Feiern bis der Arzt kommt?

Neuruppin/Potsdam, 12.08.2021

Die Medizinische Hochschule Brandenburg und das Potsdamer Harding-Zentrum für Risikokompetenz übernehmen in Kooperation mit dem Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Energie Brandenburg die wissenschaftliche Begleitung der Festivals „Nation of Gondwana“ und „Zurück zu den Wurzeln“. Dabei evaluieren sie in einer gemeinsamen Studie Teststrategien zu der Frage, inwieweit Open-Air-Veranstaltungen auch unter Pandemiebedingungen sicher durchgeführt werden können. Erste Ergebnisse hierzu sollen im Herbst vorliegen.

Trotz des anhaltenden pandemischen Geschehens und auch bei steigenden Inzidenzzahlen sollen kulturelle Veranstaltungen in Brandenburg wieder ermöglicht werden. Das Wirtschaftsministerium Brandenburg hat deshalb in diesem Sommer vereinzelt Kulturveranstaltungen in Form von Modellprojekten zugelassen. Die Veranstaltungen beinhalten ein Maßnahmenkonzept zur Eindämmung des Infektionsrisikos und werden wissenschaftlich begleitet. Wissenschaftler*innen der Medizinischen Hochschule Brandenburg Theodor Fontane (MHB) und des Harding-Zentrums für Risikokompetenz untersuchen an insgesamt vier Wochenenden zwischen dem 16. Juli und dem 15. August die Festivals „Nation of Gondwana“ und „Zurück zu den Wurzeln“.

„Open-Air-Veranstaltungen mit hohen Teilnehmer*innenzahlen bergen mit Blick auf die Virusübertragung ein besonderes Risiko. Bestehende Hygienekonzepte machen Veranstaltungen mit zahlenden Gästen jedoch ökonomisch und praktisch undurchführbar. Ziel des Modellprojektes ist es deswegen, Konzepte zu erproben, die strenge Zugangsbeschränkungen in Form konsequenter Teststrategien beinhalten und nach Einlass nur geringe Einschränkungen nötig machen“, erklärt Prof. Dr. Michael Hauptmann, Leiter des Instituts für Biometrie und Registerforschung der MHB.

„Das Projekt besteht aus drei Bausteinen: einer statistischen Analyse der Risiken dieser Veranstaltungen, der Auswertung der Veranstalterdaten und schließlich einer Befragung von Teilnehmenden“, erläutert Dr. Felix Rebitschek, wissenschaftlicher Leiter des Harding-Zentrums für Risikokompetenz.

„Schon jetzt sehen wir eine hohe Bereitschaft der Besucher*innen, bei unserer Studie mitzumachen“, sagt Prof. Hauptmann. Die Festivalbesucher*innen hätten offenbar selbst ein großes Interesse daran, die Forschung zu unterstützen. Wenn es gut laufe, werden fast die Hälfte der jeweiligen Besucher*innen die Fragen beantworten. Gefragt werden sie zum Beispiel, inwieweit sie mit verschiedenen Maßnahmen einverstanden waren, wie sie sich persönlich verhalten haben, ob es Momente gab, in denen sie sich unsicher und in Sorge fühlten, und schließlich ob es Infektionen und Folgeinfektionen im eigenen Haushalt gab.

„Mit unserem Team ermitteln wir statistisch das inzidenzabhängige Risiko bei verschiedenen Zugangsbeschränkungen und untersuchen, welches Verhältnis von Risiko, Zugangsbeschränkungen und Hygienemaßnahmen die Gäste akzeptieren. Aus der Zusammenschau der Befragung zusammen mit den gelieferten objektiven Daten lassen sich dann sehr solide Schlüsse auf die Sicherheit von Veranstaltungen ziehen. Wir hoffen dadurch herauszufinden, wie kulturelle Veranstaltungen auch unter anhaltenden Pandemiebedingungen sicher und akzeptiert stattfinden können“, so Prof. Hauptmann weiter.

Die Kooperation des Harding-Zentrums mit der MHB ist durch die gemeinsame Zugehörigkeit zur Fakultät für Gesundheitswissenschaften Brandenburg entstanden. Erste Ergebnisse werden für den Herbst erwartet.


Die Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane
Die Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane, eine der Trägerhochschulen der Fakultät für Gesundheitswissenschaften Brandenburg, ist eine staatlich anerkannte Universität in kommunaler und freigemeinnütziger Trägerschaft. Mit ihren vier Universitätskliniken Immanuel Klinikum Bernau Herzzentrum Brandenburg, Immanuel Klinik Rüdersdorf, Ruppiner Kliniken und Städtisches Klinikum Brandenburg sowie aktuell insgesamt über 35 kooperierenden Krankenhäusern und mehr als 150 Lehrpraxen steht sie für praxisorientierte und wissenschaftsbasierte Lehrkonzepte sowie für die Einheit von Forschung, Lehre und Patientenversorgung im Land Brandenburg und darüber hinaus.

Das Harding-Zentrum für Risikokompetenz
Das Harding-Zentrum für Risikokompetenz wechselte 2020 vom Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung nach Potsdam an die Fakultät für Gesundheitswissenschaften Brandenburg. Es steht für Aufklärung, für die allgemeinverständliche Aufbereitung von Fakten und für die Entwicklung analoger und digitaler Werkzeuge, die dabei helfen, informierte und effiziente Gesundheits- und Verbraucherentscheidungen zu treffen. Das Team des Harding-Zentrums führt Studien, Expertenbefragungen und Umfragen in der Bevölkerung durch. Zudem organisiert es Fort- und Weiterbildungen für Ärzte, Journalisten und Verbraucherschützer, für die es besonders wichtig ist, Risiken richtig zu interpretieren und verständlich gegenüber Patienten und der allgemeinen Öffentlichkeit vermitteln zu können.

Die Fakultät für Gesundheitswissenschaften Brandenburg
Die Fakultät für Gesundheitswissenschaften Brandenburg wurde 2018 als gemeinsame Fakultät der Universität Potsdam, der Medizinischen Hochschule Brandenburg Theodor Fontane und der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg gegründet. Sie bildet den Kern des Gesundheitscampus Brandenburg. Ziel ist es, neuartige medizinische, pflegerische und medizin-technische Versorgungsangebote sowie innovative Studiengänge zu entwickeln. In Kooperation mit weiteren Hochschulen und Forschungseinrichtungen soll die Fakultät zur Verbesserung der medizinischen Versorgung im Flächenland Brandenburg beitragen.

Kontakt
Dr. Felix G. Rebitschek, Wissenschaftlicher Leiter und Geschäftsführer des Harding-Zentrums für Risikokompetenz
E-Mail: rebitschek@uni-potsdam.de

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