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Hautkrebs heilen

Neuruppin, 29. Juni 2022

Wie eine internationale klinische Studie mit Beteiligung der MHB zeigt, kann eine Immuntherapie des malignen Melanoms eine Operation und eine anschließende Chemo- und/oder Strahlentherapie verhindern. Die den Forschungsergebnissen zugrundeliegende Biostatistik kommt aus Neuruppin.

„Die Ergebnisse unserer klinischen Studie zeigen, dass Patient*innen mit einem Melanom der Haut im fortgeschrittenen Stadium auf eine Operation und anschließende Chemo- und/oder Strahlentherapie verzichten können, wenn sie auf eine vorgeschaltete Immuntherapie positiv reagieren. Sie haben dann dennoch eine ausgezeichnete, rückfallfreie Überlebenswahrscheinlichkeit bei gleichzeitig höherer Lebensqualität durch die Vermeidung der Nebenwirkungen von Operation und anschließender Behandlung. Das sind für betroffene Patient*innen sehr gute Nachrichten“, freut sich Dr. Katarzyna Jóźwiak, die als Statistikerin am Institut für Biometrie und Registerforschung der Medizinischen Hochschule Brandenburg maßgeblich an der Auswertung der PRADO-Studie beteiligt war.

Die PRADO-Studie ist eine Phase-2-Studie unter 99 Patient*innen mit einem Melanom im Stadium III, die vor der Operation eine sogenannte neoadjuvante Immuntherapie mit den beiden Substanzen Ipilimumab und Nivolumab bekamen, die das körpereigene Immunsystem aktivieren sollte. Als neoadjuvante oder präoperative Therapie wird in der Onkologie eine Therapie bezeichnet, die zur Reduktion der Tumorgröße vor einem geplanten operativen Eingriff durchgeführt wird. Das Ziel der neoadjuvanten Therapie ist es, eine verbesserte Ausgangssituation für die Operation zu erreichen, eine Erkrankung überhaupt erst operabel zu machen oder auf schwerwiegende Eingriffe verzichten zu können.

Bei 61% der Patient*innen sprach der Tumor stark auf diese vorgelagerte Immuntherapie an, so dass bei diesen Patient*innen auf die übliche chirurgische Lymphknotendissektion und eine anschließende systemische Therapie mit oder ohne synchrone Strahlentherapie verzichtet werden konnte. Diese Patient*innen erreichten nicht nur eine rezidivfreie Überlebenswahrscheinlichkeit nach 24 Monaten von 93%, sondern auch eine deutlich bessere Lebensqualität als Patient*innen mit Lymphknotendissektion und systemischer Chemo- oder Strahlentherapie, die schwere Langzeitwirkungen haben können. Der Krebs kam bei diesen Patient*innen nicht nur nicht zurück, sondern es ging ihnen auch besser. Da der Hautkrebs aber auch nach zwei Jahren noch zurückkehren kann, ist eine Fortsetzung der Studie geplant. Darüber hinaus sollen im nächsten Schritt noch mehr Patient*innen mit der Immuntherapie behandelt werden.

„Die Ergebnisse zum Einsatz von Immuntherapie sind ein erster Schritt für eine sichere und personalisierte Deeskalation der Behandlung bei ausgewählten Patient*innen mit Melanom im Stadium III“, fasst Prof. Michael Hauptmann zusammen, Professor für Biometrie und Registerforschung und Leiter des Instituts für Biometrie und Registerforschung der MHB.

Die Studie wurde geleitet von Forscher*innen des Antoni van Leeuwenhoek-Instituts in Amsterdam und schloss Patient*innen aus den Niederlanden und Australien ein. Die Ergebnisse der Studie wurden Anfang Juni auf der Tagung der Amerikanischen Gesellschaft für klinische Onkologie (ASCO) in Chicago vorgestellt und zeitgleich in der renommierten Zeitschrift Nature Medicine publiziert. Die Studie kann hier gelesen werden.

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