Studierende richten ersten Papaya-Workshop an der MHB aus

Neuruppin, 29.11.2021

Am vergangenen Mittwoch fand der erste Papaya-Workshop an der Medizinischen Hochschule Brandenburg (MHB) statt, organisiert von Studierenden der AG Theodora stellt gleich und solimed* in Kooperation mit Medical Students for Choice (msfc) Berlin und doctors for choice e.V. Bei einem Papaya- Workshop lernen Studierende unter Anleitung erfahrener Gynäkolog*innen am Modell der gebärmutterähnlichen Tropenfrucht, wie ein Schwangerschaftsabbruch sicher durchgeführt werden kann.

„Allein in Deutschland werden jährlich rund 100.000 Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt. In der Gynäkologie zählt ein Schwangerschaftsabbruch zu einem der häufigsten Eingriffe. Dennoch kommt das Thema Schwangerschaftsabbruch – vor allem in der praktischen Übung - kaum bis gar nicht in den Curricula der Medizinischen Fakultäten in Deutschland vor. Und wenn doch, dann taucht es häufig vor allem im Zusammenhang mit Sexualstraftaten und/oder schwerstkranken Ungeborenen auf. Das bildet jedoch die Realität ungewollt schwangerer Menschen völlig unzureichend ab“, erklärt Medizinstudentin Rebecca die Motivation zur Organisation des ersten Papaya-Workshops an der MHB.

Bei einem Papaya- Workshop lernen Studierende unter Anleitung erfahrener Gynäkolog*innen am Modell der gebärmutterähnlichen Tropenfrucht, wie ein Schwangerschaftsabbruch sicher durchgeführt wird. „Ein Schwangerschaftsabbruch gehört zur medizinischen Grundversorgung und körperlichen Selbstbestimmung von allen Menschen mit Uterus!“, sagt Lea aus dem Organisationsteam.

Aus der Tabuzone holen

In Deutschland sind Schwangerschaftsabbrüche rechtlich im Strafgesetzbuch geregelt. Ein Schwangerschaftsabbruch ist innerhalb der ersten zwölf Wochen und nach einer obligatorischen Beratung straffrei. Hochschulen sind laut aktueller Approbationsordnung nicht verpflichtet, praktische und methodische Aspekte in der Ausbildung zu berücksichtigen.

„Ob, und wenn ja, in welchem Umfang Hochschulen Schwangerschaftsabbrüche in der Lehre thematisieren, entscheidet jede Hochschule selbst. Als studentische Initiative wollen wir an der MHB das Thema aus der Tabuzone holen und uns für die Entstigmatisierung und Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen und die Verbesserung der medizinischen Ausbildung zum Schwangerschaftsabbruch einsetzen. Die Vermittlung des entsprechenden medizinischen Wissens und die Vermittlung der entsprechenden praktisch-methodischen Fertigkeiten und Kompetenzen gehören zusätzlich zu der Diskussion der mit so einer Entscheidung verbundenen ethischen Fragen ebenfalls unbedingt ins Medizinstudium“, ergänzt Anne, ebenfalls aus Organisationsteam.

Im ersten Teil des Workshops erklärte Dr. Christiane Tennhardt von doctors for choice Berlin e.V. zunächst ausführlich verschiedene Methoden des Schwangerschaftsabbruchs. Im zweiten Teil des Workshops konnten die Studierenden den Ablauf dann unter Supervision von vier Gynäkologinnen und drei Studentinnen von msfc Berlin an den uterusförmigen Papayas üben, wie die Kerne mit Hilfe der Absaugmethode entfernt werden können. „Es war erstaunlich, wie einfach die medizinisch sichere Methode der Vakuumaspiration durchzuführen ist. Was ich heute außerdem gelernt ist, dass unabhängig von der Fachrichtung alle Ärzt*innen mit einer entsprechenden Zertifizierung Schwangerschaftsabbrüche legal und sicher durchführen können“, schildert Lea ihre gewonnenen Erkenntnisse.

„Das Thema Schwangerschaftsabbruch hat nicht nur eine medizinische, sondern auch rechtliche und gesellschaftspolitische Dimensionen. Wir sind als Mediziner*innen und angehende Ärzt*innen in der Verantwortung, unsere Patient*innen immer bestmöglich und umfassend zu begleiten und zu beraten, damit sie ihre Entscheidungen informiert und unter Berücksichtigung verschiedener Aspekte treffen können – ein Schwangerschaftsabbruch gehört definitiv dazu!“, meint Medizinstudent Wesley. „Die rund 40 vorhandenen Workshop-Plätze waren innerhalb weniger Stunden alle vergeben, über 30 weitere Studierende hatten sich auf die Warteliste setzen lassen – ein Zeichen dafür, wie wichtig und notwendig die stärkere Verankerung im Medizinstudium ist!“, fasst Rebecca zusammen.

„Wir waren überwältigt von den vielen Anmeldungen und freuen uns wahnsinnig, dass unser Angebot so gut angenommen wurde. Wir danken Initiativen wie msfc Berlin und doctors for choice e.V. für die wichtige Arbeit und die gute Zusammenarbeit! Auch die positiven Rückmeldungen der Workshop-Teilnehmer*innen zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, resümiert Lilith.

Weitere Informationen zum Papaya-Workshop finden sich hier.

Zurück