Vernetzung
Forschung zu gesundem Altern: Wissenschaft, Klinik und Praxis vernetzen
Brandenburg an der Havel, 17. September 2026
Unter dem Motto „Forschung vernetzen – Kooperationen aufbauen – Projekte entwickeln“ fand am 8. September 2026 am Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam das 6. Forschungspartnering der Fakultät für Gesundheitswissenschaften (FGW) statt. Das Format bringt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Kliniken und Anwendungspartner zusammen, um neue Forschungs- und Entwicklungskooperationen anzustoßen. Seit 2021 organisiert die FGW die Reihe gemeinsam mit Partnereinrichtungen als Plattform für den Austausch in den Gesundheits- und Lebenswissenschaften.
Frailty und Demenz im Fokus
Die diesjährige Veranstaltung widmete sich dem Thema „Frailty und Demenz – Neue Lösungen für gesundes Altern“ und wurde von der FGW mit ihren Trägerhochschulen Universität Potsdam, BTU Cottbus-Senftenberg und Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane (MHB) sowie dem Klinikum Ernst von Bergmann, der Charité und dem Friede Springer – Cardiovascular Prevention Center (FS-CPC) durchgeführt.
Frailty oder Gebrechlichkeit ist ein geriatrisches Syndrom, bei dem die körperlichen Reserven abnehmen und die Anfälligkeit für Erkrankungen und Einschränkungen steigt. Häufig steht Frailty mit Mangelernährung und Inaktivität in Verbindung und gewinnt in einer alternden Gesellschaft zunehmend an Bedeutung. Das gilt ebenso für Demenz, also das Nachlassen geistiger Fähigkeiten wie Gedächtnis, Orientierung oder strukturiertes Denken, durch fortschreitende Erkrankungen des Gehirns. Beide Erkrankungen verstärken sich gegenseitig, so dass eine einheitliche Betrachtung wichtig ist.
Impulsvorträge aus dem FS-CPC an der Charité, dem Berlin Institute of Health an der Charité, dem Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam sowie der MHB führten in die Themen ein. Sie bildeten zugleich die Grundlage für die anschließende Diskussion der Forschungsideen in kleinen Gruppen.
Von der frühen Diagnostik bis zur Versorgung
Dr. med. Johannes Regente (Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam) und Prof. Dr. med. Notger Müller (Universität Potsdam, FGW) widmeten sich in ihrem Eröffnungsvortrag „Verbesserung der frühen Diagnostik in der Gedächtnissprechstunde des EvB durch Erheben des motorkognitiven Risikosyndroms in Kooperation mit dem Brain Health Lab der Universität Potsdam“ dem breiten Ursachenspektrum von Gedächtnisstörungen im Zusammenhang mit der Entwicklung demenzieller Krankheitsformen und den damit verbundenen Herausforderungen bei der frühen Diagnostik. Der konzeptionelle Ansatz des Motor-kognitiven Risikosyndroms, einer Kombination aus leichten Bewegungs- und Gedächtnisproblemen, könnte dabei Fortschritte bei der Erkennung von Patientinnen und Patienten mit hohem Demenzrisiko ermöglichen.
PD Dr. med. Volker Dahling (Immanuel Klinik Rüdersdorf, MHB) schlug mit seinem Vortrag „Stolpersteine und ungedeckte Bedarfe in der Versorgung von Menschen mit Demenz – Evidenz und Perspektiven“ den Bogen von der frühen Diagnostik zur Versorgung von Menschen mit Demenz. Auf Grundlage der Analyse der derzeitigen Versorgungswege von Patientinnen und Patienten zeigte Dr. Dahling die besondere Bedeutung einer optimierten Versorgung auf. Dabei verwies er auf Potenziale zur Verbesserung der Versorgung durch aktuelle Innovationen in Diagnostik, Therapie und Versorgung – einschließlich des Einsatzes technischer Unterstützungssysteme.
Was wir über gesundes Altern wissen
Prof. Dr. med. Elisabeth Steinhagen-Thiessen (Friede Springer – Cardiovascular Prevention Center, Charité) setzte in ihrem anschließenden Impulsvortrag „Lessons learned aus den Berliner Altersstudien BASE I-III – Frailty und Demenz“ die Themen „Frailty und Demenz“ in Beziehung zu den wesentlichen Erkenntnissen der Berliner Altersstudie, die Menschen verschiedener Altersgruppen über einen längeren Zeitraum untersucht. Die seit den 1990er-Jahren durchgeführte Studie betrachtet dabei unterschiedliche Aspekte des Alterns.
Vor dem Hintergrund der verschiedenen Faktoren, die die Gesundheit des Menschen beeinflussen, haben die Untersuchungen unter anderem gezeigt, dass es keinen typischen Altersverlauf gibt. Körperliche und organspezifische Veränderungen schreiten in der Regel unterschiedlich voran. Dabei ist das Zusammenspiel von Muskeln, Knochen und Gelenken stärker von Veränderungen betroffen als das hormonale System. Ein wesentlicher Baustein des Frailty-Syndroms ist die Sarkopenie, also der altersbedingte Abbau von Muskelmasse und Muskelkraft.
Als eine der Kernaussagen ihres Vortrags hob Steinhagen-Thiessen die herausragende Bedeutung der Prävention altersbedingter Veränderungsprozesse hervor – bereits ab dem Kindes- und Jugendalter.
Beweglich bleiben: neue Therapieansätze
Der abschließende Impulsvortrag „Beweglich im Alter: Advanced Therapies für ein gesundes Altern“ von Prof. Dr. med. Georg Duda (Julius Wolff Institut und Berlin Center for Regenerative Therapies, Berlin Institute of Health, Charité) gab Einblicke in die Leistungsfähigkeit moderner Funktionsdiagnostik des muskuloskelettalen Systems, also des Zusammenspiels von Muskeln, Knochen und Gelenken. Auf Grundlage experimenteller Daten und von Studienergebnissen stellte Duda zukünftige Ansätze für den Funktionserhalt des muskuloskelettalen Systems im Alter vor. Dazu gehören die Stärkung der körpereigenen Muskel- und Knochenregeneration durch Immunmodulation, also die gezielte Beeinflussung des Immunsystems, sowie mechanotherapeutisch stimulierte Heilungsprozesse, bei denen gezielte mechanische Reize zur Unterstützung der Heilung eingesetzt werden.
32 wissenschaftliche Steckbriefe, 14 Pitches und mehr als 80 Teilnehmende
Insgesamt 32 wissenschaftliche Steckbriefe aus Wissenschaft, Klinik und Industrie, davon 14 als Pitch-Vorträge präsentiert, adressierten Themen wie biologisches Altern, Sarkopenie, Versorgungsforschung und -steuerung, nicht-invasive Therapieverfahren sowie KI-unterstützte Versorgung. Sie bildeten die Grundlage für den anschließenden wissenschaftlichen Austausch.
Besondere Beachtung fanden dabei die Bedarfe der Patientenseite hinsichtlich der Gestaltung von Forschungsprojekten im Bereich der Demenzforschung. Vorgestellt wurden diese vom Kompetenzzentrum Demenz im Land Brandenburg.
Insgesamt bot die Veranstaltung den mehr als 80 Teilnehmenden aus der Region Berlin-Brandenburg und darüber hinaus vielfältige Möglichkeiten für den intensiven wissenschaftlichen Austausch.
Mit neuen Kontakten und Ideen für konkrete weitere Kooperationen endete die Veranstaltung.