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„Tolle Anerkennung!“

Gemeinsam mit Prof. Dr. Cornelia Exner (rechts) wird Prof. Bettina Doering mit dem Forschungspreis der Fürst Donnersmarck-Stiftung zu Berlin ausgezeichnet (Quelle: FDST, Enno Hurlin)

Neuruppin, 15.11.2021

Prof. Bettina Doering, Professorin für Klinische Psychologie und Psychotherapie mit Schwerpunkt Verhaltenstherapie an der MHB, ist gemeinsam mit Prof. Cornelia Exner (Leipzig) für ihre wissenschaftlichen Leistungen auf dem Gebiet des Rehabilitationswesens mit dem nur alle drei Jahre vergebenen Forschungspreis der Fürst Donnersmarck-Stiftung zu Berlin ausgezeichnet worden. Konkret wurde ihr der Preis für ihre Studie „Integrated neuropsychological and cognitive behavioural therapy after acquired brain injury: A pragmatic randomized clinical trial“ verliehen.

„Bei der Studie handelt es sich um die Prüfung der Wirksamkeit eines ambulanten Behandlungsprogramms für Patient*innen, die etwa nach einem Schlaganfall oder einem schweren Schädel-Hirn-Trauma eine Hirnschädigung erlitten hatten. Viele Patient*innen leiden nach einer erworbenen Hirnschädigung sowohl an anhaltenden kognitiven Störungen als auch unter emotionalen Belastungen. Dementsprechend wurde hierzu passend von uns ein integriertes, individuell anpassbares Behandlungsprogramm entwickelt, das sowohl neuropsychologische als auch kognitiv-verhaltenstherapeutische Interventionen in der nachklinischen Versorgung berücksichtigt und miteinander kombiniert“, erklärt Prof. Doering.

„In der Studie haben wir dann untersucht, inwiefern das Behandlungsprogramm tatsächlich geeignet ist, nach einer neurologischen Schädigung die psychische Gesamtbelastung zu verringern, die Alltagsbewältigung zu verbessern und die Lebensqualität und soziale Einbindung der Patient*innen zu erhöhen. Die Besonderheit unseres Programms liegt dabei darin, dass wir auch Patient*innen dieses Angebot machen, deren Erkrankung schon relativ lange zurückliegt“, so Prof. Doering weiter.

Insgesamt 56 Patient*innen wurden nach dem Zufallsprinzip entweder der Gruppe mit dem Behandlungsprogramm oder der Wartegruppe zugeteilt. Die Mehrheit der Patient*innen hatte dabei eine vaskuläre Schädigung des Gehirns erlitten, die im Schnitt über 10 Jahre zurücklag. Das Alter der Personen zum Zeitpunkt der Schädigung reichte von 19 bis 60 Jahre. „Die Behandlungsgruppe zeigte zu Therapieende im Vergleich zu der noch nicht behandelten Wartegruppe eine auch statistisch bedeutsame Verbesserung hinsichtlich der psychischen Gesamtbelastung, die behandelten Patient*innen fühlten sich deutlich besser und berichteten über weniger belastende Emotionen und über eine höhere Lebensqualität. Diese positiven Effekte unseres Behandlungsprogramms waren stabil und konnten auch sechs Monate nach Therapieende noch nachgewiesen werden“, freut sich Prof. Doering über den nachhaltigen Behandlungserfolg.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass Patient*innen mit einer erworbenen Hirnschädigung von einem integrierten Behandlungsansatz, der neuropsychologische Kompensationsstrategien und verhaltenstherapeutische Interventionen kombiniert, deutlich profitieren können. Und das gilt sowohl für Patient*innen mit unterschiedlicher Schädigungsursache als auch mit stark variierender Schädigungsdauer, als auch mit verschiedenen Schweregraden der Beeinträchtigung. Die Ergebnisse fördern den therapeutischen Optimismus, dass selbst Jahre später nach einer erlittenen Hirnschädigung mit Hilfe entsprechend zugeschnittener Therapien die kognitiven und emotionalen Folgen einer Hirnschädigung verbessert werden können. Eine Beschränkung eines solchen Angebots auf einen bestimmten Zeitraum nach der Schädigung, wie es in den derzeitigen Richtlinien für neuropsychologische Therapie noch vorgesehen ist, scheint mit Blick auf die Ergebnisse unserer Studie nicht sinnvoll und schon gar nicht im Interesse der Patient*innen zu sein. Hier sollte dringend nachgebessert werden“, so Prof. Doering weiter.

Jährlich erleiden bundesweit rund 270.000 Menschen aufgrund von Unfällen, Schlaganfällen und neurologischen Erkrankungen schwere Schädel-Hirn-Schädigungen. Um den Blick vor allem im wissenschaftlichen Raum auf diese Fälle der Versorgungsforschung zu richten, hat die Fürst Donnersmarck-Stiftung den bundesweit einmaligen, mit insgesamt 30.000 Euro dotierten und jetzt zum sechsten Mal vergebenen Forschungspreis ausgelobt. Mit dem Preis möchte sie die Entwicklung wirkungsvoller Methoden und Therapien fördern.

"Der nur alle drei Jahre vergebene Preis ist natürlich eine tolle Anerkennung für die Arbeit, die meine Kolleg*innen und ich in dieses Projekt investiert haben. Ich hoffe, dass unser Ansatz, der Patient*innen auch lange nach der akuten Erkrankung noch Unterstützung bei der Krankheitsbewältigung anbietet, dadurch Aufmerksamkeit bekommt und vielen Patient*innen damit geholfen werden kann", blickt Prof. Doering nach vorne.

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