Forschung
DIPEx-Projekt erweitert Online-Angebot zu Krankheitserfahrungen um Hautkrebs-Modul
Brandenburg an der Havel, 15. Mai 2026
Das DIPEx-Projekt der Medizinischen Hochschule Brandenburg Theodor Fontane (MHB) hat sein Online-Angebot um ein neues Modul zum Thema Hautkrebs erweitert. Dafür wurden Erfahrungsberichte von 38 Menschen mit unterschiedlichen Hautkrebserkrankungen aus ganz Deutschland systematisch erhoben, wissenschaftlich ausgewertet und aufbereitet.
Die Erstellung des neuen Erfahrungsbereichs wurde von der Krebsallianz gGmbH gefördert. Das Modul ist online verfügbar unter: https://www.krankheitserfahrungen.de/module/hautkrebs
Die Ergebnisse der Auswertung wurden am 28. April 2026 im Rahmen einer digitalen Veranstaltung unter dem Motto „Hautkrebs verstehen – Erfahrungen sichtbar machen“ vorgestellt. Im Mittelpunkt standen die Perspektiven von Betroffenen sowie die Bedeutung von Erfahrungswissen für Aufklärung, Versorgung und den Alltag mit der Erkrankung.
Eine Hautkrebsdiagnose bedeutet für viele Betroffene einen tiefgreifenden Einschnitt. Neben medizinischen Behandlungen wie Operationen und regelmäßigen Hautkontrollen berichten sie häufig auch von psychischen Belastungen, insbesondere Ängsten vor Rückfällen oder Metastasen, Veränderungen des Körperbildes sowie Unsicherheiten im Alltag und beim Sonnenschutz.
„Hautkrebs verändert nicht nur den Körper, sondern oft auch den Blick auf das eigene Leben. Über Erfahrungen sprechen zu können und gehört zu werden, war für mich ein wichtiger Teil im Umgang mit der Erkrankung“, sagte Solveig Schnaudt, die in einer Keynote über ihren persönlichen Erfahrungen sprach.
Die Erfahrungsberichte zeigen, wie Betroffene ihren Alltag mit der Erkrankung gestalten und welche Unterstützung ihnen dabei hilft. Sie bieten authentische Einblicke in unterschiedliche Bewältigungsstrategien und können anderen Erkrankten Orientierung geben. „Die Erfahrungen von Menschen mit Hautkrebs sichtbar zu machen, ist ein wichtiger Beitrag für eine patient*innenorientierte Versorgung – und für alle, die Betroffene begleiten", sagte Raina Maria Lau, Geschäftsführerin der Brandenburgischen Krebsgesellschaft e.V. Auch Dr. Anja Bargfrede, Geschäftsführerin der Landesarbeitsgemeinschaft Onkologische Versorgung Brandenburg e. V., betonte die Bedeutung des Projekts: „Erfahrungswissen ergänzt Expertenwissen um die Sicht des Alltags – und genau diese ist für eine gute Versorgung unverzichtbar.“
Im Mittelpunkt des Austauschs standen Themen wie Prävention und Sonnenschutz, der Umgang mit der Diagnose, sichtbare körperliche Veränderungen sowie psychosoziale Aspekte. Die persönlichen Krankheitsgeschichten zeigen, wie Erfahrungswissen Orientierung geben, Perspektiven erweitern und dazu beitragen kann, Versorgung und Aufklärung stärker an den Bedürfnissen von Betroffenen auszurichten. „Besonders wichtig ist beim Thema Hautkrebs die Prävention. Je früher beispielsweise Kindern „Sonnenschutz“ als etwas Selbstverständliches beigebracht wird, desto besser: „Meiden, kleiden, cremen“. Erfahrungsberichte können uns Erwachsene dafür sensibilisieren, uns selbst und unsere Lieben vor zu viel Sonne zu schützen und bewusster mit der UV-Strahlung umzugehen“, wirbt Anne-Kathrin Ringel, Koordinatorin Gesundheitsförderung des Gesundheitsamts im Landkreis Barnim.
Das Projekt gehört zum Datenbankprojekt Individueller Patient*innen-Erfahrungen Deutschland (DIPEx Germany), das am Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie der MHB angesiedelt ist und derzeit von der Krebsallianz gGmbH gefördert wird. Ziel ist es, ein niedrigschwelliges, wissenschaftlich fundiertes Informations- und Unterstützungsangebot für Betroffene, Angehörige sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen bereitzustellen.
13 Themenbereiche auf der Website
Das neue Hautkrebs-Modul ergänzt die bereits bestehenden Inhalte der Plattform, darunter Erfahrungsberichte zu Brustkrebs, Darmkrebs, Prostatakrebs sowie weiteren Erkrankungen wie AD(H)S im Kindes- und Jugendalter, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, chronischen Schmerzen, COVID-19, Long-/Post-COVID, Diabetes Typ 2, Epilepsie, Essstörungen und medizinischer Rehabilitation. Die Webseite bietet damit eine breite Sammlung alltagsnaher Erfahrungen, praktischer Orientierungshilfen und weiterführender Informationen zu verschiedenen Erkrankungen.
Betroffene, Angehörige und Fachpersonen profitieren
DIPEx Germany ist Teil des internationalen Netzwerks HEXI (Health Experience Insights: https://hexi.ox.ac.uk/). Ziel ist es, das Verständnis von Krankheit und Gesundheit zu verbessern, indem Patient*innenerfahrungen nach einheitlichen wissenschaftlichen Standards erhoben, analysiert und öffentlich zugänglich gemacht werden.
Von diesem Wissen profitieren Betroffene und Angehörige ebenso wie medizinisches Fachpersonal, politische Entscheidungsträger*innen und Forschende. Durch die internationale Zusammenarbeit entsteht eine einzigartige Datenbasis, die auch ländervergleichende Analysen ermöglicht.
Wissenschaftlicher Kontakt:
Dr. Lisa Korte (Projektkoordination DIPEx Germany)
Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie der Medizinischen Hochschule Brandenburg Theodor Fontane
Telefon: +49 3381 2181 279
E-Mail: lisa.korte@mhb-fontane.de