Immatrikulationsfeier
„Der Anfang ist das Entscheidende“: MHB begrüßt 163 neue Studierende
Neuruppin, 02. April 2026
In der festlichen Atmosphäre der Kulturkirche Neuruppin feierte die Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane (MHB) am 2. April die Immatrikulation ihrer neuen Studierenden und setzt damit ein weiteres Mal ein starkes Zeichen für die akademische Zukunft des Landes. Insgesamt 163 junge Menschen beginnen in diesem Sommersemester ihren Weg an der MHB, davon 84 im Fach Humanmedizin, 39 im Bachelorstudiengang Psychologie sowie 24 im Masterstudiengang Psychotherapie. Eine besondere Premiere feierten der interdisziplinäre Masterstudiengang Suchthilfe mit seiner ersten Kohorte von 11 Studierenden sowie der Masterstudiengang Versorgungsforschung, der erstmals im Sommersemester mit fünf Studierenden startet. Ergänzt wird diese Gemeinschaft am 11. April in Brandenburg an der Havel durch weitere 50 Erstsemester der Zahnmedizin.
„An der MHB erwarten Sie keine anonymen Hörsäle“
Präsident Prof. Hans-Uwe Simon betonte in seiner Begrüßungsrede die besondere Bedeutung dieses Tages, an dem die Studierenden den ersten Schritt in ihr „Traumstudium“ unternahmen – einen Weg, den sie sich oft gegen Widerstände und über Umwege mit Ausdauer erarbeitet haben. Er verdeutlichte das Gründungsziel der MHB, die ins Leben gerufen wurde, um dem Mangel an medizinischem und psychotherapeutischem Personal im Flächenland Brandenburg nachhaltig zu begegnen. Heute leisten die Absolvent*innen bereits einen sichtbaren Beitrag zur Versorgung der Bevölkerung. Die MHB zeichne sich dabei durch eine Abkehr von anonymen Hörsälen aus: „An der MHB erwarten Sie keine anonymen Hörsäle, sondern eine familiäre Universität mit Universitätskliniken in Bernau, Brandenburg an der Havel, Neuruppin und Rüdersdorf sowie über 35 weiteren Kooperationskliniken“, so der Präsident. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Verzahnung von Theorie und Praxis, etwa durch den neu etablierten Vorbereitungskurs, der Strategien für wissenschaftliches Arbeiten und erste klinische Einblicke vermittelt, um den Übergang in das anspruchsvolle Studium zu erleichtern.
Neben der fachlichen Ausbildung hob Simon die ethische Verantwortung hervor, die mit den Heilberufen einhergeht. In einer Zeit globaler Umbrüche steht die MHB unmissverständlich für Vielfalt, Solidarität, Freiheit und Demokratie. Den angehenden Fachkräften gab er mit auf den Weg, Menschen unabhängig von Herkunft oder Identität mit Respekt zu begegnen. Passend zum Geist der Region zitierte er Theodor Fontane: „Der Anfang ist immer das Entscheidende; hat man’s darin gut getroffen, so muss der Rest mit einer Art innerer Notwendigkeit gelingen.“ Er dankte zudem der Landtagspräsidentin Prof. Ulrike Liedtke für die politische Unterstützung sowie den Partner*innen aus den Kliniken, die diesen Weg erst möglich machen.
Studierende schreiben sich nicht nur an der MHB ein, sie übernehmen Verantwortung
Prof. Liedtke warb nicht nur für die Vorzüge des Ruppiner Landes, sondern sprach den Studierenden auch Mut für die kommenden Jahre zu: „Sie beginnen heute ein Studium, für das Sie viel lernen müssen, das Disziplin, Ausdauer und Konzentration verlangt. Aber Medizin und Psychologie fordern mehr: Sie fordern Urteilskraft, ein gutes Ohr, einen klaren Blick. Sie fordern den Willen, Menschen helfen zu wollen, oft in Momenten, in denen ihre Patienten verletzlich, verunsichert oder in großer Not sind.“ Die Immatrikulationsfeier sei mehr als ein Verwaltungsakt. Der Tag markiere einen Aufbruch: „Sie schreiben sich nicht nur an einer Hochschule ein. Sie übernehmen Verantwortung. Dass Sie diesen Weg an der Medizinischen Hochschule Brandenburg beginnen, freut mich sehr! Denn diese Hochschule ist hier in Neuruppin entstanden, und sie arbeitet für Neuruppin und Brandenburg und weit darüber hinaus – aus dem Land für das Land.“ Die Landtagspräsidentin hob zudem die Erfolge der MHB hervor und sprach sich dafür aus, dass die Hochschule und die Forschung auch in Zukunft verlässlich vom Land Brandenburg gefördert werden.
Einen Einblick in die Art des Lernens gab Prof. Thomas Stamm, Prodekan für Studium und Lehre an der MHB, in seinem Grußwort. An zwei Beispielen schilderte er, wie wichtig das Format POL – Problemorientiertes Lernen – ist, auch später in der Diagnostik. „Das Fragenstellen, das lernen Sie bei uns. Fragen, die wichtig sind, immer neue und immer bessere Fragen“, betonte Prof. Stamm. Während der praktischen Teile ihres Studiums würden die Studierenden die Welt manchmal „alles andere als anmutig“ finden. Neben den Krankheiten und Sorgen der Patient*innen seien da auch Versorgungslücken und Fehler im System. „Wissenschaft und Bildung können gelingen, wenn wir zulassen, dass alle Beteiligten in der Suche nach der besten Lösung auch scheitern dürfen. Unser Ideal ist der spielende Mensch, der sich verantwortlich denkend und anmutig handelnd mit der Welt verbindet“, heißt es im Leitbild der MHB. Prof. Stamm ermutigte die Erstsemester, sich diesen Satz zu Herzen zu nehmen.
Einen tiefen Einblick in diese Verzahnung von Theorie und Klinik an der MHB gab Daniel Krüger, Student im letzten Mastersemester der Klinischen Psychologie. Er berichtete von rund 1.500 Praxisstunden und seiner Arbeit in der Suchttherapie, was im privaten Umfeld schon mal zu amüsanten Missverständnissen führen kann, wenn man erzählt, man sei „seit Oktober im Entzug“ gewesen – allerdings als Behandler. Krüger thematisierte offen die Frage „Kann ich das eigentlich?“, die ihn vom ersten Tag bis heute begleitet hat. Er interpretierte die anfängliche Ungewissheit jedoch als wertvolle Triebfeder: „Ungewissheit ist zwar nicht gerade angenehm oder produktiv, sie kann uns aber antreiben, denn Ungewissheit ist keine Unsicherheit.“ Die MHB und ihre Lehrenden beschrieb er dabei als eine „riesige Werkzeugkiste“, aus der sich die Studierenden genau die richtigen Instrumente nehmen könnten. Sein humorvolles Fazit an die Erstsemester lautete: „Es ist nicht so deep, einmal tief durchatmen und ab geht’s!“
Einen Koffer voller Fragen im Umzugsgepäck
Die studentische Perspektive wurde auch durch Madeleine Hoffmann vertreten, die aus Sicht einer Studierenden im zehnten Semester sprach. Sie erinnerte sich lebhaft an ihren eigenen Start, den sie mit einem „Koffer voller Fragen im Umzugsgepäck“ antrat, und reflektierte über die Herausforderungen ihres Studiums, das mitten in der Corona-Pandemie begann. Sie ermutigte die Neuankömmlinge, in der Gemeinschaft der sogenannten „#mhbfamily“ Halt zu suchen: „Sich neu einzuleben kostet Überwindung – aber es steckt immer auch die Chance darin, Menschen zu begegnen, die einen auf diesem Weg begleiten.“ Ihr Rat an die Erstsemester war geprägt von Gelassenheit und Selbstvertrauen; sie sollten ihren eigenen Rhythmus finden und die zahlreichen Möglichkeiten zum Engagement in Projekten wie „First Aid“ oder „Ein Herz für Erstis“ nutzen, da diese Erfahrungen das Studium auf menschlicher Ebene bereichern.
Der feierliche Rahmen der Veranstaltung wurde durch die schwungvollen Klänge des Berlin-Jazz-Ensembles unter der Leitung von Prof. Johannes Albes abgerundet, was der Präsident als Symbol für die kreative und widerstandsfähige Gemeinschaft der Hochschule bezeichnete. Die Journalistin Carla Kniestedt moderierte die Feier mit ihrer gewohnt empathischen Art, während Nadine Shalala den traditionellen „MHB-Wein“ des Fördervereins vorstellte. Zum Abschluss des Tages waren alle mehr als 300 Gäste eingeladen, den gemeinsamen Anfang bei einem Empfang mit Donuts und Brezeln zu feiern und die ersten Kontakte innerhalb der wachsenden universitären Gemeinschaft zu knüpfen.