflussbaren Risikofaktoren für kognitive Beeinträchtigungen und Demenz und beeinflusst maßgeblich wie Personen mit einem solchen Hörverlust Aufgaben priorisieren und ihren Alltag organisieren. In dieser Studie wird der Zusammenhang zwischen Hörvermögen und kognitiver Leistungsfähigkeit systematisch untersucht. Dabei kommt eine rein visuelle kognitive Testbatterie zum Einsatz, die Verzerrungen durch auditive Testverfahren vermeidet, kombiniert mit umfassender audiologischer Diagnostik. Ziel ist es, frühzeitige Interventionsansätze zu identifizieren, um kognitivem Abbau im Alter durch gezielte Hörversorgung vorzubeugen.
Feedback als Determinante für selbst-reguliertes Lernen
Retrieval Practice, also aktives Abrufen von Wissen anstelle wiederholten Lernens, gilt als eine der wirksamsten Lernstrategien, wird jedoch von Lernenden häufig unterschätzt und im Alltag zu selten genutzt. Dieses Projekt untersucht, welche Rolle Feedback dabei spielt, ob Lernende RP freiwillig und wiederholt einsetzen, insbesondere im Hinblick auf dessen zeitliche Gestaltung (unmittelbar vs. verzögert). Ziel ist es, besser zu verstehen, wie Feedback selbst-reguliertes Lernverhalten fördern und die Lücke zwischen Laborbefunden und authentischem Lernverhalten schließen kann.
Einfluss veränderter Kognition auf Selbstregulation
Als translationales, klinisches Projekt an der Schnittstelle unserer beiden Forschungsschwerpunkte untersucht diese Studie am Beispiel von Patient:innen mit Schizophrenie, wie sich veränderte Kognition auf die soziale Selbstregulation auswirkt. Mittels EEG wird geprüft, ob die sogenannte Mu-Suppression – ein Indikator für die Aktivität des Spiegelneuronensystems – im Vergleich zu gesunden Kontrollen vermindert ist und mit sozialer Selbstorganisation in Zusammenhang steht. Ziel ist es, neurobiologische Mechanismen der Selbstregulation u.a. bei Schizophrenie besser zu verstehen und daraus Implikationen für eine verbesserte Patientenversorgung abzuleiten.
Überblicksarbeiten
Opitz, B. (invited review, 2010) Neural binding mechanisms in learning and memory. Neuroscience & Biobehavioral Reviews 34, 1036-1046
Opitz, B. (2014) Memory Function and the Hippocampus. In M.G. Hennerici, K. Szabo (Hrsg.) The Hippocampus in Clinical Neuroscience. Front Neurol Neurosci. Karger AG. Basel. pp 51-59
Topor, M., Opitz, B., & Dean, PJA. (2021) In search for the most optimal EEG method: A practical evaluation of a water-based electrode EEG system. Brain and Neuroscience Advances. 5: 1–15 doi:10.1177/23982128211053698
Kognitive Kontrolle
Topor, M., Opitz, B. & Leonard, H.C. (2021) Error-Related Cognitive Control and Behavioral Adaptation Mechanisms in the Context of Motor Functioning and Anxiety. Front. Hum. Neurosci. 15:615616, doi: 10.3389/fnhum.2021.615616
Jones, D.L., Nelson, J. & Opitz, B. (2021) Increased Anxiety is Associated with Better Learning from Negative Feedback. Psychology Learning and Teaching 20(1): 76-90. doi:10.1177/1475725720965761
Opitz, B., Brady, D., & Leonard, H.C. (2020) Motor and non-motor sequence prediction is equally affected in children with Developmental Coordination Disorder. PLoS ONE 15(11) e0232562. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0232562
Schurer, T., Opitz, B., and Schubert, T. (2020) Working Memory Capacity but Not Prior Knowledge Impact on Readers’ Attention and Text Comprehension. Front. Educ. 5:26,
doi: 10.3389/feduc.2020.00026
Dunne, L., and Opitz, B. (2020). Attention control processes that prioritise task execution may come at the expense of incidental memory encoding. Brain and Cognition, 144(June), 105602. https://doi.org/10.1016/j.bandc.2020.105602
Feedbackverarbeitung
Dainton, C., Winstone, N., Klaver, P. & Opitz, B. (2019) Utility of feedback has a greater impact on learning than ease of decoding. Mind Brain Education. doi:10.1111/mbe.12227
Knytl, P. & Opitz, B. (2018) Focused Attention Meditation Makes You Positively Biased During Reinforcement Learning. Cognitive, Affective, and Behavioural Neuroscience 1-15.
doi: 10.3758/s13415-018-00665-0
Ferdinand, N.K., Mecklinger, A., & Opitz, B. (2015). Learning context modulates the processing of expectancy violations. Brain Research 1629, 72–84.
Ferdinand, N. K. & Opitz, B. (2014) Different aspects of performance feedback engage different brain areas: Disentangling the neural correlates of valence and expectancy in feedback processing. Scientific Reports 4, Article number: 5986 doi:10.1038/srep05986.