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Robert Koch als brandenburgischer Landarzt

Neuruppin/Niemegk, 21.10.2022

Am gestrigen Donnerstag, den 20. Oktober 2022 wurde im Hohen Fläming vor dem Rathaus der Stadt Niemegk eine neue Infotafel für Robert Koch eingeweiht. Als Gäste nahmen u.a. Vertreter*innen der Medizinischen Hochschule Brandenburg (MHB), des Robert Koch-Instituts (RKI) und des brandenburgischen Landtags teil. Schüler*innen der Robert-Koch-Grundschule Niemegk wirkten ebenfalls mit.

Robert Koch begab sich nach seinem Medizinstudium (1862-1866) in Göttingen und einer ersten Festanstellung bei Hannover im Sommer 1868 auf die Suche nach einer Niederlassung als Landarzt in Preußen. Voller Hoffnung, dass sich seine berufliche und wirtschaftliche Situation im Südwesten Brandenburgs verbessern würde, fand er im Hohen Fläming im Städtchen Niemegk eigene Praxisräume. Sein erster Eindruck von der Stadt schien recht positiv, denn er schrieb in einem Brief an seinen Vater kurz nach der Ankunft, dass der Ort Niemegk, „...ein recht nettes, reinliches Städtchen [sei und die Einwohner] einen ganz gemütlichen Umgang gewähren, so daß man nicht ganz auf sich selbst angewiesen ist“.

Koch machte durch Annoncen als Allgemeinarzt, Wundarzt und Geburtshelfer auf sich aufmerksam. Doch die Bevölkerung in Niemegk war arm und sah eine günstigere Alternative zum Arztbesuch in einfachen Hausmitteln, preiswerten Naturheilmitteln aus der Apotheke oder im Rat von sogenannten „weisen Frauen“. Es kam außerdem zu einer Auseinandersetzung mit dem damaligen Bürgermeister. Dieser soll den jungen Arzt in Anspielung auf seine gehaltenen Versuchstiere als „Mäusedoktor“ beschimpft haben, was Koch dazu bewegte, ihn zu ohrfeigen. Der junge Arzt verließ daraufhin (auch aufgrund der misslichen wirtschaftlichen Lage) Niemegk im Juli 1869.

Auf Initiative von Wilhelm Roloff (1899-1949), Chefarzt im Krankenhaus Treuenbrietzen, ließen die märkischen Ärzte an der Fassade des Hauses (heute Großstraße 69), in dem Robert Koch mit Frau und Tochter in Niemegk wohnte, 1939 eine kleine, heute kaum sichtbare Gedenktafel anbringen. „Mit einer größeren Informationstafel vor dem Niemegker Rathaus, gegenüber Kochs ehemaliger Arbeitsstätte, wird nun an seine kurze Wirkungszeit in Brandenburg erinnert. Der Medizinjournalist Eckart Roloff, Sohn Wilhelm Roloffs, nahm auch an der Einweihung der neuen Informationstafel teil“, sagt PD Dr. Andreas Jüttemann, Initiator der Veranstaltung und wissensenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Anatomie der MHB.

Die Idee zur Anbringung einer Informationstafel ist während eines Wissenschaftspraktikums der MHB-Studentin Janis Pehl entstanden, die unweit von Kochs Wirkungsstätte Niemegk aufgewachsen ist. Auf einer Studienreise besuchte sie gemeinsam mit Jüttemann und Dr. Benjamin Kuntz, Medizinhistoriker am RKI, Stationen in Brandenburg und dem heutigen Polen, in denen Robert Koch als Landarzt wirkte, bevor er im Jahre 1880 zum Leiter des Kaiserlichen Gesundheitsamtes in Berlin berufen wurde.

„Diese Orte markieren einen wechselvollen Lebensabschnitt Kochs als junger Landarzt, der heute zunehmend in Vergessenheit geraten ist. Der Mangel an Landärzt*innen ist eine aktuelle gesellschaftliche Aufgabe, die in den kommenden Jahren immer mehr Bedeutung gewinnen wird. Bereits jetzt stellt sie vielerorts ein gesundheitspolitisches Problem dar“, so Janis Pehl, die überlegt, nach Abschluss ihres Medizinstudium als Landärztin tätig zu werden. So wie einst auch Robert Koch.

 

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