Aktuelles Implementieren und E

Implementieren und Evaluieren - aber wie?

Potsdam, 20.07.2017

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Besser versorgt. Brandenburger Gespräche zur Versorgungsforschung“ fanden in der Landesärztekammer Brandenburg in Potsdam zwei weitere Vorträge statt. Im Fokus der beiden letzten Vorträge vor der Sommerpause stand das Thema "Implementieren und Evaluieren - aber wie?"

„Versorgungsforschung muss beim Patienten ankommen, sie muss in der Praxis zu spür- und messbaren Verbesserungen führen“, sagte Prof. Edmund A. Neugebauer, Dekan der MHB und Initiator der Vortragsreihe. „Ich freue mich sehr, dass wir heute mit Dr. Ute Karbach von der Universität zu Köln und mit Prof. Michel Wensing von der Universität Heidelberg zwei ausgewiesene Experten begrüßen dürfen, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven dem Thema ‚Implementieren und Evaluieren‘ widmen werden“, begrüßte Neugebauer die beiden Referenten und die erneut zahlreich erschienenen Gäste.

Dr. Ute Karbach (Bildmitte) und Prof. Michel Wensing (1.v.r.) waren der Einladung von Prof. Neugebauer (1.v.l.) gefolgt

Prof. Dr. Michel Wensing ist Professor für Versorgungsforschung und Implementierungswissenschaften im Gesundheitswesen an der Universität Heidelberg, ist Mitherausgeber des Buches „Changing Professional Practice“ und seit 2012 Chefredakteur der Zeitschrift „Implementation Science“.

In seinem Vortrag widmete sich der gebürtige Niederländer den Fragen, wie die Versorgungsforschung in den Versorgungsalltag kommt, in welchen zeitlichen Dimensionen dies geschieht, welche verschiedenen Umsetzungs- und Verbreitungsstrategien es gibt und welche Rolle finanzielle Anreize, Gesetze und Regelungen oder Fort- und Weiterbildungen dabei spielen. Wensing wies in dem Zusammenhang auch darauf hin, dass insbesondere in Deutschland die Einbeziehung der Patienten eher unüblich sei. Zusammenfassend schloss er, dass es nicht den einen Königsweg in der Umsetzung von Forschung in den Alltag gebe, sondern dass es aufgrund der Komplexität der jeweiligen Projekte und Fälle stets individueller maßgeschneiderter Lösungen sowie neuer Ideen und systematischer Herangehensweisen bedürfe.

Im Anschluss an diese eher theoretisch und konzeptionell orientierten Überlegungen widmete sich Dr. rer. pol. Ute Karbach vom Institut für Medizinsoziologie, Versorgungsforschung und Rehabilitationswissenschaft (IMVR) der Humanwissenschaftlichen Fakultät und der Medizinischen Fakultät der Universität zu Köln in ihrem Vortrag eher der praktischen Seite des Themas und stellte in ihren Praxisberichten drei verschiedene, konkrete Projekte vor. Auch hier wurde deutlich, wie unterschiedlich, vielschichtig und komplex der Prozess ist, Versorgungsforschung in den Versorgungsalltag zu integrieren, zu implementieren und anschließend auch zu evaluieren. „Ziel ist es, die Versorgungskonzepte als auch die Versorgungsqualität im Gesundheits- und Sozialwesen zu evaluieren, auf der Grundlage evidenzbasierter Erkenntnisse zu gestalten und zu verbessern, um so einer Unter-, Über- oder Fehlversorgung entgegenzuwirken. Das Wichtigste hierbei ist, dass alle Akteure, die an Forschung und Versorgung mitwirken, beteiligt werden“, fasste Karbach zusammen.


 

Da die MHB aktuell auch die Einführung eines Masterstudiengangs Versorgungsforschung prüft, waren die Erfahrungen, die sowohl Prof. Wensing als Studiengangsleiter des von ihm kürzlich in Heidelberg initiierten Masterprogramms „Versorgungsforschung und Implementierungswissenschaft im Gesundheitswesen“ (M.Sc.) als auch Dr. Karbach in dem von ihr in Köln seit 2015 koordinierten „Master-Verbundstudiengang Versorgungswissenschaft“ (M.Sc.) gewinnen konnten, ebenfalls von großem Interesse.

Die Gesprächsreihe zu aktuellen Themen der Versorgungsforschung war am 15.02.2017 in Kooperation mit der Landesärztekammer Brandenburg in Potsdam gestartet. Unter dem Titel „Besser versorgt. Brandenburger Gespräche zur Versorgungsforschung“ fanden bis zum Juli einmal monatlich regelmäßig Veranstaltungen mit renommierten Referenten statt, die in diesem Rahmen ihre Konzepte, Methoden und Studien zur Versorgungsforschung vorstellten. Veranstaltungsbeginn war jeweils um 18 Uhr. Der Eintritt war frei. Die Gesprächsreihe wurde bei der Landesärztekammer Brandenburg als Fortbildungsveranstaltung zertifiziert.

Alle Termine, Themen und Referenten der zurückliegenden Reihe sehen Sie in der Übersicht hier.

Sie haben den Vortrag verpasst? Kein Problem: Die bisher fertig gestellten und von den jeweiligen Referenten zur Veröffentlichung freigegebenen Vorträge können hier als Video-Mitschnitte in voller Länge angeschaut werden. Die Reihe wird im kommenden Semester fortgeführt.

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