"Zur Exzellenz verdammt!"

Prof. Dr. med. Joachim W. Dudenhausen stellt Strukturen, Schwerpunkte und Ziele der neuen Fakultät vor

Potsdam, 24.09.2020

Die gemeinsame Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Medizinischen Hochschule Brandenburg, der Universität Potsdam und der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg war Gegenstand des 15. Health Circle, zu dem die Initiative Gesundheitswirtschaft Brandenburg e.V. (IGW BB) am 23. September um 18:30 Uhr auf den Campus Griebnitzsee der Universität Potsdam eingeladen hatte. Mit über 100 Besucher*innen war das Interesse so groß, dass sogar in einen noch größeren Hörsaal gewechselt werden musste. Das lag allerdings nicht nur am angekündigten Thema und an den hochkarätigen Teilnehmer*innen der anschließenden Podiumsdiskussion, sondern hing auch mit dem Vorhaben der Landesregierung zusammen, in der Lausitz eine staatlich finanzierte Universitätsmedizin aufzubauen.

Der Gründungsdekan der Fakultät für Gesundheitswissenschaften (FGW), Prof. Dr. med. Joachim W. Dudenhausen, stellte eingangs der Veranstaltung zunächst Strukturen, Schwerpunkte und Ziele der neuen Fakultät vor. Im Kern gehe es dabei zum einen darum, neuartige medizinische, pflegerische und medizintechnische Versorgungsangebote sowie innovative Studiengänge zu entwickeln. Zum anderen solle die Fakultät in Kooperation mit weiteren Hochschulen und Forschungseinrichtungen zur Verbesserung der medizinischen und pflegerischen Versorgung im Flächenland Brandenburg beitragen.

„Mit dem gemeinsamen Schwerpunkt ‚Gesundheit und Medizin des Alterns‘ verknüpft die gemeinsame Fakultät für Gesundheitswissenschaften Brandenburg Forschung und Lehre der Medizinischen Hochschule Brandenburg, der Universität Potsdam und der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg. Sie entwickelt sich damit zunehmend auch zum Impulsgeber für die translationale Forschung sowie als Partner in der Verbundforschung mit der Gesundheitswirtschaft“, sagte Prof. Edmund Neugebauer, Präsident der MHB zur Bedeutung der FGW.

Die anschließende Podiumsdiskussion mit Tobias Dünow, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, Prof. Joachim W. Dudenhausen, Gründungsdekan der FGW, Prof. Oliver Günther, Präsident der Universität Potsdam, Prof. Christiane Hipp, Präsidentin der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus – Senftenberg, Prof. Edmund Neugebauer, Präsident der Medizinischen Hochschule Brandenburg Theodor Fontane und Prof. Michael Schierack, MdL, Sprecher für Wissenschaft, Forschung und Gesundheit der CDU-Fraktion im Landtag Brandenburg, befasste sich zunächst mit der Frage, was eine gemeinsame Fakultät als Herzstück gesundheitswissenschaftlicher Forschung im Land Brandenburg leisten kann und soll. Sehr schnell ging es dann aber auch um die Frage, was die beabsichtigte Gründung einer staatlichen Medizinischen Fakultät in der Lausitz sowohl für FGW und MHB als auch insgesamt für die Zukunft der medizinischen Versorgung bedeutet.

Über Raumschiffe und rosa Elefanten

Die Pläne der Landesregierung, in der Lausitz als Ausgleich für den Braunkohletagebau eine auch mit Mitteln des Bundes finanzierte Universitätsmedizin aufzubauen, standen von Anfang an wie ein rosa Elefant im Raum, über den dann aber sehr schnell auch offen diskutiert wurde. Edmund Neugebauer, Präsident der MHB, begrüßte grundsätzlich das Vorhaben und verwies auf den schon heute bestehenden Ärzt*innenmangel im Land Brandenburg. Auch verwies er auf das landesweit bestehende Netz an kooperierenden Kliniken und bot zum wiederholten Male die Unterstützung der MHB an, die sich in den vergangenen Jahren eine Expertise beim Aufbau einer Medizinischen Fakultät erworben habe. Oliver Günther, Präsident der Universität Potsdam, verglich das Vorhaben der Gründung einer Universitätsmedizin in der Lausitz mit der Landung eines Raumschiffs und betonte, dass es aus seiner Sicht nur eine Universitätsmedizin in Brandenburg geben könne. Die MHB habe tolle Arbeit geleistet, die aller Ehren wert sei, aber ohne weitere staatliche Unterstützung ließe sich Forschung auf dem erforderlichen Niveau nicht betreiben. Als gemeinsames institutionelles Dach brachte er die Fakultät für Gesundheitswissenschaften ins Spiel.

Entweder richtig gut oder gar nicht

Staatssekretär Tobias Dünow betonte: „Ich halte das Thema staatliche Universitätsmedizin in der Lausitz für das ambitionierteste, komplizierteste und in seiner Komplexität auch unterschätzteste Vorhaben, das wir haben. Gleichzeitig halte ich es für den Strukturwandel in der Lausitz aber insgesamt auch für das sinnvollste Projekt, das wir haben und das weit über die Lausitz hinausweist.“ Dabei sind die wesentlichen Details des Vorhabens noch unklar. Zuletzt rief Wissenschaftsministerin Manja Schüle unter der Leitung des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Charité Karl Max Einhäupl eine prominent besetzte, zehnköpfige Expert*innenkommission ins Leben, welche die konzeptionellen Details erarbeiten soll. Fest steht dabei bislang nur, dass es nicht um die ganz normale Gründung eines weiteren Universitätsklinikums oder um die Etablierung einer weiteren Ausbildungsstätte für Mediziner*innen gehen soll und kann.

Da für die Realisierung des Vorhabens neben der Finanzierung durch den Bund sowohl die Zustimmung aller Wissenschaftsminister*innen als auch die Zustimmung durch den Wissenschaftsrat erforderlich sei, müsse der Anspruch hierbei größer, ja gleichsam “größenwahnsinnig” sein. Es komme darauf an, eine Medizinische Fakultät zu gründen, die über ein Alleinstellungsmerkmal verfüge und die einen Vorbildcharakter auch für andere Bundesländer habe. Mehr desselben reicht nicht. Gleichlautend mit Wissenschaftsministerin Manja Schüle betonte dann dementsprechend auch Staatssekretär Tobias Dünow: “Die Universitätsmedizin in der Lausitz wird entweder richtig gut, oder es gibt sie gar nicht. Wir sind sozusagen zur Exzellenz verdammt.” Der Weg dahin sei noch sehr weit. Danach gefragt, für wie wahrscheinlich er die Einrichtung einer staatlichen Universitätsmedizin in der Lausitz halte, sagte Dünow: “80 Prozent.” Über den rosa Elefanten wird weiter zu sprechen sein.

 

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