Forschung
Internationale Kooperation optimiert Return-to-Sport nach ACL-Verletzungen
Brandenburg an der Havel, 26. Februar 2026
Im Rahmen des DAAD-Programms „Projektbezogener Personenaustausch (PPP)“ wurde von 2024–2025 das bilaterale Forschungsprojekt „Advancements in back to sport decision-making“ (Projekt-ID 57703762) erfolgreich umgesetzt. Kooperationspartner waren die Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane (MHB) und die Medizinische Universität Breslau (Wrocław Medical University), unter der Leitung von Dr. Robert Prill und Prof. Dr. Aleksandra Królikowska. Ziel der Zusammenarbeit war die wissenschaftliche Weiterentwicklung evidenzbasierter Entscheidungsstrategien zur Rückkehr in den Sport nach vorderer Kreuzbandrekonstruktion (ACLR).
Wissenschaftliche Ziele und strategischer Ansatz
Das Projekt verfolgte drei zentrale Zielsetzungen:
• Aufbau und Vertiefung gemeinsamer Forschungsaktivitäten im Bereich „Back to Sport“ nach ACLR
• Strukturierte Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses durch kooperative Promotionsprojekte
• Methodische Kompetenzangleichung durch wechselseitigen Wissenstransfer
Im Zentrum stand ein translationaler Forschungsansatz, der systematische Evidenzsynthesen, klinische Studienplanung und Implementierungsstrategien miteinander verbindet. Damit wurde eine durchgängige Forschungskette etabliert – von der Identifikation von Wissenslücken bis zur praktischen Anwendung im klinischen Alltag.
Konkrete Ergebnisse und Meilensteine
1. Ausbau des wissenschaftlichen Netzwerks: Die Kooperation entwickelte sich dynamisch über die ursprünglichen Projektbeteiligten hinaus. Insgesamt wurden über 30 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Nachwuchsforschende, Klinikerinnen und Kliniker sowie Studierende beider Institutionen aktiv eingebunden.
Darüber hinaus wurden internationale Partner wie das tschechische NIKEZ, das australische JBI sowie die europäische Fachgesellschaft ESSKA in weiterführende Kooperationen integriert.
2. Nachwuchsförderung und Promotionen: Ein besonderer Erfolg des Projekts war die nachhaltige Nachwuchsförderung:
• Mehrere kooperative Promotionsprojekte
• Gemeinsame Betreuung von derzeit fünf Nachwuchswissenschaftler*innen
Damit wurde eine strukturelle Grundlage für langfristige internationale Qualifizierungswege geschaffen.
3. Gemeinsame Publikationen und wissenschaftliche Sichtbarkeit: Im Berichtsjahr konnten zahlreiche internationale Publikationen in peer-reviewten Fachjournalen realisiert werden
Thematische Schwerpunkte waren unter anderem:
• Outcome-Messverfahren nach ACL-Rekonstruktion
• Kraft- und Koordinationsdiagnostik
• Rehabilitationsstrategien
• Präventionsprogramme
• Methodische Qualität klinischer Studien
• Evidence-Based Healthcare
Mehrere Arbeiten entstanden im Rahmen von gemeinsamen Promotionsprojekten.
4. Workshops und Wissenstransfer: Zur Kompetenzentwicklung wurden zwei strukturierte Workshopformate entwickelt und an beiden Standorten durchgeführt:
• Systematic Review Production & Evidence Synthesis
• Electromyography in Clinical Research
Aus den vermittelten Inhalten entstanden direkt neue Forschungsprojekte und Publikationen.
Internationale Mobilität und persönlicher Austausch
Mehrere Forschungs- und Konsultationsaufenthalte in 2024 und 2025 ermöglichten einen intensiven wissenschaftlichen Austausch in Brandenburg und Breslau. Neben der gemeinsamen Manuskriptarbeit wurden Forschungsanträge vorbereitet, Publikationsstrategien entwickelt und offene Vorlesungen durchgeführt. Diese direkte Zusammenarbeit war ein zentraler Erfolgsfaktor für die Dynamik und Produktivität des Projekts.
Prof. Królikowska referiert an der MHB in Brandenburg zum Projekt
Nachhaltigkeit und strategische Perspektive
Die Kooperation ist inzwischen strukturell gefestigt und institutionell breit verankert. Beteiligt sind unter anderem:
• die JBI-Zentren an beiden Einrichtungen
• Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie (MHB)
• Zentrum für Versorgungsforschung (MHB)
• Department of Public Health (Breslau)
• Department of Physiotherapy (Breslau)
• PhD School der Medizinischen Universität Breslau
Gemeinsame Drittmittelanträge (u. a. im Bereich Evidenz Synthese und ACL-Prävention) befinden sich in Vorbereitung.
Perspektivisch soll die Zusammenarbeit ausgebaut werden durch:
• EU-Antragsinitiativen
• strukturierte Nachwuchsförderprogramme
• Erweiterung auf angrenzende Forschungsfelder
• nachhaltige internationale Lehrformate
Ein translationaler europäischer Forschungszirkel
Als besonderes „Good Practice“-Beispiel wurde im Projekt ein strukturierter translationaler Forschungszirkel etabliert.
1. Systematische Evidenzsynthese
2. Identifikation klinischer Forschungslücken
3. Konzeption und Durchführung klinischer Studien
4. Konsensus- und Leitlinienarbeit
5. Implementierung und Knowledge Translation
Dieser Ansatz verbindet wissenschaftliche Exzellenz, Nachwuchsförderung und strategische Internationalisierung und positioniert beide Partnerinstitutionen nachhaltig im europäischen Forschungsraum.
Fazit
Das Projekt „Advancements in back to sport decision-making“ hat seine Ziele nicht nur erreicht, sondern in mehreren Bereichen übertroffen.
Es stärkt:
• die Internationalisierung der MHB,
• die wissenschaftliche Sichtbarkeit im Bereich Sportorthopädie und Rehabilitation,
• die strukturierte Nachwuchsförderung,
• und die europäische Anschlussfähigkeit zukünftiger Forschungsinitiativen.
Die geschaffenen Strukturen bilden eine belastbare Grundlage für langfristige gemeinsame Forschungsaktivitäten zwischen Brandenburg und Breslau.