Aufklärung
Angst – Emotion oder Störung? Was Angst ist und was man gegen sie tun kann
Brandenburg an der Havel, 05. Dezember 2025
Angst ist eine der grundlegendsten menschlichen Emotionen und sogar ein Urinstinkt. Doch wann wird Angst zur psychischen Belastung? Mit dieser zentralen Frage beschäftigten sich Simon Alexander Stiehl (10. Fachsemester, Humanmedizin) und Anna-Maria Rudolf (4. Fachsemester, Klinische Psychologie) von der Medizinischen Hochschule Brandenburg Theodor Fontane (MHB) in ihrem interdisziplinären Fachvortrag bei der Caritas Brandenburg an der Havel. Unter dem Titel „Angst – Emotion oder Störung? Was Angst ist und was man gegen sie tun kann“ beleuchteten die beiden Referenten das Thema aus medizinischer und psychologischer Perspektive und boten den Zuhörenden wertvolle Einblicke sowie praxisnahe Lösungsansätze.
Ein Thema, das viele Menschen betrifft
Angststörungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen weltweit – allein in Deutschland sind etwa 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens davon betroffen. Doch was genau unterscheidet die alltägliche Angst, die uns vor Gefahren schützt, von einer krankhaften Angststörung? Diese und weitere Fragen standen im Mittelpunkt des Vortrags, der bei der unabhängigen Beratungsstelle der Caritas Brandenburg an der Havel stattfand. Die Projektidee wurde in Kooperation mit der Patientenuniversität Brandenburg geplant und umgesetzt.
„Unser Ziel war es, nicht nur wissenschaftliche Fakten und Theoriekonzepte in einer einfach-verständlichen Form zu vermitteln, sondern vielmehr konkrete Hilfestellungen für den Umgang mit Angst zu geben“, erklärt Simon Alexander Stiehl. Gemeinsam mit Anna-Maria Rudolf präsentierte er ein breites Spektrum an Themen: von Definitionen zu Angst und Angsterkrankungen, der klinischen Symptomatik und Erscheinungsformen von Angst, über die biologischen Mechanismen ihrer Entstehung und psychischen sowie somatischen Komorbiditäten bis hin zu medikamentösen und komplementären, nicht-medikamentösen Behandlungsansätzen. Hierbei rückte der Aspekt der Psychoedukation in den Mittelpunkt der Diskussion auf Augenhöhe.
Wissenschaft trifft Praxis
Durch die Verknüpfung medizinischer und psychologischer Perspektiven boten die Referenten eine bi-perspektivische Auseinandersetzung mit dem Thema Angst und Angsterkrankungen. Simon Stiehl erläuterte zunächst die medizinischen Grundlagen, darunter die Pathophysiologie sowie pharmakologische Behandlungsmöglichkeiten. Ergänzend stellte Anna-Maria Rudolf psychologische Sichtweisen vor, darunter lerntheoretische Erklärungsansätze, entwicklungsbedingte Ursachen in der Kindheit, psychotherapeutische Interventionsformen sowie angeleitete Atem- sowie Entspannungsübungen zum Abbau von Angst und Stresssymptomen. „Die Kombination aus Theorie und praktischen Übungen hat uns sehr geholfen“, berichtet eine Teilnehmerin aus einer Selbsthilfegruppe. „Ich habe das Gefühl, jetzt besser zu verstehen, was in mir passiert – und was ich dagegen tun kann.“
Ein wichtiger Beitrag zur Aufklärung
Die Caritas Brandenburg an der Havel bedankte sich für den Vortrag und hob hervor, dass die Veranstaltung wertvolle Impulse für die Arbeit mit Menschen mit Angsterkrankungen geliefert habe. Die Mischung aus fundierten Erkenntnissen und praxisnahen Empfehlungen sei ein großer Gewinn, so die Mitarbeitenden aus der unabhängigen Beratungsstelle.
Für die MHB ist dies ein weiterer Beweis dafür, wie wichtig es ist, Wissenschaft in verstehbarer Form in die Gesellschaft zu tragen. „Wir möchten nicht nur theoretisches Wissen an der Universität für unseren Beruf erwerben, sondern schon heute dieses Wissen Menschen in verständlicher Art und Weise zugänglich machen, die davon profitieren können“, betont Anna-Maria Rudolf. Der Vortrag bei der Caritas sei ein Schritt in diese Richtung gewesen – und sicherlich nicht der Letzte.
Als weiteren Ausblick möchte die unabhängige Beratungsstelle der Caritas Brandenburg/Havel die gemeinsame Arbeit mit Studierenden aus Medizin und Psychologie insbesondere für künftige Selbsthilfegruppen-Beiträge im Bereich „Seelische Gesundheit“ intensivieren. „Wir können unsere Mitstudierenden aus beiden Gesundheitsfachbereichen nur dazu motivieren, sich aktiv für die Selbsthilfe und Förderung von seelischer Gesundheit und psychischem Wohlbefinden im Rahmen von Vorträgen und Selbsthilfe-Beiträgen zu engagieren“, so Simon Stiehl und Anna-Maria Rudolf zusammen.
Letztlich haben Anna-Maria Rudolf und Simon Stiehl mit ihrem Engagement auch gezeigt, wie viel Potenzial in einer interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Medizin und Psychologie bereits in der Studienzeit steckt. Ihr Vortrag machte deutlich: Angst ist zwar ein komplexes Phänomen mit vielen Facetten – doch mit dem richtigen Wissen und den passenden Strategien lässt sie sich gut bewältigen.