Aktuelles

Aktuelle Kurzinformation zu Affenpocken

Neuruppin, 30.05.2022

Im Mai 2022 wurden erstmals in verschiedenen Ländern außerhalb Afrikas Fälle von Affenpocken registriert, darunter auch in Deutschland. Das Besondere an diesen Fällen ist, dass erstens die Betroffenen nicht die sonst übliche Reiseanamnese in afrikanische Länder aufwiesen und zweitens, dass viele Übertragungen offenbar im Rahmen von sexuellen Aktivitäten erfolgt sein könnten.

Allgemeines: Affenpocken (Erreger: Monkeypox virus, MPXV) sind eine seltene Zoonose. Das natürliche Reservoir des Virus ist in Nagern. Übertragungen erfolgen in der Regel durch Tierkontakt. Übertragungen von Mensch-zu-Mensch sind nach aktuellen Erkenntnissen selten. Voraussetzung ist ein enger Haut- bzw. Schleimhautkontakt mit infektiösem Material aus den Hautläsionen einer infizierten Person, sowie – seltener – durch respiratorische Tröpfchen/Sekrete. Aktuell sind zwei unterschiedliche Varianten bekannt, die westafrikanische und die zentralafrikanische. Letztere ist deutlich pathogener mit Sterblichkeiten bei Personen unter 16 Jahren bis 10%.

Klinik: Erste Symptome sind Fieber, Kopf-, Muskel-/Rückenschmerzen und geschwollene Lymphknoten. Nach einigen Tagen entwickeln sich Hautveränderungen, welche simultan die Stadien vom Fleck bis zur Pustel (Macula, Papula, Vesikula und Pustula) durchlaufen und letztlich verkrusten und abfallen (auch die Krusten sind infektiös). Der Ausschlag konzentriert sich auf Gesicht, Handflächen und Fußsohlen, kommt aber auch anogenital vor. Inkubationszeit 5-21 Tage, Erkrankungsdauer 2-4 Wochen. Die klinischen Verläufe sind vor allem bei der westafrikanischen Variante überwiegend milde, jedoch insbesondere Neugeborene, Kinder, Schwangere, alte Menschen und Menschen mit zugrunde liegenden Immunschwächen können schwer erkranken.

Differentialdiagnosen:

  • Im Stadium vor den Hautveränderungen: Influenza, Malaria, Typhus abdominalis, Syphilis, Leptospirose und virale-hämorrhagische Fieber
  • Im exanthematischen Stadium: Windpocken (hier i.d.R. kein Befall von Handinnenflächen und Fußsohlen u. keine Synchronizität der Stadien), Zoster, Scharlach, Herpes Simplex und andere Pockenvirus-Infektionen.

Labordiagnostik ist indiziert:

  • Bei Verdacht auf eine Infektion durch zoonotische Pockenviren aufgrund einer entsprechenden Symptomatik in Verbindung mit Tierkontakten bzw. einem Aufenthalt in Endemiegebieten (Zentral- und Westafrika).
  • Bei engem Kontakt zu nachweislich mit Affenpocken infizierten Menschen innerhalb der letzten 21 Tage vor Symptombeginn.
  • Bei Männern, die anamnestisch Sex mit Männern angeben (MSM) und unklare, pockenähnliche, synchron verlaufende Hautveränderungen (hier Abgrenzung zu Windpocken, Zoster, Herpes, Syphilis etc.) aufweisen. Seit Mai 2022 hier auch ohne bekannte Reiseanamnese in Endemiegebiete, bedingt durch die aktuellen Ausbrüche in unterschiedlichen Ländern außerhalb Afrikas.

Diagnostik: Das Affenpockenvirus gehört in Deutschland zur biologischen Schutzstufe 3 (BSL-3), d.h. der Umgang mit dem Virus ist nur in Laboren ab der biologischen Schutzstufe 3 zulässig, und damit in Brandenburg nicht möglich. Bei Verdacht Anfragen zur Diagnostik unter Verwendung des Kontaktformulars, oder telefonisch unter 030-18754-2313/2763 an das Konsiliarlabor Pockenviren des RKI stellen. Zur Einsendung ist der Begleitschein des RKI zu verwenden.

Der Virusnachweis erfolgt aus nässenden Hautveränderungen, Bläschenflüssigkeit, Pustelinhalt, Krusten oder auch Abstrichen von Hautveränderungen und weiterem Probenmaterial während der akuten Krankheitsphase mittels Polymerase-Ketten-Reaktion (PCR). Eine Virusanzucht oder elektronenoptische Darstellung kann auch erfolgen. Ein serologischer Nachweis von spezifischen Antikörpern gegen Affenpockenvirus aus dem Serum ist nicht ohne weiteres möglich, da Orthopockenviren, die den Menschen infizieren können, kreuzreaktive Immunreaktionen auslösen. Der Antikörpernachweis kann somit lediglich bei fehlendem Virusdirektnachweis hilfreich sein.

Therapie: Unter strenger Indikadionsstellung Tecovirimat 2x 600 mg für 14 Tage (Erwachsene), Kinder 13-25 kg: 2 x 200 mg, Kinder 25-40 kg: 2 x 400 mg, ab 40 kg Erwachsenendosis jeweils für 14 Tage. Siehe auch unter STAKOB, Hinweise zur Therapie von Affenpocken.

Meldepflicht: Nach IfSG besteht für Affenpockenvirus sowohl eine ärztliche Meldepflicht als auch eine Labor-Meldepflicht.

Isolation: für mindestens 21 Tage und bis Schorf und Krusten abheilen/abfallen. Strikte Hygieneregeln einhalten, Tierkontakt zu Haustieren meiden.

Hygiene:

  • Händehygiene gemäß KRINKO-Empfehlung: Händedesinfektionsmittel mit Wirkungsbereich „begrenzt viruzid“.
  • Persönliche Schutzausrüstung (PSA) empfohlen: Schutzkittel, Einweghandschuhe, mindestens dicht anliegender MNS bzw. Atemschutzmaske sowie Schutzbrille und Haube (PPM).
  • Bei direkter Patient*innenversorgung mindestens FFP2-Maske gemäß Arbeitsschutzvorgabe, besser FFP-3 oder PPM (https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/A/Affenpocken/Hygiene.html)
  • Flächendesinfektion mit einem Desinfektionsmittel mit nachgewiesener, viruzider Wirksamkeit (siehe RKI-Desinfektionsmittelliste), Einwirkzeit beachten!
  • Reinigungspersonal: tägliche Reinigung und Desinfektion des Zimmers in PSA
  • Aufwirbelung infektiöser Hautpartikel vermeiden, z. B. beim Bettenmachen
  • Abfallentsorgung nach ASN 18 01 03

Weitere Hinweise und aktuelle Informationen unter:

Medizinstudentin der MHB entwickelt Schnelltest für Affenpocken

Schon 2019 hat unsere Medizinstudentin Saskia Dede Davi, beginnend mit ihrem Wissenschaftspraktikum im 7. Semester, gemeinsam mit Afrikanischen Partnern und mit ehemaligen Göttinger Mitarbeitern von Prof. Frank Hufert einen molekularen Schnelltest für Affenpocken entwickelt. Den Beitrag finden Sie hier.

Kontakt:

Prof. Dr. med. Frank T. Hufert
Professor für Mikrobiologie und Virologie
Ärztlicher Direktor am Institut für Mikrobiologie und Virologie
Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane
Standort Senftenberg
Telefon: 03573 85901
E-Mail: frank.hufert@mhb-fontane.de

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