FAQs

Fragen und Antworten

Stand:  Donnerstag, der 18.03.2021

Das Coronavirus SARS-CoV-2 wirft bei vielen Menschen Fragen auf. Auf dieser Seite beantworten die Professor*innen der Medizinischen Hochschule Brandenburg (MHB) – Frank Hufert (Professor für Mikrobiologie und Virologie), Stefanie Oess (Professorin für Biochemie) und Markus Deckert (Professor für Innere Medizin, Hämatologie und Onkologie) – regelmäßig Fragen, die uns erreichen. Aktuell, wissenschaftlich fundiert und unabhängig.

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Bedeutet die Impfung ein erhöhtes Risiko für Menschen mit Asthma?

Allergien und Virusabwehr gehen verschiedene Wege im Immunsystem. Ein erhöhtes Impfrisiko für diese Gruppen ist bisher nicht bekannt. Allerdings können Menschen, die generell eine hohe Neigung zu allergieartigen Reaktionen haben, ganz allgemein auch heftiger auf Impfungen reagieren. Meist betrifft das Hautreaktionen an der Injektionsstelle. Für Menschen mit Asthma ist es aber ratsam, je nach Schwere der Erkrankung ihre üblichen Medikamente griffbereit zu haben, auch wenn sie im Übrigen derzeit keine Symptome haben. Außerdem sollten sie die Beobachtungszeit unmittelbar nach der Impfung gewissenhaft einhalten und vor der Impfung darauf hinweisen. Bei schwerem allergischem Asthma sollten Sie vorher mit Ihrem Hausarzt oder Ihrer Hausärztin sprechen.

Es sollten also im Zweifelsfall Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden. Von einer Impfung abhalten lassen sollte man sich deshalb aber nicht. Ganz im Gegenteil sind vorbestehende Atemwegserkrankungen ein ganz erheblicher Risikofaktor für schwere CoVID-Verläufe, weshalb eine solche Erkrankung allein bereits Grund für eine höhere Impfpriorität sein kann. Pollenflug erhöht unabhängig von der eigenen Reaktion darauf das Risiko für CoVID-Infektionen, möglicherweise, weil Viruspartikel auf den Pollen mitreisen und dadurch weiter getragen werden oder tiefer in die Atemwege eindringen.

Fazit: Wer bei Pollenflug Atembeschwerden bekommt, hat einen Grund mehr, nicht weniger, sich impfen zu lassen.

Gab es in der Vergangenheit schon Vektorimpfstoffe?

Virale Vektoren wurden bisher als Genfähren in der Gentherapie eingesetzt. Auf diesem Gebiet liegen umfangreiche Erfahrungen zu Risiken und Erfolgen bei dem Einsatz von adenoviriralen Vektoren seit den 1990er-Jahren vor. Erste Erfahrungen mit adenoviralen Vektoren zur entwicklung eines Impfstoffes wurden bei der Impfstoffentwicklung gegen Ebolavirus gemacht. Dieser Impfstoff befindet sich im Zulassungsverfahren der EMA. Als zugelassene Impfstoffe kommen adenovirale Vektoren erstmal bei SARS-CoV-2 zum Einsatz.
Die Risiken sind aufgrund der bisherigen Erfahrungen äußerst gering. Adenoviren lösen Erkältungserkrankungen aus. Bei der Virusvermehrung bringen Adenoviren ihre DNA in die Zellen ein und es werden von der Zelle, dann Adenovirusproteine und letzendlich neue Viruspartikel synthetisiert. Eine Möglichkeit, sich dauerhaft in die Erbinformation des Wirts zu integrieren, haben Adenoviren nicht. Deshalb haben die erfolgreichen Versuche zur Gentherapie auch nur das Prinzip der Gentherapie gezeigt - um z.B. einen angeborenen Gendefekt zu beheben, müsste die Erbinformation dauerhaft “eingebaut” werden - das können Adenoviren nicht.

Kann man denn schon was sagen, was die Auffrischung der Immunisierung angeht. Also, muss ich nach Zeitraum X zur Auffrischung dessen?

Nein, das kann man derzeit noch nicht sicher sagen.

Die Frage spricht zwei Probleme an: Reicht die erste Impfung (mit zwei Terminen) aus, damit das Immunsystem sich das Virus dauerhaft merkt? Bei Tetanus z.B., dessen Erreger allerdings ein Bakterium ist, muss die Impfung nach der Grundimmunisierung alle zehn Jahre aufgefrischt werden - gewissermaßen, weil die Gedächtniszellen vergesslich werden. Wie das bei CoVID ist, können wir nach so kurzer Zeit schlicht noch nicht wissen.

Das zweite Problem ist, dass das Virus sich nach der Impfung durch Mutation so verändern kann, dass es von den Immungedächtniszellen aus der Impfung zwar erkannt wird aber die Schutzfunktion nicht mehr gegeben ist. Das kennen wir vom Influenzavirus, für das jede Saison von Neuem eine Impfung gegen die aktuellen Virusvarianten hergestellt werden muss. Bisher schützen die SARS-CoV-2-Impfungen grundsätzlich auch vor schweren Verläufen bei den bekannten aktuell zirkulierenden Virusvarianten.

Wie beurteilen Sie die Bedeutung des Abstands zwischen Impfung 1 und 2?

Im Grunde handelt es sich dabei um eine kurzfristige Auffrischungsimpfung: Mit der ersten Impfung werden überhaupt Gedächtniszellen gegen das Virus provoziert, bei der zweiten Impfung wird deren Zahl entscheidend vergrößert, um bei einer natürlichen Infektion schnell eine kräftige Antwort bereitsstellen zu können. Dabei geht es nicht nur um möglichst viele gleichartige Kopien derselben wirksamen Abwehrzelle, sondern auch darum, dass verschiedene Zellen verschiedene Antigenbereiche des SARS-CoV-2- Hüllproteins erkennen können. Diese Vielfalt wird durch die Wiederholungsimpfung ebenfalls gesteigert. Je mehr verschiedene Varianten jemand an Bord hat, umso größer ist aber die Chance, damit auch eine bisher unbekannte Mutante doch noch zu treffen.

Dabei geht es insgesamt um einen entscheidenden Faktor der Immunabwehr: Zeit. Ein schnelles mobilisieren der Immunantwort führt zur raschen Abwehr. Deshalb schützen auch alle bisher zugelassenen Impfstoffe sehr gut gegen schwere Verläufe, nicht aber unbedingt gegen jegliche Infektion und auch nicht immer gegen das Auftreten von milden klinischen Symptomen.

Wenn ich bei der Grippeschutzimpfung reagiere, reagiere ich automatisch auch bei den Corona-Impfungen?

Nein, weder automatisch noch mit besonders hoher Wahrscheinlichkeit. Personen, die allergisch gegen bestimmte Zusatzstoffe der Impfung reagieren, werden dies allerdings auch bei jeder anderen Impfung die die gleichen Zusatzstoffen enthält tun. Die Immunreaktion auf die eigentlichen Antigenen Impfstoffbestandteile ist dagegen sehr individuell und abhängig von genetischen Faktoren und von individuellen Faktoren jedes einzelnenen Menschenen.

Besteht theoretisch die Möglichkeit, dass die Vektorimpfstoffe das Erbgut verändern bzw. Tumore hervorrufen können? (Stichwort Langzeitfolgen)

Die verwendeten Vektorimpfstoffe basieren auf Adenoviren (solchen, die den Menschen aber auch solchen, die Schimpansen infizieren). Adenoviren rufen banale Erkältungskrankheiten hervor und werden daher auch manchmal als “Schnupfenviren” bezeichnet. Das Erbgut der Adenoviren besteht aus DNA. Um Adenoviren als (sog. replikationsdefiziente) Vektoren zu verwenden, entfernt man aus ihrem Erbgut einige Gene, die für die Vermehrung von Adenoviren in den Zellen notwendig sind und führt stattdessen das Gen für ein Fremd-Protein ein, im Fall der COVID-Impfstoffe z.B. für das Spike-Protein, gegen welches durch die Impfung eine Immunreaktion ausgelöst werden soll.

Obwohl Adenoviren DNA-Viren sind, wird bei der Infektion von Zellen das Virus-Erbgut nicht in das menschliche Genom integriert. Das ist nicht Teil des Vermehrungszyklus (Replikationszyklus) von Adenoviren und es gibt keinen molekularen Mechanismus, über den eine solche Integration spezifisch erfolgen könnte. Das unterscheidet Adenoviren z.B. von Retro- und Lentiviren wie HIV, bei denen eine solche Integration routinemäßig vorkommt und wo wir diese molekularen Mechanismen sehr gut kennen. Theoretisch ist es nicht vollkommen unmöglich, dass DNA (egal ob aus adenoviralen Vektoren oder aus anderer Quelle) in das menschliche Genom integriert, aber diese Ereignisse sind extrem unwahrscheinlich. Adenovirale Vektoren werden seit mehr als 20 Jahren in der Forschung eingesetzt und auch hier beobachtet man keine Integration des Virus- in das Wirtsgenom. Es ist also nach dem Stand der Wissenschaft nicht mit einer Integration ins menschliche Erbgut zu rechnen und genausowenig mit einer Entstehung von Tumoren oder anderen negativen Langzeitfolgen.

Ich würde gerne wissen wovon es abhängig ist, wer nach der Impfung eine Immunreaktion zeigt und wer nicht.

Hier müssen wir zwei Dinge unterscheiden: Die Immunreaktion gegen das Virus, die wir mit der Impfung ja erreichen wollen, und die als unerwünschte Wirkung spürbare “Impfreaktion”.

Für beides lautet die Antwort allerdings: das lässt sich nicht vorhersagen - und zum Teil lässt es sich auch schlecht messen. Prof. Hufert sprach im Vortrag von den beiden Ästen des Immunsystems, der Antikörperantwort und der Antwort durch T-Killerzellen. Meist gehen beide miteinander einher, und die leicht messbare Antikörperantwort reicht als Aussage. Es kommt aber vor, dass eine einmal vorhandene Antikörperantwort wieder verschwunden ist, also nicht mehr messbar war, aber eine T-Zell-Antwort weiterbestand. Es ist also gar nicht ganz einfach, die erwünschte Immunantwort nachzuweisen, und das wird auch routinemäßig bei Impfungen gar nicht gemacht.

Wenn wir aber sehen, dass die Impfstoffe schwere Verläufe fast vollständig verhindern, dann kann man davon ausgehen, dass bis auf wenige Ausnahmen jede geimpfte Person eine Immunantwort gegen das Virus entwickelt. Allerdings ist diese Antwort unterschiedlich stark, und da sind auch schlichtweg alle Menschen etwas unterschiedlich veranlagt: Bei manchen entsteht eine Antwort, die das echte Virus sofort beim ersten Kontakt eliminiert, bei anderen ist die Antwort langsamer, reicht aber, einen schweren Verlauf zu verhindern. Da kommen viele individuelle Faktoren zusammen, die bisher erst teilweise kennt.

Genauso wenig lässt sich vorhersagen, ob eine spürbare Impfreaktion auftritt. Denn das ist ja auch eine Immunreaktion des Körpers, nur eben gegen den Impfstoff. So lernt das Immunsystem, sich gegen das echte Virus zu wehren, und auch dieser Prozess kann bei einigen heftig ausfallen, das ist aber immer auf kurze Zeit begrenzt und so gut wie nie bedrohlich. Es gibt allerdings inzwischen Hinweise darauf, dass Geimpfte, die eine spürbare Reaktion zeigen, auch einen hohen Antikörpernachweis entwickeln.

Gibt es Vorerkrankungen bei U-65-jährigen, die eine Kontraindikation für den Astrazeneca-Impfstoff, nicht aber für die anderen begründen würden?

Da muss ich jetzt sehr nachdenken, ob es da etwas gibt. Seltene Allergien könnte ich mir vorstellen, aber dazu ist für diese ganz neuen Impfstoffe noch nichts bekannt. Ansonsten sind mir auch aus den Fachinformationen und der Literatur keine Vorerkrankungen bekannt, für die sich ein Unterschied dergestalt ergibt, dass sie gegen eine Impfung mit dem einen, aber nicht mit dem anderen Impfstoff sprechen.

Wo genau wird beim "Rachenabstrich" Probematerial gewonnen?

Es hat sich gezeigt, dass die Covid-Infektion am sichersten durch Nachweis des Virus im Rachen diagnostiziert werden kann. Was genau ist der Rachen, und wie gelangt man dort hin?

Der Rachen ist ein Muskelschlauch, der tief im Kopf-Hals-Bereich sitzt (direkt vor der Wirbelsäule) und der die hinteren Öffnungen der Nasen- und der Mundhöhle verbindet und dann nach unten in Richtung Kehlkopf und Speiseröhre läuft. Der Rachen leitet sowohl die Luft, die wir durch Nase oder Mund einatmen, in Richtung Kehlkopf und Luftröhre als auch die Nahrung, die wir schlucken, von der Mundhöhle zur Speiseröhre.

Man unterscheidet am Rachen drei Etagen: den Nasenrachen (am hinteren Ende der Nasenhöhle), den Mundrachen (dessen Hinterwand man bei geöffnetem Mund sehen kann) und den unteren Rachen auf Höhe des Kehlkopfs. Der Rachen ist ausgekleidet mit einer Schleimhaut, die der Schleimhaut in der Mundhöhle entspricht. Sie ist feucht und glatt und heilt bei kleineren Verletzungen schneller als die Haut.

Beim Test wird mit einem kleinen Wattebausch Feuchtigkeit aus dem Rachen aufgenommen und dann untersucht. Ein Abstrich aus dem Nasenrachen ist i.A. für die Diagnose sicherer als ein Abstrich aus dem Mundrachen.

Für den Nasenrachen wird ein dünner Teststab von einem Nasenloch aus gerade in Richtung Nasenrachen vorgeschoben, entlang der Nasenscheidewand und dem Boden einer der beiden Nasenhöhlen (der Boden ist gleichzeitig das Dach der Mundhöhle, also der Gaumen). Die Nasenhöhle ist größer, als man der Nase von außen ansieht. Der Nasenrachen ist genausoweit vom Nasenloch entfernt, wie der sichtbare Mundrachen von den Lippen. Bei geradem Vorschieben des Teststabs gibt es normalerweise keine Hindernisse. Bei Vorschieben mehr nach oben kann man eventuell an den Nasenmuscheln hängen bleiben, die sich von der seitlichen Wand in die Nasenhöhle vorwölben. Ins Gehirn oder ins Auge kommt man auf diesem Weg nicht! Die Schleimhaut enthält auch Nerven und Blutgefäße, es kann daher kitzeln und ein bisschen weh tun, selten kann es auch zu Nasenbluten kommen.

Die Entnahme aus dem Mundrachen ist einfacher, weil der Mundrachen bei geöffnetem Mund sichtbar ist. Die Berührung der Rachenhinterwand kann hier einen Würgereiz auslösen.

Kann man mit den mRNA Impfstoffen flexibler und besser auf Mutationen reagieren, also Impfstoffe schneller anpassen?

Die mRNA-Impfstoffe bieten sicherlich eine hervorragende Plattform um relativ schnelle Anpassungen an die Virusmutanten zu machen. Dass mRNA-Impfstoffe vergleichsweise schnell entwickelt werden können, haben wir ja jetzt im Rahmen der Entwicklung und Zulassung eindrucksvoll gesehen. Grundsätzlich ist dieselbe Anpassung auch mit Vektorimpfstoffen möglich - auch hier muss ja “nur” z.B. das Gen für das Spike-Protein angepasst werden, während der Vektor gleich bleibt. Mit Sicherheit sind beide Verfahren besser geeignet für solche schnellen Anpassungen als z.B. attenuierte oder inaktivierte Viren.

Eine Einschränkung bei der wiederholten Impfung mit Vektorimpfstoffen könnte sein, dass hier auch eine Immunreaktion gegen den Vektor gemacht wird, welche seine Wirkung bei wiederholter Anwendung vermindert und somit seine Verwendung einschränkt. Dies könnte ein Argument für mRNA-Impfstoffe sein, noch fehlen hier aber Daten, um das eindeutig zu belegen.

Wie lange hält die Impfung ungefähr?

Die Antwort auf diese Frage hängt eng mit der auf Frage 2 zusammen: Einerseits könnte das immunologische Gedächtnis die Impfung nach einer Weile “vergessen”, andererseits wird das Virus sich im Lauf der Zeit - wie bereits jetzt schon - weiter durch Mutationen verändern, die nach den gegenwärtigen Impfungen vielleicht vom Immunsystem nicht mehr erkannt werden. Beides kann begrenzen, wie lange eine Impfung wirkt, und das lässt sich erst durch Beobachtung in der Zukunft herausfinden. Von akut notwendigen “Updates” in wenigen Monaten bis zur Auffrischungen jedes Jahr oder nach mehreren Jahren ist da derzeit noch alles denkbar.

Lässt sich schlussfolgern, dass diejenigen, die eine starke Impfreaktion zeigen, auch einen starken COVID-Verlauf zu erwarten gehabt hätten?

Das wäre eine interessante Hypothese, die sich aber nicht beweisen lässt, denn man kann ja nicht vorhersagen, wer eine heftige Impfreaktion bekommt, und deshalb auch nicht zwei Gruppen zum Vergleich bilden, bei der man die Schwere der CoVID-Verläufe ohne Impfung beobachtet. Oder anders gesagt: wer geimpft ist, bekommt deswegen kein oder nur ein mildes CoVID, wer eine heftige CoVID-Erkrankung bekommt, war nicht geimpft. Man kann es also nicht logisch vergleichen und wird diese interessante Frage deshalb nicht beantworten können.

Welche Rolle nehmen heute schon Medikamente bei/für die Behandlung von infizierten Personen ein?

Spezifische Medikamente für die CoVID-Infektion gibt es nur wenige, zu nennen sind da vor allem ein monoklonaler Antikörper gegen das Virus, der also als Infusion gegeben die sonst vom Körper gebildete Immunantwort ersetzen soll, und das antivirale Medikament Remdesivir. Bei beiden ist die Bewertung widersprüchlich, sie haben Sonderzulassungen erhalten, werden aber nicht generell empfohlen und haben keine eindeutig überlegene Wirkung im Vergleich mit der Standardbehandlung gezeigt. Der Antikörper scheint nur bei Patient:innen im frühen Stadium eine schnellere Genesung und weniger Krankenhausaufenthalte zu bewirken, ist erst einmal ein Krankenhausaufenthalt nötig geworden, scheint er keinen Unterschied zu machen.

Fazit: eine wirksame spezifische Behandlung gegen die Virusinfektion gibt es bisher nicht. Was man mit einigem Erfolg macht, ist die symptomatische Behandlung, um die Folgen der Infektion in den Griff zu bekommen. Kortikosteroide, die eine überschießende, den Körper schädigende Immunantwort dämpfen, und Medikamente, die die Blutgerinnung hemmen, spielen dabei eine wichtige Rolle.

Sie sagten, beim Schutz vor Virus-Mutanten sind alle aktuell verfügbaren Impfstoffe gleich erfolgreich. Warum hat Südafrika den AstraZeneca „rausgeworfen“?

Das ist eine gute Frage. Und das war wahrscheinlich eine schlechte Entscheidung, die übrigens von der WHO sehr kritisiert wurde. Im Grunde gilt für die südafrikanische Mutante des SARS-CoV-2 mit der Bezeichnung B.1.351 dasselbe wie eben im Vortrag über den AstraZeneca-Impfstoff gesagt: Gegen milde Verläufe schützt er wohl weniger gut als andere Impfstoffe, gegen schwere Verläufe genauso gut.

Hier lässt sich gut der amerikanische Infektiologe Lawrence Corey zitieren: "Wollen sie einen Impfstoff, der Sie vor Husten schützt oder wollen Sie einen Impfstoff, der sie vor dem Tod bewahrt?"

Warum hat Herr Spahn für Bürger, die mit dem AstraZeneca geimpft wurden, eine weitere Impfung mit einen anderen Impfstoff erwogen?

Eine Einschränkung bei der wiederholten Impfung mit Vektorimpfstoffen (wie dem von AstraZeneca) könnte sein, dass hier auch eine Immunreaktion gegen den Vektor induziert werden könnte, welche bei wiederholter Anwendung von Vektorimpfstoffen deren Wirkung vermindern und somit ihre Verwendung einschränken könnte. Dies könnte hinter der Überlegung stecken, Personen, die einen Impfschutz durch einen Vektorimpfstoff haben, für eine weitere Impfung (z.B. gegen eine Virusmutante) einen Impfstoff auf Basis einer anderen Technologie anzubieten.

Wie schnell können mRNA- bzw- Vektorimpfstoffe an eine solche Situation angepasst werden und ab wann wäre ein erneutes Durchlaufen des Zulassungsprozesses erforderlich?

Die technologische Grundlage der genetischen Impfstoffe (RNA- und Virusvektor-Impfstoffe) erlaubt eine sehr schnelle Anpassung. Die notwendigen RNA- bzw. DNA-Moleküle herauszufinden und im Labormaßstab herzustellen, ist eine Sache von Tagen bis Wochen. Das Problem ist dann, diese biologischen Stoffe in ausreichendem Maß herzustellen, zu testen und zur Zulassung zu bringen. Dies hängt auch davon ab, wie die Zulassungsbehörden diese Impfstoffvarianten bewerten. Wenn sie - was anzunehmen ist - eine leicht veränderte RNA- oder DNA-Sequenz unter ansonsten gleichen Herstellungsbedingungen mit den gleichen Ausgangsstoffen unter dieselbe Zulassung nehmen, dann kann das gesamte Verfahren wahrscheinlich in einigen Wochen bis zu wenigen Monaten ablaufen.

Gibt es schon einen Plan, wann Studierende aus medizinischen Studiengängen geimpft werden können?

Das ist relativ einfach: so lange sie einfach nur studieren, sind sie genauso an der Reihe wie die allgemeine Bevölkerung ohne Risikofaktoren. Sobald sie z.B. im Rahmen einer Famulatur am Krankenbett tätig werden, fallen sie unter medizinisches Krankenhauspersonal und werden mit entsprechend hoher Priorität geimpft.

Können Sie den Ablauf der Zulassung nochmal kurz erklären?

Hier geht es um die Frage, wie die Studien, die im Vortrag beschrieben wurden, so schnell durchgeführt werden konnten. Die entscheidende Studie ist die, in der eine sehr große Zahl Freiwilliger durch den Zufall zugewiesen ein Scheinmedikament oder den Impfstoff bekommt und man dann beobachtet, wie viele Infektionen in welcher Gruppe auftreten - die sogenannte Phase III. Davor müssen Studien gemacht werden, in denen die Unschädlichkeit am Menschen bewiesen und die richtige Dosis und erste Daten zur Wirksamkeit z.B. durch den Nachweis von Antikörperbildung ermittelt werden. Das findet normalerweise streng getrennt eins nach dem anderen statt, und Phase I muss komplett ausgewertet sein, bevor Phase II beginnt. Wenn das alles durch ist, wird gewissermaßen ein Lastwagen mit Dokumenten zur Zulassungsbehörde geschickt, und dort wird das Ganze dann geprüft.

Bei den CoVID-Impfstoffen hat man diese Zeit vor allem durch eine extrem gute Koordination aufgrund des großen staatlichen Interesses verkürzt. Zum einen hat man mit der nächsten Phase angefangen, sobald die vorherige ausreichend Daten geliefert hatte, um darüber entscheiden zu können - was bedeutet, dass die Daten fortlaufend ausgewertet wurden. Zum anderen hat man die Daten aus den ersten beiden Phasen - bei denen ja bereits viele Menschen den Impfstoff erhalten hatten - ebenfalls genutzt, um die Wirksamkeit zu ermitteln. Und schließlich hat man bei den Herstellern wie den Behörden andere Verfahren so lange zur Seite gelegt und massiv Geld und Personal eingesetzt, um die Impfstoffstudien vorzuziehen und ohne Verzögerungen durchzuführen.

Wie stehen Sie zu den aktuellen Diskussionen über den Einfluss der Blutgruppe auf die Manifestation einer Covid-19-Erkrankung? Und worin ist die Ursache begründet?

Das ist meines Wissens gegenwärtig nicht klar zu beantworten. Aber es gibt eine ganze Reihe Phänomene, die mit der Blutgruppe zusammenhängen. Letztlich verdanken wir unsere Blutgruppen einer Kreuzreaktion mit bestimmten Bakterienantigenen - sonst würden wir dagegen wahrscheinlich gar keine Antikörper bilden, und die Blutgruppen wären praktisch völlig bedeutungslos. Dass das nicht so ist, zeigt jedenfalls, dass es nicht verwunden muss, wenn die Immunreaktionen gegen Blutgruppen auch einen Einfluss auf andere Funktionen des Immunsystems haben. Aber wie gesagt: eine schlüssige Antwort auf molekularer Ebene kann ich zur Zeit nicht liefern.

Wie ist denn die Einschätzung in der Runde, was den Vormarsch von Infektionskrankheiten im Allgemeinen und global betrachtet angeht? Gibt es da einen Trend oder ist Covid-19 eher ein “Ausreißer“?

Wir müssen uns nichts vormachen: Zoonosen, also Krankheitserreger, die eigentlich Tiere befallen, von diesen aber auf den Menschen “überspringen”, hat es schon immer gegeben und wird es auch immer wieder neu geben. In den vergangenen Jahrzehnten allerdings passiert das häufiger, und das hängt damit zusammen, dass wir Menschen immer weiter in frühere Lebensräume von Wildtieren vordringen und diese aus ihren Lebensräumen verdrängen. Dadurch nehmen Kontakte zu, die zu so einem Übergang auf den Menschen führen können. Globales Reisen macht dann in kurzer Zeit aus einem lokal begrenzten Krankheitsausbruch ein weltweites Problem.

Letztlich, und das dürfen wir nicht übersehen, hängen diese Faktoren eng mit der Klimakrise zusammen. Bevölkerungswachstum und globale Mobilität gehören zu den Treibern der Erderwärmung, der Verlust von Lebensräumen zu ihren direkten Folgen. Gegenwärtig neigen wir vielfach dazu, die Klimakrise angesicht der Coronakrise zu vergessen. Ich sehe die Häufung solcher Pandemien aber als ein ganz starkes Warnsignal: Klimapolitik ist Politik für die Menschen!