CoronaCare

CoronaCare - Auswirkungen der politischen und sozialen Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19 Pandemie auf die „soziale Gesundheit“

Hintergrund

Die Studie CoronaCare untersucht die Auswirkungen der politischen und gesellschaftlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19 Pandemie auf die „soziale Gesundheit“ in Deutschland. „Soziale Gesundheit“ verstehen wir als eine zentrale Komponente von Gesundheit, die durch alltägliche soziale Kontakte in Gemeinschaften, sozialen Netzwerken und Familien als Ressource aufrechterhalten und nutzbar gemacht wird. Soziale Gesundheit rückt die Bedeutung unserer gelebten sozialen Erfahrungen in den Vordergrund, z.B. in der Familie, in der Sportgruppe oder im Beruf. Sie macht die Bedeutung von Gemeinschaft und Zusammensein auf unsere körperliche Gesundheit und unser psychisches Wohlbefinden deutlich.

Die gesundheitspolitischen Maßnahmen in der derzeitigen Pandemiesituation halten jedoch dazu an, physische Distanz zu wahren, um durch das Einhalten von Abstand und das Tragen von Masken die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 zu verlangsamen. Die Menschen nehmen sich als Risiko für andere wahr und erfahren gleichzeitig ihr soziales Umfeld als Risiko für ihre eigene Gesundheit. Eine solche Risikowahrnehmung, die oft mit Unsicherheit und Sorge einhergeht, verändert soziale Beziehungen grundlegend. Diese historisch einmaligen Regelungen haben die Art und Weise, wie wir unseren Alltag leben und wie wir das gesellschaftliche Leben erfahren, radikal verändert: von der Art und Weise, wie wir einander grüßen, wie wir einkaufen, wie wir Kontakte knüpfen, wie wir arbeiten, wie wir reisen, wie wir uns selbst und andere erleben.  Mit anderen Worten, die Grundstruktur unseres alltäglichen Lebens hat sich maßgeblich verändert. Die bisher selbstverständliche Ordnung unseres Zusammenlebens muss neu hergestellt werden.

Zielstellung

In diesen außergewöhnlichen Zeiten, in denen das Leben durch soziale Distanz geprägt ist, entwickeln und erproben wir ständig neue Strategien, um unsere soziale Gesundheit zu erhalten und das Leben innerhalb einer Pandemie lebenswert zu machen. Ziel der Studie ist es, zu verstehen, wie sich die Menschen an diese neue, rekonfigurierte soziale Welt anpassen, in der sich die eigentliche Grundlage des sozialen Lebens in einem ständigen Ausnahmezustand befindet. Insbesondere sind wir daran interessiert, die Strategien zu verstehen, die Menschen innerhalb der Pandemie entwickeln und einsetzen, um ihre soziale Gesundheit zu erhalten und physisch und emotional mit der ständigen Präsenz von Infektionen, der erzwungenen sozialen und physischen Distanzierung und der Unsicherheit und Angst, die sie hervorrufen, umzugehen.

Ein besonderes Augenmerk legen wir dabei auf Menschen, die sich privat oder professionell um Familienangehörige (inklusive Kinder), Freund*innen oder andere hilfs- und pflegebedürftige Menschen kümmern oder selbst im Alltag versorgt bzw. gepflegt werden. Da für diese Gruppen soziale Isolation und physische Distanzierung meist nicht möglich sind, sind sie einem besonderen Risiko ausgesetzt, sich mit dem Coronavirus zu infizieren und es weiter zu verbreiten. Gleichzeitig ist ihre (Sorge-)Arbeit in Zeiten gesellschaftlicher Krisen eine unerlässliche Bedingung für das individuelle Wohlergehen und den sozialen Zusammenhalt. Unter Sorge-Arbeit verstehen wir dabei das Geben und Erhalten von Fürsorge in informellen Settings, wie zum Beispiel der Familie sowie die Versorgung von Patent*innen in institutionellen Settings, wie Krankenhäuser oder Pflegeheime. Wir wollen verstehen, wie Menschen in einer solchen Sorgebeziehung mit der Krise umgehen, um Strategien und Empfehlungen für Gemeinschaften und Individuen zur Erhaltung der sozialen Gesundheit abzuleiten und der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.

CoronaCare widmet sich daher aus sozialmedizinischer und lebensweltlicher Perspektive folgenden wissenschaftlichen Arbeitszielen:

  • Die gesellschaftlichen und persönlichen Spannungen zu verstehen, die durch die politischen Maßnahmen zur Minimierung menschlich-physischer Kontakte entstehen;
  • die Strategien zu analysieren, die Gemeinschaften und Individuen entwickeln und anwenden, um soziale Gesundheit zu erhalten;
  • zu untersuchen, wie Pflegende mit den Spannungen des Gefahr-Seins und Gefährdet-Seins in ihren Pflegebeziehungen umgehen;
  • die Erfahrungen von Gepflegten/Pflegebedürftigen sowohl im häuslichen als auch im institutionellen Rahmen in Zeiten der Krise zu dokumentieren.

Fragestellung

Aus den dargelegten Rahmenbedingungen der Covid-19-Pandemie sowie der wissenschaftlichen Arbeitsziele ergibt sich folgende forschungsleitende Fragestellung:

Wie beeinflussen die politischen und sozialen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie die soziale Gesundheit? Und in welcher Weise gehen Menschen mit den Risiken bezüglich ihrer sozialen Gesundheit um?

Wir suchen Studienteilnehmer*innen!

Das Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie an der Medizinischen Hochschule Brandenburg Theodor Fontane sucht in Zusammenarbeit mit dem Institut für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg Studienteilnehmer*innen. Menschen in verschiedenen Lebenssituationen sind aufgefordert mitzumachen, um ein möglichst vielfältiges Bild über den Umgang mit der Covid-19-Pandemie im Alltag zu gewinnen. Teilnehmen können grundsätzlich alle, die ihren regelmäßigen Wohnsitz in Deutschland haben und über 18 Jahre alt sind.

Wie läuft die Studienteilnahme ab?

CoronaCare ist eine ethnographische Studie, das heißt, wir interessieren uns dafür, wie Sie Ihren Alltag während der Pandemie leben und erleben. Wenn Sie sich für eine Studienteilnahme entschieden haben, wird ein*e Studienmitarbeiter*in mit Ihnen Gespräche per Telefon führen. In der Regel dauern die Gespräche zwischen 30 Minuten und 1 Stunde. Zusätzlich können Sie Eindrücke aus Ihrem Alltag in Form von Tagebucheinträgen, Fotos oder Videos für uns dokumentieren. Sie entscheiden selbst, welche Daten Sie für uns sammeln, wie lange die Gespräche dauern und was Sie uns erzählen möchten. Mögliche Inhalte könnten sein, wie Sie den Kontakt zu Familie und Freund*innen während der Einschränkungen aufrechterhalten haben, wie Sie mit den veränderten Umständen der Pandemie im privaten und beruflichen Umfeld umgehen und welche Herausforderungen und Chancen Sie für sich persönlich in der momentanen Situation sehen. Die Telefoninterviews werden mit einem digitalen Aufnahmegerät aufgezeichnet, verschriftlicht und vom Studienteam in verschlüsselter Form analysiert. Die von Ihnen dokumentierten Alltagserfahrungen laden Sie auf einem für Sie persönlich generierten digitalen Zugang zu einem sicheren Cloud-Speicher hoch oder schicken sie uns per Post zu.

Wir danken Ihnen für Ihr Interesse an der Studie. Gern können Sie sich mit Fragen an uns wenden!

Kontakt

Forschungsassistenz
Luisa Wagenschwanz
Telefon: 03381/ 41-1294
 
Anschrift:
Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie,
Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane
Hochstraße 15, 14770 Brandenburg

Projektleitung und Koordination

Projektleitung:
Prof. Dr. Christine Holmberg
 
Projektkoordination:
Dr. Sibille Merz

Förderung

CoronaCare wird im Rahmen der Förderinitiative "Erforschung von Covid-19 im Zuge des Ausbruchs von SarS-CoV-2" gefördert (Förderkennzeichen 01KI20117).