„Beachtliches Engagement!“

Ministerin Nonnemacher (1. v.l.) und Gleichstellungsbeauftragte Dörnenburg (2. v.l.) besuchen MHB

Brandenburg an der Havel, 19.07.2021

Ursula Nonnemacher, Ministerin für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg, informierte sich am vergangenen Donnerstag vor Ort am Campus Brandenburg an der Havel gemeinsam mit der Landesgleichstellungsbeauftragten Manuela Dörnenburg bei der studentischen Initiative „Theodora stellt gleich“ über vergangene und aktuelle Aktivitäten und lobte deren Engagement für Gleichstellung und gegen Diskriminierung.

„Der Name Theodora ist die weibliche Form des männlichen Namens Theodor, den die Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane ja im Namen trägt. Mit der Namensgebung wollten wir einen ersten feministischen Akzent setzen gegen die auch an der MHB vorherrschende Dominanz der Männer in Lehre, Forschung und Patient*innenversorgung“, erklärte Cindy Stern, Medizinstudentin und eine der Initiatorinnen der studentischen Arbeitsgruppe.

„Die MHB ist ja noch eine vergleichsweise sehr junge Universität, eigentlich immer noch ein Startup. In den ersten Jahren lag der Schwerpunkt auf der Qualität der Lehre und Forschung, das Thema Gleichstellung stand nicht im Fokus. So ist es auch nicht verwunderlich, dass wir in der Lehre überwiegend von männlichen Professoren und Dozenten unterrichtet werden, die dann mitunter klassische Rollenmuster bedienen und von Ärzten und Schwestern berichten, nicht aber von Ärztinnen und Pflegern. Krankheitsbilder und Behandlungsmöglichkeiten sind überwiegend auf weiße Männer zugeschnitten, in den Kliniken finden wir fast ausschließlich Chefärzte und nur als seltene Ausnahme auch mal eine Chefärztin. Unsere Wahrnehmung ist, dass es insgesamt gesellschaftlich und allgemein in der Gesundheitsversorgung, aber auch an der MHB in dieser Hinsicht noch Nachholbedarf und Entwicklungspotenzial gibt. Aus diesem Grund haben wir die Initiative ‚Theodora stellt gleich‘ ins Leben gerufen“, ergänzte Rebecca Lehmann, ebenfalls Medizinstudentin und Mitgründerin der AG.

Als eine der ersten Aktivitäten richteten die Studentinnen im November 2019 einen „Aktionstag gegen Sexismus“ aus, organisieren anschließend unter dem Titel „Theodora trifft…“ eine regelmäßig stattfindende Vortragsreihe, gründen ein Frauennetzwerk mit regelmäßigen Treffen und leisten mit Teilnahmen am Sexualkundeunterricht selbst in Schulen einen Beitrag zur gendergerechten sexuellen Aufklärung von Schüler*innen.

Ministerin Nonnemacher (1. v.r.) tauschte sich mit Studentinnen der Initiative "Theodora stellt gleich" aus

Das patriarchalisch geprägte Imperium schlägt zurück

„Das ist ein beachtliches Engagement und ein schönes Beispiel für Selbstwirksamkeit, wenn Sie dann feststellen, dass sich durch Ihre Aktivitäten in Universität, Kliniken und selbst in Schulen Veränderungen ergeben“, lobte Gesundheitsministerin Nonnemacher die Studentinnen. Schließlich sei die Gleichstellung von Frauen und Männern auch im Land Brandenburg noch längst nicht realisiert. Zwar gebe es hier auf der einen Seite deutliche Signale der Öffnung, Angleichung und Verbesserung, die Zahl der sehr gut qualifizierten Abiturientinnen und Studentinnen nehme etwa kontinuierlich zu, auch seien Frauen ähnlich häufig erwerbstätig wie Männer und rund jeder zweite Vater nehme inzwischen Elternzeit-Monate in Anspruch; auf der anderen Seite sei aber auch zu beobachten, dass das „patriarchalisch geprägte Imperium zurückschlage“, und das nicht nur in der Politik.

„Die Ungleichheiten sind trotz aller Fortschritte nach wie vor vorhanden und betreffen alle Lebensbereiche, von der Ausbildungssituation und Arbeitswelt über die gesundheitliche und soziale Lage bis hin zur Teilhabe im öffentlichen und politischen, aber auch im gesundheitlichen und wissenschaftlichen Bereich. Trotz sehr guter Qualifikation sind Frauen in Führungspositionen nach wie vor stark unterrepräsentiert, Frauen verdienen durchschnittlich immer noch weniger als Männer, auch bei gleicher Tätigkeit, Altersarmut ist überwiegend weiblich und Frauen sind wesentlich häufiger von häuslicher und sexualisierter Gewalt betroffen“, stellte auch Landesgleichstellungsbeauftragte Manuela Dörnenburg heraus. Das zu ändern sei bei allem individuellen Engagement auch eine Aufgabe der Politik, fanden alle anwesenden Frauen.

„Haltet durch, bildet Netzwerke, fördert Frauen und stärkt Euch gegenseitig den Rücken!“, empfahl Ministerin Nonnemacher abschließend den Studentinnen. „Wir haben uns über den Besuch der Ministerin, über ihr ehrliches Interesse an unseren Aktivitäten und über die damit auch zum Ausdruck gebrachte Anerkennung und Wertschätzung unseres Engagements für Gleichstellung und gegen Diskriminierung sehr gefreut. Das gibt uns Kraft und Rückenwind für den vor uns liegenden Weg“, schauten die Studentinnen nach vorne.

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