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Prüfung bestanden?

Neuruppin, 18. Mai 2022

Der dritte Studienjahrgang Medizin der Medizinischen Hochschule Brandenburg Theodor Fontane (MHB) hat erfolgreich das schriftliche Staatsexamen M2 abgelegt. Das geht aus der zentralen Auswertung hervor, die das Institut für Medizinische und Pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP) jetzt vorgelegt hat. Doch wie lassen sich die Ergebnisse insgesamt interpretieren? Wie schneiden die Studierenden der MHB im Vergleich zu Studierenden anderer Medizinischer Fakultäten ab? Und was bedeutet es, dass die MHB aktuell sogar besser platziert ist als die Berliner Charité? Wie groß sind die kleinen Unterschiede tatsächlich? Prof. Markus Deckert, Dekan der Fakultät für Medizin und Psychologie der MHB, mit dem Versuch einer Einordnung und Bewertung.

Als im Frühjahr 2020 die ersten Studierenden der MHB ihr Zweites Staatsexamen bestanden hatten, war uns dies eine große Meldung wert, die auch von der regionalen Presse aufgegriffen wurde. Inzwischen sind aus diesen seit 200 Jahren ersten im Land Brandenburg ausgebildeten Medizinstudierenden Ärztinnen und Ärzte geworden, im vergangenen August wurden sie unter Beteiligung von Ministerpräsident Dietmar Woidke und in Anwesenheit vieler Personen, die an der Gründung der MHB mitgewirkt haben, feierlich im Pauli-Kloster zu Brandenburg verabschiedet. Beides waren für die MHB und das Land Brandenburg bedeutende Meilensteine, denn damit stellte sie auch offiziell unter Beweis, dass sie tatsächlich kann, wofür sie gegründet wurde: Ärzt:innen für das Land Brandenburg – und darüber hinaus – auszubilden.

Inzwischen ist das dritte M2, so nennt das bundesweit zuständige Institut für Medizinische und Pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP) dieses Examen, an der MHB geschrieben, und wie an allen medizinischen Fakultäten ist es reguläre Routine geworden. Doch damals gab es neben der Freude, dass mit ihren Studierenden die MHB überhaupt erfolgreich angetreten ist, vereinzelt auch Kritik und Diskussion, vor allem innerhalb der Hochschule: In der Anzahl korrekt beantworteter Examensfragen belegte die MHB den letzten Platz. Einige interpretierten dies wie in einer Bundesligatabelle als Ausweis ungenügender Leistung und sahen die MHB auf einem Abstiegsplatz.

Die Argumente, die dem damals entgegengestellt wurden, gelten unverändert: Das Wissen, das in diesem Multiple-Choice-Examen standardisiert geprüft wird, ist eine wesentliche, aber nicht die einzige ärztliche Qualifikation – im Praktischen Jahr werden unsere Studierenden durchweg gut bewertet. Und die statistische Aussagekraft dieser Zahlen ist gering, denn die Streuung der Ergebnisse ist innerhalb jeder Hochschule deutlich größer als zwischen den Fakultäten. Einigkeit bestand aber in dem Anspruch, es besser machen zu wollen und die Studierenden gezielter auf dieses Examen vorzubereiten, ohne die Besonderheiten des Brandenburger Modellstudiengangs Medizin aufzugeben.

Haben wir diesen Anspruch eingelöst? Bereits beim zweiten Mal stand die MHB im Ranking sichtlich besser da, 26 Prozent der Fakultäten hatten gleichviele oder weniger Fragen richtig beantwortet als die MHB (Platz 28 von 38 – die Anzahl teilnehmender Fakultäten variiert mit den tatsächlichen Prüfungsanmeldungen).

Auch dieses Ergebnis zeigte aber vor allem die fragliche Aussagekraft aufgrund der geringen Unterschiede: zwischen der ersten und der letzten Fakultät lagen 2020 gerade einmal 7,3 Prozent richtig beantworteter Fragen, 2021 waren es 11,7 Prozent.

Angesichts dieses Ergebnisses wurde jedoch darauf hingewiesen, dass maßgeblich allein die Referenzgruppe sei – das sind diejenigen Studierenden, die innerhalb der Regelstudienzeit erstmals zur Prüfung antreten. Diese Gruppe lässt bessere Ergebnisse erwarten als Studierende, die erst später oder wiederholt geprüft werden. Hier kamen wir nur auf Platz 18 von 21, das heißt 19 Prozent der Fakultäten schnitten genauso gut oder schlechter ab. Dieses Argument verweist jedoch auf ein eigenes Leistungsmerkmal: an der MHB tritt mit 100 % der bundesweit höchste Anteil der Studierenden das Examen in der Regelstudienzeit an.

Was bedeuten diese Zahlen – handelt es sich um ein statistisches Strohfeuer, oder lässt sich daran eine echte Entwicklung ablesen? Die aktuelle Auswertung spricht für das zweite: Sowohl in der Gesamtkohorte – Platz 16 von 35 – als auch in der Referenzgruppe – Platz 10 von 21 – liegt die MHB dieses Mal in der Mitte des Feldes, oder, statistisch präzise: auf der 54ten bzw. 52ten Perzentile und damit knapp über dem Median. Dabei war die Spanne zwischen erster und letzter Fakultät diesmal mit 16,5 bzw. 17,2 Prozent richtig beantworteter Fragen besonders hoch – allein der Abstand der MHB zum „Schlusslicht“ war so groß wie 2021 die ganze Spannweite.

Es bleibt für uns dabei, dass der Vergleich von Examensnoten nicht wie eine Sportliga-Tabelle gelesen werden sollte, und die Argumente gegen eine Überbewertung dieser Zahlen gelten in beide Richtungen: Wir glauben nicht, dass unsere Studierenden deutlich mehr wissen als die Düsseldorfer und Berliner, oder deutlich weniger als die Würzburger. Auch durch diese Ergebnisse sehen wir uns aber bestärkt darin, dass wir mit unserem wissenschaftsbasierten und praxisorientiertem Studium tatsächlich an Kenntnissen, Fertigkeiten und Fähigkeiten umfassend ausgebildete Ärzt:innen in den Beruf entlassen. Wer die MHB jedoch ausdrücklich an ihren Examensleistungen messen möchte, darf sich jetzt über eine weitere positive Entwicklung freuen.

Bleibt uns, den erfolgreichen Kandidatinnen und Kandidaten zu gratulieren und alles Gute für das Praktische Jahr zu wünschen!

(Eine auch grafisch aufbereitete Übersicht der bisherigen Prüfungsergebnisse finden Sie hier.)

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