Aktuelles

Patient Gesundheitssystem

Studierende beschäftigen sich mit Problemfeldern im aktuellen Gesundheitssystem (Foto: Stefanie Rose)

Neuruppin, 23.09.2022

Unter dem Titel „Patient Gesundheitssystem. Wege zu einer patient*innenzentrierten Versorgung“ fand vom 19. bis 23. September 2022 am Campus Brandenburg an der Havel die diesjährige Summerschool der Medizinischen Hochschule Brandenburg (MHB) statt, bei der Studierende der Medizin und der Psychologie das Gesundheitssystem hinterfragten und auf den Prüfstand stellten.

„Ausgehend von der Feststellung, dass das Gesundheitssystem den Menschen und die Patienten aus dem Blick verloren hat, wollten wir unseren Medizinstudierenden im Rahmen der Summerschool die Gelegenheit geben, gleichsam „den Aufstand“ zu proben! Gemeinsam haben wir intensiv innovative Modelle und Konzepte für ein zukunftsfähiges Gesundheitswesen diskutiert und Wege aufgezeigt, die zu einem patient*innenzentrierteren Gesundheitssystem führen können, einem System, wie wir es alle verdienen“, erklärt Prof. Edmund Neugebauer als Projektleiter die Motivation zur inhaltlichen Ausrichtung der diesjährigen Summerschool.

Neugebauer kritisiert seit vielen Jahren, dass das Gesundheitssystem den Menschen und die Patient*innen aus dem Blick verloren habe. Spätestens nach der Corona_Pandemie kann es kein „Weiter so!“ geben. Wir haben in der Gesundheitsversorgung kein Ressourcenproblem, auch kein Problem unserer Leistungserbringer. Im Gegenteil: unsere Ärzt*innen und Pfleger*innen zählen auch international zu den Besten. Aber wir müssen feststellen, dass unser Gesundheitssystem im Ländervergleich zu teuer ist und vor allem die Fähigkeit verloren hat, sich selbst zu erneuern. Das in die Jahre gekommene System ist schwerfällig, dysfunktional und nicht mehr zukunftssicher. Die Digitalisierung kann hier sicher helfen, sie löst aber nicht grundlegende Strukturprobleme. Der Patient Gesundheitssystem braucht eine Radikalkur!“, so Neugebauer kämpferisch weiter.

Neugebauer stellt aber auch die besondere Verantwortung heraus, die Medizinischen Fakultäten bei der Ausbildung von Mediziner*innen zukommt: „Wir als Universität, die mit sehr praxisorientierten Studiengängen Ärzt*innen und Psychotherapeut*innen ausbildet, haben insbesondere auch eine Verantwortung gegenüber unseren Studierenden, die in ein ‚krankes Gesundheitssystem‘ entlassen werden. Die im Studium vermittelten Werte und Ideale können so in der rauen Versorgungswirklichkeit nicht gelebt werden. Für die Zukunft unserer Studierenden sind wir mitverantwortlich. Hierzu wollten wir mit der Summerschool einen Beitrag leisten“, so Neugebauer zu den Zielen der Summerschool.

In kleinen Arbeitsgruppen haben sich die Studierenden unter anderem mit den von ihnen ausgewählten Problemfeldern „Pflegenotstand“, „Fehlanreize“, „Wartezeiten“ und „Materialknappheit“ beschäftigt.

„Mir ist in der Summerschool noch einmal klar geworden, dass ich meine Ideale, Patient*innen ohne ökonomische Zwänge und zeitlichen Druck empathisch behandeln zu können, im aktuellen Gesundheitssystem in den überwiegenden Fällen nicht umsetzen kann. Auch aus diesem Grund muss das System jetzt dringend geändert werden“, fordert Jan Auswitz, Student der Humanmedizin und aktuell im Praktischen Jahr am Universitätsklinikum Ruppin-Brandenburg (ukrb).

„Gemeinsam mit allen beteiligten Berufsgruppen möchte ich am aktuellen Gesundheitssystem nicht kaputtgehen“, ergänzt Caroline Beck, Studentin der Humanmedizin im 5. Semester. Und Henrik Wachtel, Student der Psychologie, 3. Semester, wünscht sich mit Blick auf die langen Wartezeiten auch in der psychotherapeutischen Behandlung: „Ich möchte meine Patient*innen dann behandeln können, wenn sie es benötigen, und nicht erst Wochen danach.“

„In einem Gesundheitssystem, das die Gefahr birgt, wirtschaftliche Interessen über medizinische Interessen zu stellen, möchte ich als angehender Arzt, der sich unter Eid dem Patient*innenwohl verpflichten wird, zukünftig nicht tätig sein“, sagt auch Jillis Grüber, Student der Humanmedizin aus dem 5. Semester.

„Die Summerschool in diesem Jahr ist erneut etwas ganz Besonderes gewesen, sowohl von der inhaltlichen Ausrichtung als auch vom Signal, das die MHB in ihrem Einsatz für eine am Menschen und nicht am Gewinn orientierte Gesundheitsversorgung aussendet. Es hat mich gefreut zu sehen, dass unsere Studierenden bereits in mittleren Semestern in der Lage sind, nicht nur Schwachstellen im Gesundheitssystem zu erkennen und zu benennen, sondern auch Hintergründe zu recherchieren und mit Kreativitätstechniken auch erste Lösungsansätze zu erarbeiten“, fasst Prof. Edmund Neugebauer zusammen.

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