Aktuelles Novum in der märkischen Studienlandschaft

Novum in der märkischen Studienlandschaft

Medizin studieren in Brandenburg
Privat finanzierte Angebote von Initiativen

(Neuruppin/Bernau, 15.12.2012) Novum in der märkischen Studienlandschaft: Schon ab Herbst 2013 könnten in Brandenburg erstmals Mediziner ausgebildet werden. Der Antrag zur Gründung der Medizinischen Hochschule Brandenburg Theodor Fontane liegt dem Wissenschaftsrat von Bund und Ländern vor. „Wir rechnen im ersten Quartal 2013 mit einer Rückmeldung“, sagte Chefarzt Dieter Nürnberg von den Ruppiner Kliniken in Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin). Die Klinik und das Städtische Krankenhaus Brandenburg/Havel sind die Organisatoren. Das zweite private Vorhaben, die European University of Health, initiiert vom Verbund christlicher Kliniken Brandenburg, verfolgt einen anderen Ansatz. Es will sich nicht neu gründen, sondern sich als Niederlassung eines österreichischen Partners mithilfe eines Privatinvestors etablieren. Sitz soll Frankfurt (Oder) werden.

Beide Projekte wollen zum Wintersemester 2013/14 Studenten immatrikulieren. Einigkeit besteht darin, dass sie damit den Ärztemangel in der Mark nicht beheben. Nach Angaben der Landesärztekammer Brandenburg fehlen derzeit 120 Haus- und zwölf Fachärzte. Jeder Hausarzt betreue statistisch 1618 Einwohner, mehr als in jedem anderen Bundesland, berichtete die Kammer. Nur mit dem neuen Studium lasse sich der Mangel nicht beheben. Dennoch hofft die Kammer: „Wer zum Studium nach Brandenburg kommt, lässt sich danach möglicherweise auch als Arzt nieder.“ Das sehen die Initiatoren der Medizinerausbildung auch so.

„Ich hoffe, dass diejenigen, die in Brandenburg studiert und in einem Krankenhaus gearbeitet haben, auch im Land bleiben“, meinte Johannes Albes vom Bernauer Herzzentrum, das zum Verbund christlicher Kliniken gehört. Für das Studium gebe es rund 50 Interessenten. „Das Interesse ist riesig“, sagte der Chefarzt vom Herzzentrum Bernau. Das Modell sehe vor, dass die kooperierenden Krankenhäuser die Hälfte des Studiums bezahlten und sich die jungen Ärzte verpflichteten, ein paar Jahre an den Häusern zu bleiben. Die Studiengebühren betragen 11 000 Euro pro Jahr. Eine Zustimmung vom Land für das Projekt sei nicht nötig, wegen des ausländischen Partners.

Im Gegensatz dazu mussten die Akteure aus Westbrandenburg ihr Vorhaben beim Land einreichen. Gesundheitsministerin Anita Tack (Linke) unterstützt das Ansinnen. „Mit diesem Projekt könnte es geschafft werden, mehr Mediziner aufs Land zu bekommen“, sagte Tack. Brandenburg ist das einzige Flächenland ohne Medizinerausbildung.

Auch der Hausärzteverband Brandenburg sieht das Studium als eine Chance, Ärzte ins Land zu holen. Dazu müssten aber die Bedingungen stimmen, wie gute Versorgung, genug Schulen, merkte Präsident Ulrich Schwantes an. Das MBH-Projekt setze auf Ausbildung in Hausarztpraxen. Bei der Auswahl der Interessenten solle schon eine Rolle spielen, ob der Bewerber aus der Region komme und bleiben möchte, sagt der Chefarzt. Die Studenten müssten sich verpflichten, in Kliniken und Krankenhäusern Praktika zu machen sowie fünf Jahre an den Häusern zur Weiterbildung zu bleiben. Der Zeitplan der MBH sehe vor, am 1. Juni mit der Auswahl der 45 Bewerber zu beginnen. Studienbeginn solle am 14. Oktober sein, Studienorte seien Neuruppin und Brandenburg/Havel.

(Quelle: dpa, Potsdamer Neueste Nachrichten, 15.12.2012)

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