Kulturwinter im Modellversuch

Die Aufführung von „Linie 1“ an den Uckermärkische Bühnen in Schwedt ist die erste Veranstaltung, die im Rahmen des Projekts untersucht wird. (Quelle: Uckermärkische Bühnen in Schwedt / Sandra Zabelt)

Neuruppin/Potsdam, 09.09.2021

Musik und Tanz, Theater und Kabarett – wo es ging, wurden kulturelle Veranstaltungen in diesem Sommer nach draußen verlegt. Nun aber steht die kalte Jahreszeit bevor und damit die Frage: Können Kunst und Kultur wieder in geschlossenen Räumen erlebt werden? Das Potsdamer Harding-Zentrum für Risikokompetenz und die Medizinische Hochschule Brandenburg werden dies in Kooperation mit dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg wissenschaftlich untersuchen. Dabei ist geplant, einzelne Veranstaltungen zu begleiten und zu untersuchen, ob die gewählten Strategien zur Eindämmung der Infektionsrisiken aufgegangen sind.

Um trotz steigender Inzidenzen Kunst- und Kulturerlebnisse im Land Brandenburg zu ermöglichen, hat das Kultur- und Wissenschaftsministerium im Einvernehmen mit dem Gesundheitsministerium im kommenden Herbst und Winter vereinzelt Veranstaltungen als Modellprojekte zugelassen. Die Veranstalter verfolgen dabei verschiedene Konzepte zur Eindämmung des Infektionsrisikos. Wissenschaftler*innen des Harding-Zentrums für Risikokompetenz und der Medizinischen Hochschule Brandenburg Theodor Fontane (MHB) werden nun an insgesamt zehn Abenden zwischen dem 11. September 2021 und dem 8. Januar 2022 Veranstaltungen in Schwedt/Oder, Potsdam, Cottbus und Brandenburg an der Havel begleiten und die Wirksamkeit der ergriffenen Maßnahmen überprüfen.

„In vier der Veranstaltungen erproben wir etwa den Ansatz der sogenannten harten Tür“, sagt Prof. Dr. Michael Hauptmann, Leiter des Instituts für Biometrie und Registerforschung der MHB. „Diese harte Tür umfasst eine Doppeltestung für alle Gäste, unabhängig von ihrem Immunisierungsstatus.“ Statistische Analysen bestimmen, welches inzidenzabhängige Risiko trotz verschiedener Zugangsbeschränkungen besteht. Und es wird empirisch erhoben, welches Verhältnis von Risiko, Zugangsbeschränkungen und Hygienemaßnahmen von Gästen akzeptiert wird. Hieraus soll abgeleitet werden, inwieweit auch bei steigender Inzidenz und Impfdurchbrüchen Tür-Konzepte skalierbar sind und mit welcher Risikotoleranz und welchen Hygienemaßnahmen Veranstaltungen praktikabel durchführbar sind. Auf der Basis dieser Erkenntnisse sollen evidenzbasierte Vorschläge für zukünftige Sicherheitskonzepte gewonnen werden. Ein in anderen Bundesländern bereits eingeführter Versuch hat die 3-G-Regel als Ausgangspunkt, welche eine Vollauslastung mit Genesenen, Geimpften und Getesteten ermöglicht. Hier ist jedoch unklar, welche Infektionsrisiken entstehen, vor allem mit Blick auf steigende Inzidenzen. Aufgabe des Modellversuchs ist es deshalb im Rahmen von sechs der Veranstaltungen das Besucherverhalten zu überprüfen, die Rolle des Testens zu bestimmen und die Wirksamkeit des Lüftens zu evaluieren.

„Ziel unseres Modellversuchs ist es herauszufinden, wie Kultur auch unter anhaltenden Pandemiebedingungen in der kalten Jahreszeit weiterhin stattfinden kann“, sagt der wissenschaftliche Leiter des Harding-Zentrums, Dr. Felix Rebitschek. Offen ist, inwieweit die aus den Modellprojekten gewonnenen Erkenntnisse maßgebend auch für die landesrechtlichen Corona-Regelungen sein werden.

Ministerin Dr. Manja Schüle: „Hinter uns liegt ein emotionaler Kultursommer: Nach monatelangem Lockdown endlich wieder Kultur live, zum Anfassen, Mitfiebern, Gänsehautbekommen und vor allem: als Gemeinschaftserlebnis. Mit den Modellprojekten wollen wir, wissenschaftlich begleitet und mit sicheren Hygienekonzepten, Kultur weiterhin erlebbar machen. Ich bin dankbar, dass das Harding-Zentrum für Risikokompetenz und die Medizinische Hochschule Brandenburg dies in Kooperation mit uns wissenschaftlich untersuchen. Sie begleiten einzelne Veranstaltungen, testen neue Modelle und evaluieren, ob die gewählten Strategien zur Eindämmung der Infektionsrisiken funktionieren. Bei den Modellprojekten haben wir uns erneut eng mit den Kultur-Einrichtungen abgestimmt – wie schon in den vergangenen Monaten. Denn: Kultur braucht Perspektive und Zukunft. Und wir brauchen Kultur.“

Das Ministerium fördert die wissenschaftliche Begleitung der Modellprojekte mit rund 40.000 Euro. Los geht es am Samstag mit der Premiere des Stücks ‘Linie 1‘ an den Uckermärkischen Bühnen Schwedt. Dort sollen das Besucherverhalten, die Rolle des Testens und die Wirksamkeit des Lüftens in Veranstaltungsräumen überprüft werden. Weitere Modellprojekte sind am Staatstheater Cottbus, im Nikolaisaal Potsdam sowie in der Jugendkulturfabrik ‘Haus der Offiziere‘ in Brandenburg an der Havel geplant.

 

Das Harding-Zentrum für Risikokompetenz
wechselte 2020 vom Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung nach Potsdam an die Fakultät für Gesundheitswissenschaften Brandenburg. Es steht für Aufklärung, für die allgemeinverständliche Aufbereitung von Fakten und für die Entwicklung analoger und digitaler Werkzeuge, die dabei helfen, informierte und effiziente Gesundheits- und Verbraucherentscheidungen zu treffen. Das Team des Harding-Zentrums führt Studien, Expertenbefragungen und Umfragen in der Bevölkerung durch. Zudem organisiert es Fort- und Weiterbildungen für Ärzte, Journalisten und Verbraucherschützer, für die es besonders wichtig ist, Risiken richtig zu interpretieren und verständlich gegenüber Patienten und der allgemeinen Öffentlichkeit vermitteln zu können.

Die Medizinische Hochschule Brandenburg
Die Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane, eine der Trägerhochschulen der Fakultät für Gesundheitswissenschaften Brandenburg, ist eine staatlich anerkannte Universität in kommunaler und freigemeinnütziger Trägerschaft. Mit ihren vier Universitätskliniken Immanuel Klinikum Bernau Herzzentrum Brandenburg, Immanuel Klinik Rüdersdorf, Ruppiner Kliniken und Städtisches Klinikum Brandenburg sowie aktuell insgesamt über 35 kooperierenden Krankenhäusern und mehr als 150 Lehrpraxen steht sie für praxisorientierte und wissenschaftsbasierte Lehrkonzepte sowie für die Einheit von Forschung, Lehre und Patientenversorgung im Land Brandenburg und darüber hinaus.

Die Fakultät für Gesundheitswissenschaften Brandenburg
wurde 2018 als gemeinsame Fakultät der Universität Potsdam, der Medizinischen Hochschule Brandenburg Theodor Fontane und der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg gegründet. Sie bildet den Kern des Gesundheitscampus Brandenburg. Ziel ist es, neuartige medizinische, pflegerische und medizin-technische Versorgungsangebote sowie innovative Studiengänge zu entwickeln. In Kooperation mit weiteren Hochschulen und Forschungseinrichtungen soll die Fakultät zur Verbesserung der medizinischen Versorgung im Flächenland Brandenburg beitragen.

Kontakt
Dr. Felix G. Rebitschek
Wissenschaftlicher Leiter und Geschäftsführer des Harding-Zentrums für Risikokompetenz
E-Mail: rebitschek@uni-potsdam.de

Medienkontakt
Antje Horn-Conrad
Universität Potsdam
Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: +49 331 977-1474
E-Mail: presse@uni-potsdam.de

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