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Aus dem Leben gerissen

Plakatkampagne klärt auf (Bildmontage: wall GmbH)

Neuruppin/Berlin, 22.02.2022

Mit der Plakatkampagne „Aus dem Leben gerissen“ ist heute eine groß angelegte Informationsoffensive gestartet. Ziel ist es, die Öffentlichkeit in Berlin und Brandenburg über die lebensbedrohliche Sepsis zu informieren. Initiator ist das vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) geförderte „SepWiss“ Projekt.

„Sepsis ist die schwerste Verlaufsform einer Infektion. Sepsis liegt vor, wenn die Abwehrreaktion des Körpers die eigenen Organe wie Lunge, Herz und Niere schädigt. Unbehandelt ist eine Sepsis immer tödlich. Dabei wären viele der sepsis-bedingten Todesfälle durch eine bessere Vorbeugung, eine Kenntnis der Frühwarnzeichen oder eine Behandlung als Notfall vermeidbar gewesen. Und hier setzt unsere Plakatkampagne an“, erklärt Prof. Dr. Edmund Neugebauer, Projektleiter an der Medizinischen Hochschule Brandenburg (MHB).

Sepsis keine Seltenheit

Sepsis ist dabei keine Seltenheit: Allein in Deutschland ist jährlich von mindestens 340.000 im Krankenhaus behandelten Sepsisfällen und rund 100.000 sepsis-assoziierten Todesfällen auszugehen. „Da der Großteil der Sepsis außerhalb des Krankenhauses entsteht, ist es sehr wichtig, dass mehr Menschen wissen, wie man eine Sepsis vermeidet oder sie zumindest als Notfall rechtzeitig erkennt“, sagt Prof. Neugebauer. Schätzungsweise rund 30% der Bevölkerung in Berlin und Brandenburg haben ein erhöhtes Risiko, eine Sepsis zu erleiden.

Besonders häufig betroffen sind dabei Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes, einer Schwäche des Abwehrsystems, Kinder unter einem Jahr und ältere Menschen. Sepsis kann jedoch jeden treffen: „Wir freuen uns deshalb sehr, dass wir jetzt durch Plakataktionen im öffentlichen Raum auf die tödlichen Risiken einer Sepsis aufmerksam machen können. Es werden Print-Poster und digitale Animationen unserer Motive ‚Aus dem Leben gerissen‘ auf Plakatwänden und an Haltestellen in Berlin und Brandenburg zu sehen sein. Auch in der Apotheke, in der Arztpraxis, dem Pflegedienst und natürlich auch im Internet finden Brandenburger und Berliner Informationsmaterialien, wie sie eine Sepsis verhindern und erkennen können“, führt Prof. Neugebauer weiter aus.

Zusätzliche Online-Angebote

Unter Federführung der MHB wurden darüber hinaus zwei kurze Online-Kurse für die Bevölkerung entwickelt, die kostenlos im Internet zur Verfügung stehen. „Der Kurs ‘Was jeder über Sepsis wissen sollte‘ klärt darüber auf, wie eine Sepsis verhindert oder zumindest rechtzeitig erkannt werden kann. Der Kurs ‘Sepsis – Betroffene und Angehörige‘ richtet sich an alle, die schon mal eine Sepsis erlitten haben oder die Sepsis-Betroffene unterstützen möchten. Gesundheitsberufe erkennen Sepsis häufig noch zu spät. Daher ist es wichtig, dass die Bevölkerung auch selbst informiert ist, die Frühwarnzeichen einer Sepsis kennt und im Zweifel auch direkt bei der Ärzt*in nachfragt, ob es sich nicht auch um eine Sepsis handeln könnte“, so Neugebauer weiter.

Interaktive Checkliste zur Früherkennung

Unterstützung bietet hierbei auch eine interaktive Checkliste zur Früherkennung einer Sepsis. „Mit Hilfe der über jedes Handy verfügbaren Checkliste ist es zudem nicht nur einfach möglich, das persönliche Sepsisrisiko einzuschätzen, sondern auch bei welchen Krankheitszeichen eine sofortige ärztliche Abklärung oder der Ruf des Notarztes nötig ist“, erläutert der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Stefan Schwartze, der die Kampagne unterstützt. Im Rahmen der Kampagne ist es auch vorgesehen, Ärzt*innen, Apotheker*innen, Pflegefachpersonen und weitere Gesundheitsberufe entsprechend zu schulen. In Kooperation mit der Charité bietet die MHB schon ab Februar eine Serie von Live-Webinaren für Pflegefachpersonen in ambulanten Diensten und Pflegeinrichtungen in Berlin und Brandenburg an. Auf Grund des digitalen Konzeptes sind weitere Anmeldungen möglich.

„Kliniken und Praxen, Ärzteverbände, Selbsthilfegruppen und Krankenversicherer sowie die Ärzte- und Apothekenkammern in Berlin und Brandenburg beteiligen sich als Multiplikatoren an der Verbreitung der vielfältigen Infomaterialien und leisten damit ebenfalls einen wichtigen Beitrag. Denn Sepsis vorzubeugen und frühzeitig zu erkennen bedeutet, Leben zu retten“, so Prof. Neugebauer abschließend.

Zum Hintergrund:

Im Projekt SepWiss engagieren sich die Medizinische Hochschule Brandenburg gemeinsam mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin, dem Universitätsklinikum Jena, dem Robert-Koch-Institut, dem Max-Planck-Institut für Bildungsforschung und der Sepsis-Stiftung. Weitere Informationen zu dem SepWiss-Projekt sowie weitere Materialien und Veranstaltungshinweise sind auf der Website www.sepsiswissen.de zu finden.

Kontakt MHB:
Dr. Eric Alexander Hoffmann
Leiter Kommunikation und Hochschulsprecher
E-Mail: eric.hoffmann@mhb-fontane.de
Telefon: +49 3391 39-14160

Kontakt Sepsis-Stiftung:
Karen Tippkötter
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
E-Mail: karen.tippkoetter@sepsis-stiftung.de
Telefon: +49 177 588 25 21

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