CORONA-BLOG

Liegt Hoffnung in den Kurven? (Teil 3)

19.04.2021

Wie steht es inzwischen mit der Hoffnung, die sich aus den rückläufigen Todeszahlen genährt hat? Ist sie dahin? Hat sie sich bestätigt? Weder noch, natürlich, denn Hoffnung bezieht sich auf die Zukunft, die Statistik dagegen auf die Vergangenheit. Mit dem Blick von Tag zu Tag ist die über sieben Tage gemittelte Zahl der Todesfälle seit dem 7. April deutlich angestiegen, aktuell ist sie seit dem 16. April jedoch wieder rückläufig. Umgekehrt zeigten die Infektionszahlen vom 3. bis zum 8. April einen deutlichen Rückgang, haben seither jedoch wieder soweit aufgeholt, dass man allenfalls von einem gebremsten Anstieg sprechen könnte – was damit keineswegs bewiesen ist, aber schon ein deutlicher Fortschritt wäre.

Ähnlich wie zu Weihnachten in der zweiten Welle zeigt sich also über Ostern ein vorübergehender Rückgang der Infektionsnachweise mit nachfolgendem erneutem Anstieg. Anders als zu Weihnachten zeigt der Trend insgesamt jedoch noch aufwärts, der erste Gipfel nach dem Test-Tief an den Feiertagen liegt dieses Mal über, nicht unter dem vorhergehenden Niveau. Ohne Zweifel ist die dritte Welle weiterhin im Anwachsen und keineswegs im Ausrollen.

Die Todesfälle liegen dagegen weiterhin weit unter denen, die bei ähnlicher Infektionszahl in der zweiten Welle gezählt wurden. Berechnet man den Zeitverlauf zwischen Infektion und Tod ein, liegt auch der bisherige Gipfel der Todeszahlen in der dritten Welle etwa bei der Zahl der Verstorbenen, die sich zum Tiefpunkt des Infektionsverlaufs Mitte Februar infiziert haben. Und gemessen an der Anzahl derjenigen, die sich im entsprechenden Zeitraum infiziert haben, ist die Anzahl der Todesfälle sogar konstant rückläufig: Die Letalität, die „Tödlichkeit“ der Erkrankung nimmt tendenziell ab.

Zusammengefasst heißt das: Mit dem Anwachsen der dritten Welle werden selbstverständlich wieder mehr Menschen sterben, und weiterhin ist alles nötig, um diese dritte Welle zu brechen. Aber: Im Ergebnis erweist sich insbesondere die gegenwärtig vorherrschende Variante B.1.1.7 nicht als tödlicher als die ursprüngliche, zudem scheint der Erfolg selbst der schleppend angelaufenen Impfkampagne tatsächlich zu sein, dass bezogen auf die Infektionszahl weniger Menschen an CoVID-19 sterben.

Prof. Markus Deckert

Liegt Hoffnung in den Kurven? (Teil 2)

06.04.2021

Vor etwa zwei Wochen hatte ich hier die gewagte Beobachtung geteilt, dass die Zahl der Todesfälle pro Tag ungeachtet der laufenden dritten Infektionswelle sinkt, und ich hatte versprochen, diese Entwicklung im Auge zu behalten. Inzwischen ist die typische Zeitverzögerung der Todesfallkurve gegenüber der Neuinfektionskurve um ein Mehrfaches überschritten, und der Trend hält – zunehmend langsamer – weiterhin an. Hierin sehe ich tatsächlich ein Zeichen der Hoffnung, dass die dritte Welle weniger tödlich verlaufen könnte als die zweite Welle.

Die dritte Welle wird vor allem von der infektiöseren Virusvariante B 1.1.7 getragen. Wie sich inzwischen gezeigt hat, ist diese Variante auch im Krankheitsverlauf aggressiver. Wenn die Todesfälle dennoch zurückgehen, ist deshalb nicht zu erwarten, dass dies eine natürliche Entwicklung ist, sondern der Erfolg der Eindämmungsmaßnahmen. Entgegen dem allgemeinen Empfinden im dauernden Lockdown-Hin-und-Her sind die Bemühungen also gar nicht so erfolglos, wie es häufig dargestellt wird. Ich persönlich vermute weiterhin, dass trotz aller Schwierigkeiten die Impfkampagne unter der empfindlichsten Altersgruppe der Über-80-Jährigen den größten Anteil daran hat.

Eines kann diese Kurve gegenwärtig allerdings nicht sagen: Die Infektionszahlen scheinen in den vergangenen Tagen ebenfalls zurückzugehen – das aber dürfte lediglich ein Effekt des langen Osterwochenendes sein, an dem die Meldungen sehr lückenhaft gewesen sein dürften. Gegen Ende der Woche werden die Meldungen vollständig sein, und das in der Kurve gezeigte 7-Tage-Mittel wird wieder korrekt sein – dann wissen wir auch dazu mehr.

Dennoch und bei allem, was es zu Recht zu kritisieren gibt: Die Entwicklung der Zahlen rechtfertigt m.E. wirklich die Hoffnung, dass ein Ende absehbar wird.

Mit österlichen Grüßen

Prof. Markus Deckert

Was hat Gesundheit mit dem Klima zu tun?

23.03.2021

In der zweiten "Sprechstunde" am vergangenen Freitag haben Philipp Jaehn, Hannah Leichsenring, Fanny Pfahler und ich über Gesundheit gesprochen. Wer es auch ohne große Demos in der Stadt mitbekommen hat: es war Weltklima- oder auch Klimastreiktag. Dass unsere Gesundheit etwas mit dem Klima zu tun hat, sollte nicht weiter verwundern: Die Spezies Mensch als das biologische Kompromiss-Säugetier schlechthin ist existentiell davon abhängig, dass die Wetterbedingungen nicht allzu extrem sind. An den heißesten und kältesten, den höchsten und tiefsten, den trockensten und feuchtesten Orten der Welt gibt es spezialisierte Arten, die genau dort am besten leben. Menschen halten es meist nur kurze Zeit, wenn überhaupt, dort aus. Irgendwo auf dem Weg von dem Optimum, in dem sich menschliches Leben in den letzten 11.000 Jahren abgespielt hat, und diesen Extremen wird es offensichtlich ungemütlich, irgendwo zwischen gutem Leben und fehlender Lebensmöglichkeit wird es offensichtlich ungesund. Obwohl das alles seit über vierzig Jahren bekannt ist, kommen die konkreten Auswirkungen aber doch für Viele überraschend, für manche so sehr, dass sie den Zusammenhang überhaupt nicht erkennen.

Planetare Gesundheit

Ob es die höhere Temperatur an sich mit längeren Hitzeperioden im Sommer ist, die resultierende Dürre mit verringertem Wasser- und Nahrungsangebot, die Verschiebung ökologischer Gleichgewichte, die Ausbreitung krankheitsübertragender Insekten, der Anstieg der Salzwasserspiegel oder die Häufung extremer Wetterereignisse - all das schädigt Menschen offensichtlich in ihrer Gesundheit. Der Begriff "planetare Gesundheit" (planetary health) beschreibt diesen Zusammenhang: In einem globalen ökologischen Ungleichgewicht wird der Mensch nicht dauerhaft im Gleichgewicht leben können.

Aber heißt diese Seite nicht "Corona-Blog", und haben wir im Moment nicht ganz andere Sorgen? Gegenfrage: Ist CoVID-19 vielleicht kein Gesundheitsthema? Was hat CoVID-19 dann aber bitte mit dem Klima zu tun?

Eine ganze Menge, mit dem sich Seiten füllen ließen. Zwei Gedanken beschäftigen mich dabei immer wieder:

1. CoVID-19, genauer, das Überspringen des SARS-CoV-2-Virus auf den Menschen, ist eine Folge derselben Ursachen und des Klimawandels selbst. Ein Vordringen menschlicher Siedlungs- und Wirtschaftsräume in immer weitere Naturgebiete und Wildnisse führt genauso wie die klimabedingte Verdrängung von Wildtieren aus ihren angestammten Habitaten und der Handel mit Wildtieren als Ware zu engerem Kontakt von Wildtier und Mensch. Damit erhöht sich statistisch die Wahrscheinlichkeit neuer Zoonosen erheblich, und genau das beobachten wir: SARS, MERS, SARS-CoV-2, Schweinepest, und dazwischen hier und da ein Ausbruch tödlichen hämorrhagischen Fiebers wie Ebola.

2. CoVID-19 weist aber auch einen der Wege aus der Klimakrise. In den vergangenen Jahren wurde viel diskutiert und beschlossen, aber wenig getan. Die Begründung ist häufig, dass die Politik ja gerne würde, aber gegen "die Wirtschaft" nicht könne. Die weltweiten Reaktionen von Regierungen auf CoVID-19 haben gezeigt: doch, sie können. Schnell, radikal und einschneidend, wenn die Not nur groß genug ist.

Nutzung von Allgemeingütern

Die Not der Klimakrise ist aber nicht nur groß genug, sie ist größer, langfristiger und fordert mehr Menschenleben als CoVID-19. Dabei würden uns wirksame Maßnahmen zum Klimaschutz deutlich weniger beeinträchtigen als ein Lockdown, im Gegenteil, in der Summe würde sich unsere Lebensqualität verbessern: Intakte Ökosysteme vor der Haustür sind auch prima Naherholungsgebiete, weniger Mobilität mit Verbrennungsmotoren sorgen für ein lebenswerteres Wohnumfeld, vielfältigere Landwirtschaft bringt besseres Essen auf den Teller. Und der wirtschaftliche Wohlstand? Das Tolle am Menschen ist dann ja doch, dass er sich so wunderbar und intelligent anpassen kann. Das gilt auch für sein Wirtschaften. Auch für die Industrie war bisher noch jede staatlich geforderte Verbesserung Anlass für eine Innovationsschub. In den 1980er-Jahren erklärte die Autoindustrie Katalysatoren für ein wirtschaftliches Ding der Unmöglichkeit. Als Kalifornien sie zur Pflicht machte, waren alle Hersteller sofort dabei. Kohle galt noch vor kurzem als unverzichtbar, Wind- und Solarkraft als grüne Spinnerei. Heute zählen sie zu den billigsten Energieträgern und haben 2020 über die Hälfte des Stroms in Deutschland erzeugt.

Warum wird dann überhaupt noch über bestimmte Dinge diskutiert? Was braucht es, um z.B. Industrie und Verkehr CO2-neutral zu gestalten? Wo gibt es überhaupt eine Gegenwehr gegen einen gesellschaftlichen Wandel, der ein Überleben der Menschheit und ein besseres Leben für alle verspricht? Ich denke, das lässt sich summarisch sehr klar sagen: Diesen Widerstand gibt es da, wo jemand Ressourcen, die es kostenlos gibt, verwendet, um einen persönlichen Nutzen zu erreichen. Nichts anderes ist es nämlich, wenn CO2 in die Atmosphäre geblasen wird, die der ganzen Erde und allen Lebewesen, mindestens also auch allen Menschen zu gleichem Anteil, gehört. Die Lösung dafür ist gedanklich einfach, aber ehrgeizig umzusetzen: Die Nutzung von Allgemeingütern muss einen Preis bekommen.

Weniger kann mehr sein

Echte, kontrollierte CO2-Zertifikate mit einem Einstandspreis, der die realen Kosten wiedergibt, sind ein wichtiger Schritt dahin. Sie würden den nötigen Innovationsschub unmittelbar vorantreiben - oder nicht Reformierbares wie die Plastiktüte aus Kostengründen schlagartig verschwinden lassen. Zugleich würden sie die einzelnen Bürger nicht übermäßig belasten. Bei Atmosfair kostet die Kompensation von 30.000 km bei einem Verbrauch von 5,5 l Diesel je 100 km ca. 100 Euro (23 € / t CO2). Selbst wenn man einen realistischeren Preis von 140 € / t CO2 ansetzt, lägen die Mehrkosten bei ca. 600 €. Wer sich ein Auto leisten kann, wird durch diese Zusatzkosten nicht benachteiligt, aber sie wären ein Anreiz, die Brötchen mit dem Fahrrad statt dem Auto zu holen und täglich mit der Bahn zur Arbeit zu fahren.

Das alles zeigt: es geht. Die Klimakrise lässt sich bewältigen. Wir werden Veränderungen haben, aber wir müssen keine Katastrophe bekommen. Und wo wir gerade in der Fastenzeit sind: Ja, das wird auch Verzicht erfordern in dem Sinne, dass wir von Vielem weniger konsumieren werden. Aber dieser Verzicht wird sich in den Genuss einer besseren Lebensqualität übersetzen. Wer unter starkem Übergewicht leidet, wird den Gewinn schätzen, der ihm oder ihr ein normaleres Gewicht bringt. Weniger kann mehr sein, nicht nur im Design.

Prof. Markus Deckert

Und was ist nun von AstraZeneca zu halten?

19.03.2021

Gemeint ist der CoVID-Impfstoff ChAdOx 1 Cov19, nicht dessen pharmazeutischer Hersteller. Der Konzern hat sich europaweit einen schlechten Namen gemacht, weil er nicht nur einmal die zugesagte Liefermenge kürzt. Aber hier geht es darum, ob der Impfstoff nützt und nicht darum, ob uns ein Pharmakonzern sympathisch ist.

Doch dann heißt es, der Impfstoff habe gegenüber den beiden anderen bis dahin zugelassenen "nur" eine Wirksamkeit von 60 %. Außerdem macht er viel stärkere Nebenwirkungen. Und zu vorläufig schlechter Letzt wird seine Verabreichung ganz ausgesetzt, weil es zu Hirnvenenthrombosen gekommen ist. In dem Impfstoff muss der Wurm drin sein.

Die Wirksamkeitsdiskussion haben wir bereits abgehandelt: Wir brauchen keinen Impfstoff gegen Husten, sondern gegen schwere und tödliche Verläufe einer Erkrankung. Und da ist der Impfstoff von AstraZeneca den anderen bisher zugelassenen vollständig ebenbürtig. Was die Impfreaktionen angeht, sind sie ein Zeichen für eine wirksame Stimulation des Immunsystems. Man sollte aber wie in der Zulassungsstudie empfohlen vor der Verabreichung ein Gramm Paracetamol zu sich nehmen und acht Stunden danach noch einmal. Doch jetzt: seltene Thrombosen.

Das Problem ist, dass es sich um ein so neues wie dringend benötigtes Medikament handelt. Wäre alles weniger dringend, dann würde sich die Frage nicht stellen: es tritt ein "Signal" für eine unerwartete und ernste unerwünschte Wirkung auf, also: Stopp, sorgfältige Untersuchung und dann Entscheidung über das Fortbestehen der Zulassung. Hier aber kostet jeder Tag, den das Impfprogramm aussetzt, Menschenleben. Und gleichzeitig wäre auch das keine Rechtfertigung für ein Medikament, das nicht ausreichend sicher ist. Mehr noch: wenn das Vertrauen in einen Impfstoff verloren geht, droht die Impfkampagne ebenfalls zu scheitern.

Ob der zwischenzeitliche Impfstop richtig war, darüber kann man gerne weiter streiten - ich hätte ihn nach den bis dahin zugänglichen Informationen wohl eher nicht verhängt. Aber nachdem die Politik viele Fehler gemacht hat, gilt hier ohnehin: wie man's macht, macht man's verkehrt.

Was bleibt nun aber an Konsequenzen, nachdem die Europäische Arzneimittelbehörde EMA den Fall untersucht hat? Kurz gesagt: in einer kleinen Gruppe von überwiegend weiblichen Personen zwischen 20 und 55 Jahren ist es zu Hirnvenenthrombosen gekommen, die eine Form des Schlaganfalls verursachen und in wenigen Fällen tödlich endeten. Dies ist mit einem Mangel an Blutplättchen verbunden, was eine seltene Komplikation ist, aber durchaus an eine immunologische Ursache denken lässt, von der sich eine ursächliche Verbindung zum Impfstoff nicht ausschließen lässt. Das Risiko liegt im Bereich von 1 zu 1 Million. Selbst wenn diese Ereignisse durch den Impfstoff verursacht sein sollten, bleibt der Nutzen größer als das Risiko.

Heißt das, dass dieses Risiko nun einfach hingenommen werden muss? Nein. Durch die Analyse der bekannt gewordenen Fälle lernen wir, welche Risikofaktoren es möglicherweise gibt. Und auf jeden Fall kennen wir jetzt die Zeichen, auf die Geimpfte und ihre Ärzt:innen achten müssen, um das Problem früh zu erkennen und erfolgreich zu behandeln. Dass derartige Fragen auftreten, die künftig erhöhte Aufmerksamkeit erfordern, kann mit jedem anderen Impfstoff auch noch passieren.

Geimpfte sollten zunächst wissen, dass Fieber mit Schüttelfrost und Begleitsymptomen wie Kopfschmerzen in den ersten drei Tagen nach der Impfung normal sind. Wenn aber nach dem vierten Tag ab der Impfung eines oder mehrere der folgenden Symptome auftreten, sollte dringend ärztliche Hilfe aufgesucht werden:

  • starke und anhaltende Kopfschmerzen oder verschwommenes Sehen
  • Kurzatmigkeit
  • Brust- oder Bauchschmerzen
  • Schwellung oder Kältegefühl in Arm oder Bein
  • anhaltende Blutungen
  • mehrere blaue Flecken ohne angemessene Ursache, kleine rote oder violette Flecken, oder Blutblasen unter der Haut.

Prof. Markus Deckert

Liegt Hoffnung in den Kurven? (Teil 1)

18.03.2021

Es gibt keinen Zweifel, wir befinden uns in der dritten Welle der CoVID-Pandemie, noch bevor die zweite abgeklungen ist. Und, auch daran kein Zweifel, insbesondere die erstmals in Großbritannien aufgetretene Variante B1.1.7 ist deutlich infektiöser als die bisherige und treibt die Infektionszahlen schneller als je bisher nach oben. Damit zum Pech auch noch Unglück kommt, mehren sich die Zeichen, dass auch die Krankheitsverläufe durch diese Variante aggressiver sind als bisher.

Dazu kommt die Impfkampagne, die bisher "irgendwie nicht so gut gelaufen" ist, und fertig ist eine Situation, in der nicht nur die Reisefreiheit zu Ostern, sondern auch der ersehnte Sommerurlaub Wunschtraum zu bleiben drohen. Werden wir bald endgültig im Dauer-Lockdown versinken? (Und was an gesellschaftlichem Leben, und sei es nur der Biergarten am Park oder das nette Restaurant um die Ecke, werden wir hinterher noch vorfinden? Viele von uns haben erlebt, wie in kürzester Zeit ein Staat verschwunden ist, der sich für die Ewigkeit gemacht fühlte. Jetzt erleben wir wieder, wie eine sicher und stabil erscheinende Gesellschaft sich in kurzer Zeit womöglich für immer wandelt.)

Doch bis die Impfkampagne wieder richtig anläuft, kann eine Überlegung Hoffnung spenden: Wir sehen die Kurve der gemeldeten Infektionen steil ansteigen. Was bisher nicht ansteigt, ist die Kurve der Todesfälle. Die Grafik zeigt beide Kurven mit unterschiedlichen Maßstäben so übereinandergelegt, dass ihr grafischer Mittelwert gleich ist (die Zahl der Todesfälle wird sozusagen 30-fach vergrößert dargestellt). Das ist hilfreich, um die Richtungsänderungen der Kurven vergleichen zu können.

Auswirkung der Impfungen?

Und da ist zuerst zu sehen, dass die Kurve der Todesfälle der Infektionskurve stets mit zwei bis drei Wochen Abstand folgt: steigt die Infektionen, dauert es etwa so lange, bis unter den frisch Infizierten Todesfälle eintreten. Sinken die Infektionszahlen, sterben immer noch Menschen, die sich zuvor infiziert haben. Das rote Feld in der Kurve markiert diesen Dreiwochenabstand ab dem Zeitpunkt, als die dritte Welle aus der abklingenden zweiten Welle heraus sichtbar wurde - als die zuvor fallenden Infektionszahlen also wieder anfingen, anzusteigen. Ab der rechten Seite dieses roten Feldes wäre dann auch ein Anstieg der Todesfälle zu erwarten. Das aber ist bisher nicht der Fall, im Gegenteil, in der Tendenz fällt die Zahl der Toten weiter.

Was könnte das bedeuten? Womöglich war die bisherige Impfkampagne unter den Gruppen mit dem höchsten Risiko so erfolgreich, dass dort jetzt kaum noch Infektionen, die dann schwer oder tödlich verlaufen, auftreten. Das ist eine optimistische Interpretation, aber keine abwegige. Natürlich kann es auch sein, dass wir inzwischen auch die schweren Verläufe so viel besser behandeln können, dass sie länger überleben und die Sterbekurve erst später ansteigt. Doch wenn sich der Abwärtstrend tatsächlich fortsetzen sollte, wäre das ein Zeichen, dass die Impfkampagne wirksam ist. Und fallende Zahlen an Todesfällen könnten bedeuten, dass die Eindämmungspolitik sich nach neuen Kennzahlen richten kann, die früher als nach den jetzigen Maßstäben Lockerungen erlauben.

Wir werden weiter beobachten und berichten!

Ihr Prof. Markus Deckert

25.03. 2021 Regeln zum Hochschulbetrieb Für Studierende und Dozierende der MHB: Aktuelle Informationen zur Planung und Weiterführung der Lehre während pandemie-bedingter Beschränkungen. Zu den Regeln
18.03. 2021 Antworten auf häufige Fragen Professor*innen der MHB geben Antworten auf häufig gestellte Fragen rund um das Coronavirus (SARS-CoV-2) – aktuell, wissenschaftlich fundiert und unabhängig. Zu den FAQs
05.03. 2021 Schutz vor Virus Stefanie Oess ist Professorin für Biochemie und erklärt in einer Online-Vorlesung, wie ein Corona-Impfstoff entsteht. Mehr als 250 Teilnehmer*innen nehmen teil. Ein Gastbeitrag von André Wirsing, MAZ Zum Artikel
Aktuelles Alle Nachrichten der MHB rund um das Thema Corona hier im Überblick. Zur Übersicht

Coronavirus: Jederzeit gut informiert

Um die Belastung des Gesundheitssystems so gering wie möglich zu halten und die Versorgung schwer kranker Patienten sicherzustellen, ist es wichtig, dass sich das neuartige Coronavirus so langsam wie möglich ausbreitet. Daher zielen sämtliche Anstrengungen von Regierung, Behörden und des Gesundheitssystems darauf ab, die Zunahme täglicher Neuinfektionen zu verlangsamen. Durch Anpassung des Verhaltens – Hygiene einhalten, Maske tragen, Abstand halten, regelmäßiges Lüften – können alle Menschen dazu beitragen, dass sich das Virus langsamer verbreitet. Als Medizinische Hochschule Brandenburg möchten wir Sie mit unserer Serviceseite über den aktuellen Stand der Pandemie und über das weiteren Vorgehen im Rahmen der Corona-Impfungen im Land Brandenburg informieren.

 

Infos und Daten Zum Dashboard
Brandenburg impft Zur Website

Statistiken zum Thema Impfung